Stader setzen bei Fensterfertigung auf Buxtehude
Ein Jahr am neuen Standort: Blick vom Hubwagen in die hochautomatisierte Fertigung der Stader Glas am Weidegrund in Buxtehude . Fotos Vasel
Seit einem Jahr produziert die Stader Glas ihre Kunststofffenster am Weidegrund in Buxtehude – in der früheren Interpane-Halle. In dieser hatte Geschäftsführer Hans-Hermann Lemke seine Vorstellungen von einer hochautomatisierten Fertigung umsetzen können.
Damit setzen die Stader eine Tradition fort. Die Produktionshalle stand nach der Insolvenz der Flachglas Buxtehude GmbH im Frühjahr 2016 lange Zeit leer, alle Maschinen waren veräußert worden. Bis zu dem Verkauf des Werkes an ein Unternehmen aus Sottrum im Juni 2015 hatte die AGC Interpane Glas Industrie AG am Weidegrund Isolierglas produziert – seit 1980. Zeitweise arbeiteten hier mehr als 100 Mitarbeiter. Ein Grund für das Aus: Nach kräftigem Wachstum, vor allem durch den Export nach Dänemark, war das Geschäft bereits bei Interpane eingebrochen. Die dänischen Fensterhersteller vergaben die Aufträge lieber nach Polen, wo aufgrund niedriger Löhne und hoher Fördermittel durch die EU kostengünstiger produziert werden konnte. Auf dem Regionalmarkt konnten die Sottrumer nicht mehr Fuß fassen. Die Lichter gingen aus.
Vor rund einem Jahr gingen sie wieder an. Ursprünglich hatte die 1969 von Friedrich Lingner gegründete Stader Glas geplant, das Werk am Schwingedeich in Stade zu erweitern. Der Aufwand in Stade wäre – unter anderem aufgrund des Baugrunds und der Gebäudelage – allerdings hoch gewesen. Die Flachglas-Insolvenz fiel mitten in die Planungsphase. In Buxtehude stand bereits eine hochmoderne stützenfreie Halle. Die Stader wogen das Für und Wider ab – und kauften die Halle. „Diese ist ein Traum für alle, die heute eine hochautomatisierte Fertigung planen“, sagt der Geschäftsführer der Stader Glas, Hans-Hermann Lemke. Und so war schnell klar: Die Isolierglas-Herstellung (seit 1969), die Verwaltung und der Versand mit der eigenen Lkw-Flotte bleiben in Stade, die Fertigung der Kunststofffenster – seit dem Jahr 1979 ein weiterer Geschäftszweig der Stader Glas – mit 17 Mitarbeitern wird nach Buxtehude verlagert und modernisiert. „Buxtehude ist ein reiner Produktionsstandort“, betont Lemke.
Rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt das mittelständische Unternehmen insgesamt. Bereits 1978 haben sich die Stader der Sanco-Gruppe – einem Zusammenschluss von 62 Herstellern – angeschlossen. Sie kooperieren unter anderem bei Standards, Zulassung und Produktentwicklung. Das Isolierglas made in Stade, die Glastafeln dazu werden eingekauft, wird für die eigene Fenster- und Türenproduktion verwendet, aber auch Fenster- und Metallbauer gehören zum Kundenkreis. Wärmedämmung, Sonnen-, Schall- und Einbruchsschutz und Pflegeleichtigkeit, das alles spielt bei der Entwicklung eine Rolle. Die Bauwirtschaft im Norden setzt auf Fenster aus der Region. Produkte der Stader Glas wurden im Volksparkstadion und bei der A 380-Halle in Finkenwerder verbaut, aber auch in kleinen und mittleren Wohn- und Gewerbebauten.
Stader-Glas-Geschäftsführer Hans-Hermann Lemke (rechts) mit seinem Mitarbeiter Tobias Reese, einem Fachmann für Sonderanfertigungen.
Am neuen Standort Buxtehude konnte eine hochautomatisierte Hightech-Fertigung aufgebaut werden. Dadurch sei die Qualität der Produkte weiter gestiegen. Das stärke das Unternehmen im Wettbewerb. Doch auch die Mitarbeiter (Stichwort Arbeitsschutz) profitierten, schwere Hebetätigkeiten entfielen, so Lemke.
Das Unternehmen fertigt keine Fenster von der Stange, „jedes ist eine Maßanfertigung“, betont der Geschäftsführer. Das Isolierglas kommt aus Stade, Fensterflügel und -rahmen werden in Buxtehude montiert, das Isolierglas eingesetzt. Die Steuerung der Anlagen wird mit den Bestelldaten aus Stade gefüttert. Das Schweißen, das Bohren und das Schrauben übernehmen dann die computergesteuerten Maschinen, der Mensch überwacht und sorgt für den Nachschub. Beim höchst anspruchsvollen Sonderbau ist der Mensch der Maschine weiter überlegen. Übrigens: Wenn Flügel und Rahmen verbunden werden, sprechen die Fensterbauer von einer Hochzeit, so Lemke.
Das Kunststofffenster ist fertig.
Gearbeitet werde derzeit im Einschichtbetrieb, die Produktion könne aber jederzeit ausgebaut werden. Der Umsatz liegt bei 13 Millionen Euro. Die Firma, eine Tochter der Mahrenholz Holding, profitiere derzeit dank des niedrigen Zinsniveaus von der regen Neubautätigkeit und der energetischen Sanierung. Mit der hochautomatisierten Fertigung (Senkung der Kosten), der weiteren Steigerung der Qualität und der Kundenbindung durch intensive Beratung und eigene Auslieferung sieht sich die Stader Glas gut aufgestellt für den Wettbewerb.
Kritisch sieht Lemke allerdings die anhaltenden Wettbewerbsverzerrungen durch die EU-Fördermittel, die osteuropäische Firmen nutzen, um den Export nach Deutschland weiter auszubauen. Das beklagt auch der Bundesverband Flachglas. Fast 26 000 Beschäftigte zählt die Branche, die mit Float-, Guss-, Sicherheits- sowie Isolierglas rund 2,6 Milliarden Euro umsetzt. „Trotz florierender Baukonjunktur kommen Steigerungen damit kaum bei den deutschen Herstellern an“, so der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes, Jochen Grönegräs.