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Staderin Johanna Braun wird 100 Jahre alt

Freitag feiert Johanna Braun ihren 100. Geburtstag mit 30 Gästen im Spiegelsaal des Heims. Foto Beneke

Freitag feiert Johanna Braun ihren 100. Geburtstag mit 30 Gästen im Spiegelsaal des Heims. Foto Beneke

Dass sie am Freitag 100 Jahre alt wird, ist der Rentnerin Johanna Braun nicht anzusehen. Mit wachem Blick sitzt sie im Sessel und plaudert munter aus ihrem Leben. Vor allem von den Reisen, die sie nach Südamerika führten.

Von Daniel Beneke Dienstag, 01.11.2016, 15:15 Uhr

Nach dem Tod ihres Mannes wohnte sie zunächst allein und zog zur Jahrtausendwende ins Seniorenheim des Roten Kreuzes in der Wendenstraße. „Ich bin freiwillig hierher gekommen“, betont sie. Drei Mal ist sie im Heim umgezogen: „Ich hatte immer ein Zimmer mit Balkon.“

Viele Fotos erinnern an die Stationen ihres Lebens. Langeweile ist für Johanna Braun ein Fremdwort. Sie ist in den Gymnastik-, Kegel- und Gedächtnistrainingsgruppen aktiv, liest jeden Morgen das TAGEBLATT. Trotz des hohen Alters kommt sie ohne Brille und Hörgerät aus. Johanna Braun, die von 2000 bis 2015 auch dem Heimbeirat angehörte, lacht viel.

Sie lässt sich den Mund nicht verbieten und ist gerne unter Leuten. Jeden Mittwoch geht sie zum Frisör. In der Einrichtung pflegt sie viele Bekanntschaften, mit alten Weggefährten hält sie per Brief Kontakt. „Mein Geist ist noch frisch und munter“, sagt Johanna Braun. „Ich bin zufrieden.“ Das werden auch die 30 Gäste spüren, die sie zur Feier im Spiegelsaal des Heims eingeladen hat.

Der Reihe nach: Am 4. November 1916 in Leipzig geboren, lebt sie seit 40 Jahren in Stade. Sie ist in Sachsen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Während der deutschen Teilung ist sie mit ihrer Mutter in den Westen geflohen. Eigene Kinder hat sie keine, ihr damaliger Partner starb im Krieg. Der Vater unterhielt Geschäftskontakte nach Aachen, also kam die Familie dort unter. Über einen Bekannten lernte Johanna Braun ihren späteren Mann Alfons kennen, der aus Ostpreußen stammte und als Postbeamter in Stade Arbeit hatte.

„Beim Tanzvergnügen hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte – und da habe ich einfach ‚Ja’ gesagt“, erinnert sie sich. 1966 heirateten sie und zogen zusammen. In Stade arbeitete sie in einer Klinik und in einem Lebensmittelladen. In der Freizeit ist sie viel herumgekommen, hat Venezuela und Kanada besucht. Dort lebten ihr Bruder und ein Patenkind.

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