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Inmitten von Armut und Elend

Stader Ärztin war in Nairobi für die German Doctors im Einsatz

Ein Glücksmoment: Dr. Susanne Hantke hilft einem Baby auf die Welt.

Ein Glücksmoment: Dr. Susanne Hantke hilft einem Baby auf die Welt.

„Baraka“ heißt die Ambulanz inmitten des mit 400.000 Bewohnern unvorstellbar großen Slums in Nairobi. 300 Patienten kommen täglich dorthin, wo sie von sechs deutschen Ärzten behandelt werden. Eine dieser German Doctors ist die Frauenärztin Dr. Susanne Hantke aus Stade.

Von Wilfried Stief Dienstag, 30.10.2018, 20:00 Uhr

 Für sechs Wochen tauchte die Gynäkologin, die seit 2015 nicht mehr in Stade praktiziert, in die fremde Welt ein. Die Menschen im Mathare Valley, dem zweitgrößten Slum Kenias, leben in schäbigen Verhältnissen auf engstem Raum zusammen. Sie haben keine Wasserversorgung und -entsorgung, die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal und begünstigen viele Infektionskrankheiten.

Um 8 Uhr begann täglich der Dienst in der Ambulanz, in der die Ärzte des Projektes German Doctors Helfer in der Not sind. „Dann war der Wartebereich schon mit Hunderten Kranken gefüllt“, erzählt Susanne Hantke. Auf schlichten Holzbänken ohne Lehne hätten sie ruhig und geduldig gewartet. Nur die Kinder, die an Sichelzellanämie erkrankt waren und vor Schmerzen nicht ein noch aus wussten, hätten geschrien. „Das war zuerst ganz erschreckend, und später dann gehörte es zum normalen Geräuschpegel“, erinnert sich Susanne Hantke.

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Die Gynäkologin aus Stade musste sich bei ihrer Arbeit auf die neuen Verhältnisse einstellen. Die Ausstattung des Behandlungszimmers war mehr als dürftig. Damit kam sie zurecht. Nicht aber mit dem Schicksal der Menschen, für die eine einfache Blinddarmentzündung der Tod bedeuten konnte. Wenn sie kein Geld für die OP hatten und auch keines über Verwandte zusammenbekommen konnten, gab es in der Klinik in der Stadt eben keine Hilfe.

Zu den schlimmsten Erlebnissen zählte für Susanne Hantke die Bekanntschaft mit einer 25-jährigen Frau, die an Gebärmutterhalskrebs erkrankt war. Da gebe es Vorstadien, bevor es zum Krebs kommt, die einfach und effektiv zu behandeln sind. Doch da es keine Vorsorgeuntersuchungen gibt, wie sie hierzulande üblich sind, ist das Leben bedroht. „Da stirbt in Deutschland niemand mehr dran“, sagt Susanne Hantke.

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Im zweitgrößten Slum Kenias ist Aids allgegenwärtig. Um die Krankheit einzudämmen, führen die Ärzte viele Tests durch. Wer seinen HIV-Status kennt, kann die Ansteckung anderer verhindern. Besonders wichtig ist die Betreuung von HIV-infizierten Schwangeren, um die Babys zu schützen.

Auf ihren sechswöchigen Einsatz bei den German Doctors fühlte sich Dr. Susanne Hantke gut vorbereitet. Es gebe ausreichend Informationsmaterial und auch einen NDR-Beitrag, der die Arbeit in Nairobi gut beschreibt. Zudem besuchte sie ein Seminar über Tropenmedizin.

Trotzdem hält nicht jeder eingesetzte Mediziner die sechs Wochen durch. Die Arbeit inmitten von Elend und Armut verlangt eine gewisse Robustheit. Zugute kam der Stader Ärztin auch, dass sie schon einmal in einem indianischen Reservat in den USA gearbeitet hatte.

Die Kinder sind die Lichtblicke in dem vor Armut strotzenden Stadtteil. Immer fröhlich, immer kreativ und immer herausgeputzt. Da viele von ihnen mangel- oder unterernährt sind, bieten die German Doctors Ernährungsprogramme an, die beaufsichtigt und überwacht werden. Auch HIV-infizierte Schwangere und an Tuberkulose Erkrankte lassen sich ein wenig aufpäppeln.

Zu den schönen Erlebnissen im Slum gehörte die Geburt eines Kindes. Die war zwar nicht geplant, ereignete sich aber dann doch. „Das hatte ich bei meiner Arbeit in Deutschland 24 Jahre lang nicht mehr erlebt“, sagt Susanne Hantke. Mutter und Tochter waren nach der Geburt wohlauf, und die Mutter durfte ihr Kind auch stillen, da eine Ansteckung mit Aids ausgeschlossen werden konnte.

{picture3s} Zurück in Stade hat Susanne Hantke schon vielen von ihren Erlebnissen berichtet. Sogar einen Vortrag mit Bildern hielt sie und machte so auf die Not in Nairobi und die Arbeit der German Doctors aufmerksam.

Die Zeit in Afrika habe sie demütiger gemacht, sagt Dr. Susanne Hantke. Sie hat daraus eine Lehre gezogen: „Wir sollten uns jeden Tag klar machen, wie gut es uns geht.“

Wer die ehrenamtlichen Arzteinsätze unterstützen möchte, kann sich über die German Doctors auf der Homepage informieren. Es gibt ein Spendenkonto bei der Evangelischen Bank, Iban DE12 5206 0410 0004 8888 80, Stichwort Nairobihilfe.

www.german-doctors.de

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