Spritztour auf der Süderelbe
Die Sportboote dürfen von Jedermann ohne Bootsführerschein gefahren werden: Christian Lindner und Freundin Christin erkunden mit Tempo 22 die Süderelbe. Fotos Sonnleitner
Harburg hat wieder einen Beachclub, und nicht nur das: Am Neuländer Hauptdeich betreibt Timo Timmermann eine Beachbar mit Motorbootsverleih. Wer will, kann selbst auf der Süderelbe schippern oder bei einer geführten Tour Hamburg vom Wasser aus erleben.
Jemand trinkt ein Hefeweizen, ein Hund jagt nach einem Ball. Es ist ein sonniger Sonntag mitten im Juli. Strand, Wasser, was will man mehr? Timo Timmermann hat hier kürzlich einen Beachclub eröffnet. Er nennt es eher „Beachbar“, was wohl auch mit der Größe zu tun hat. Rund 40 Liegestühle befinden sich im aufgeschütteten Sand am Neuländer Hauptdeich 9.
Eine etwas schwer zu findende Ecke zwischen Autobahnausfahrt und Deichen, doch ein kleines Boot am Seitenrand weist den Weg, und schon ist der Besucher im kleinen Idyll, direkt am Nebenarm der Elbe, dem Diamantgraben. Das Besondere: Timmermann vermietet auch kleine Motorboote, sieben an der Zahl liegen im Wasser. Hier darf ohne Führerschein gefahren werden.
Doch das Besondere sind neben Chillen und die Füße in den Sand strecken die geführten Bootstouren. Timmermann oder ein Kollege lotsen die Wasserfreunde durch den gesamten Hamburger Binnenhafen, industriehistorische Erläuterungen inklusive.
Timo Timmermann betreibt die Beachbar mit Bootsverleih.
„Man erlebt in vier bis fünf Stunden das komplette Hamburg von der Wasserseite aus“, erläutert Timmermann. „Terminal Altenwerder, Reiherstieg, Spreehafen, über die Norderelbe, Entenwerder, Billwerder Bucht, Bille, Schleusen, Speicherstadt und zurück“, zählt er die Stationen auf.
An den beliebten Hafenrundfahrten orientiert, sei diese Fahrt sehr touristisch angelegt, sagt der 33-Jährige. Die Bootstouren zum selber Fahren sind eher Ausflüge für Romantiker oder jene, die die ersten Erfahrungen mit dem Motorboot machen wollen. „Bis 15 PS darf man ohne Führerschein fahren“, so Timmermann.
Auf einer Länge von drei bis vier Kilometern lässt sich hier direkt auf der Süderelbe mit maximal 22 Stundenkilometern (zwölf Seemeilen) herumschippern, der zulässigen Höchstgeschwindigkeit für Sportfahrzeuge mit Maschinenantrieb im Hamburger Hafen. Interessant für die Tour sei die relative Nähe zum Hafenbereich, sagt Timmermann, der natürlich selber einen Sportbootführerschein für See- und Binnenschifffahrt besitzt.
Auf der Norderelbe wird aber nicht geschippert. In direkten Hafenbereichen dürfen die Boote eh nur acht Stundenkilometer fahren. „Ich bin in Hamburg mit Industrie und Idylle aufgewachsen“, erklärt Timmermann seine Motivation, diese Leidenschaft zwischen Wasser, Grün und historischer Kulisse jetzt auszuleben.
Auch GZSZ-Star Kalle Haverland ist schon mal dabei. Foto: HarbourTours
Vor allem aber ist es auch eine gewisse Geschwindigkeit, die einen speziellen Blick erlaubt. Es sei eine „Erlebnistour der etwas anderen Art“, die er hier anbiete. Geführte Bootstouren eben, auf Deutschlands größtem Seehafen. Das Fachwissen habe er sich selber angeeignet, „ich bin gebürtiger und interessierter Hamburger“, betont Timmermann. Auch Catering zwischen den Wassertouren wolle er künftig in seinem Beachbar-Areal anbieten. Es gab auch schon Touren mit prominenter Begleitung. Schlagerstar und GZSZ-Schauspieler Kalle Haverland konnte schon samt Charterboot gebucht werden. Timmermann ist flexibel. Ein Gast fragt nach einer Tages-Ausleihe für eine Angeltour. „Können wir gerne drüber reden“, sagt Timmermann. „Fährst du Boot?“, fragt er sicherheitshalber.
Christian Lindner ist mit Freundin Christin gekommen. Auch er besitzt einen Sportbootführerschein. Für drei warme Monate im Jahr lohne aber kein eigenes Boot, sagt er. „Das kostet mindestens 10 000 Euro plus Nebenkosten, ein teures Hobby“, so der Hobbyskipper. Dennoch liebt er Motorbootfahrten, man sei „auf dem Wasser frei, im Vergleich zur Autobahn.“ Sie sitzen in der Beachbar und trinken Apfelsaftschorle, bevor Timmermann sie kurz für die Tour einweist. Lindner braucht er nicht viel zu erzählen. Wer noch nie ein Motorboot gefahren ist, bekommt ein Skippertraining für Boote bis 15 PS. Eine Stunde kostet 40 Euro plus Freigetränk. Timmermann vergleicht es ein wenig mit Buggy-Touren, zumindest was das motorisierte selber Fahren in einem abgesteckten Terrain anbelangt. Hier ist aber das Wasser samt Umgebung das Besondere, auch Christin besitzt dazu eine gewisse Affinität. Ihre Eltern hätten ein Boot in Winsen gehabt, erzählt sie.
Dann geht es los. Jeder der beiden bekommt eine Schwimmweste, Christian wirft den Motor an, gekonnt legen sie vom Steg um die Ecke ab. Das Wasser spritzt, fröhlich düsen sie von dannen. Auf der Süderelbe herrscht reger Binnenverkehr. An der Uferseite schwimmen Badefreunde im kühlen Nass, selbst einen kleinen Strand gibt es hier zwischen Bootsablegern und Bahngleisen. Der Verkehr fließt harmonisch miteinander, es sei normal „hier Verantwortung für einen reibungslosen Verlauf zu übernehmen, sagt Timmermann, der gelernter Speditionskaufmann ist. Aus Sicherheitsgründen wird auf das Fahren an den Landungsbrücken und auf der von der Berufsschifffahrt stark genutzten Unterelbe komplett verzichtet. Optimal ist eben der Hamburger Süden wegen des weitläufigen Wassers und seiner Hafennähe.
Was: Beachclub mit Motorbootausleihe. Zum selber Fahren oder geführte Bootstouren durch Industriehafen. Wo: Neuländer Hauptdeich 9. Wann: April bis Oktober (nach Wetterlage). Preise: Selber Fahren erste Stunde 40, jede weitere 20 Euro. Mit Begleitung 89 Euro pro Person (Benzin frei). Für wen: Jedermann, selber Fahren ab 16 oder in erwachsener Begleitung. Equipment: Schwimmweste wird gestellt. Sicherheit: Einweisung erfolgt.
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