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Historie

Stades Fischmarkt im Wandel der Zeit

Der Fischmarkt im Wandel der Zeit. Fotos: Strüning/Stadtarchiv

Der Fischmarkt im Wandel der Zeit. Fotos: Strüning/Stadtarchiv

Der Fischmarkt in Stade ist heute vor allem durch seine bunte gastronomische Szene bekannt. An lauen Sommerabenden herrscht hier ein buntes Treiben mit nahezu mediterranem Flair. Das war nicht immer so.

Von Lars Strüning Samstag, 03.03.2018, 14:00 Uhr

Als Stade 994 zum ersten Mal in alten Schriften erwähnt wurde, spielten schon die Burg („urbs“) auf dem Spiegelberg und der Hafen („portus“) eine Rolle. Die Anlegestelle wurde später großzügig ausgebaut und wird heute als der alte Hansehafen bezeichnet. Ihm angegliedert war der Fischmarkt.

Der bis heute erhaltene Hansehafen entstand Ende des 13. Jahrhunderts, als die Hafenmole zwischen den Straßen Wasser West und Wasser Ost erweitert wurde. Er spielte in der Blütezeit der Stader Hansemitgliedschaft eine zentrale Rolle als Handelsplatz. Eine zentrale Funktion genießt der Fischmarkt noch heute. Er ist mit seinem Fachwerk-Ensemble, dem historischen Hafen, Mutter Flint mit ihrem Stint, dem Schwedenspeicher-Museum oder auch dem Kunsthaus eine der beliebtesten Adressen für Touristen und gilt als Wohnzimmer Stades.

Die Sehenswürdigkeit sprach sich bis Japan herum. Investoren von der Insel Okinawa wollten die viel fotografierte Häuserzeile aufkaufen und in einem Vergnügungspark wieder aufbauen. Die Stadt lehnte dankend ab.

Der Fischmarkt in den 60er Jahren: Hafenmauern und alte Gebäude machen einen maroden Eindruck. Foto: Stadtarchiv

Genauso gaga war die Idee, das alte Hafenbecken zuzuschütten, um Raum für Parkplätze zu schaffen. Die Stadt machte das einzig Richtige: Sie beschloss 1972 die groß angelegte Altstadtsanierung, die Investitionen in Höhe von 150 Millionen Euro auslöste und den Fischmarkt zum Schmuckstück polierte.

Sanierungen prägten auch in der Neuzeit das Gesicht der Straßen rund um den alten Hafen. So wurde 2013/2014 unter großem Aufwand für zwei Millionen Euro die Hude-Brücke modernisiert. Auch das Pflaster am Fischmarkt und Co ist vergleichsweise neu.

Relativ neu am Fischmarkt sind auch zwei gute alte Bekannte: der alte Holzkran und Ewer Willi, die beide das maritime Bild prägen. Seit 40 Jahren steht der Holztretkran wieder am Fischmarkt – allerdings ohne Mechanik. Soldaten des Stader Pionierbataillons 3 hatten das Relikt aus der Hansezeit wieder aufgebaut. Der Rotary-Club Stade hatte das Projekt finanziert. Jetzt erinnert eine Plakette am Kran an die gute Tat. Der Tretkran diente einst zum Löschen und Beladen der Schiffe, er wurde 1889 abgebrochen. Heute beherbergt der Kran eine viel besuchte Ausstellung zur Geschichte des alten Hafens.

Der Fischmarkt heute: Die Häuserfront wurde fast komplett erhalten. Ewer Willi und der Kran ergänzen das maritime Bild am alten Hansehafen. Foto: Strüning

Der Kran selbst hat eine lange Geschichte, erstmalig war er 1337 genannt worden, zu Zeiten, als am Fischmarkt Güter verladen und versteuert wurden, die Waage der Stadt hier stand und Butter, Käse und Fisch verkauft wurden.

Ewer Willi fehlte vielen Stadern, als er im Winter 2016 für ein paar Monate verschwunden war. Jetzt ist er wieder an seinem Liegeplatz. Er ist voll fahrtüchtig, sein generalüberholter 39-PS-Motor wurde wieder eingebaut. Willi gehört der Stadt und ist eine Schenkung von Heinrich Lührs, der den maroden Ewer mithilfe von Spendern aus der Stadt im Jahr 2000 erworben hatte. Jetzt kümmert sich der „Verein zur Pflege der Seenmannschaft Wilhelmine von Stade“ um den alten Kahn, der 1926 gebaut worden ist. Fehlt nur noch, dass er den Alten Hafen direkt gen Schwinge verlassen könnte. Doch dazwischen steht die unbewegliche Hansestraße als Barriere. Hier eine Öffnung zu schaffen, ist ein Zukunftsprojekt.

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