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Historie

Stades Pferdemarkt im Wandel der Zeit

Der Pferdemarkt im Wandel der Zeit. Fotos: Strüning/Stadtarchiv, Bearbeitung: Schulz

Der Pferdemarkt im Wandel der Zeit. Fotos: Strüning/Stadtarchiv, Bearbeitung: Schulz

Er ist der zentrale Platz in Stade: der Pferdemarkt. Er unterliegt einem steten Wandel. Zeitgeist, wirtschaftliche Anforderungen und neue Nutzungen haben sein Bild stetig verändert – wenn auch die Ausmaße des Platzes unverändert geblieben sind über die Jahre.

Von Lars Strüning Samstag, 06.01.2018, 12:00 Uhr

Die Bezeichnung „Pferdemarkt“ kommt erstmals 1539 schriftlich vor, wie Stades ehemaliger Stadtarchivar Dr. Jürgen Bohmbach in seinem „Stader Stadtlexikon“ schreibt. Früher war das Gelände der Platz am Abhang vom Georgs- oder auch Jürgensberg und wurde „bei St. Georg“ oder „auf dem Berg“ genannt. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert, so Bohmbach, muss der Pferdemarkt eine wichtige Handelsfunktion besessen haben, weil hier die Fuhrwerke aus der Geest ankamen. Vieh und Pferdemärkte werden hier stattgefunden haben. Rund um den Platz siedelten sich Ausspanne und Schänken an. Von der Gastronomie ist nicht mehr viel übrig geblieben. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein standen hier Hotels, Restaurants und Kneipen. Ältere Stader werden sich zum Beispiel noch gut an das Hotel Stubbe & Peters erinnern.

Der Pferdemarkt in den 1930er Jahren – damals, in der Nazi-Zeit, hieß er „Horst-Wessel-Platz“. Die Post ist der zentrale Bau – gegenüber liegt das Zeughaus. Foto: Stadtarchiv  

Die erste Waage der Stadt hat hier gestanden, die städtische Schreiberei war damit verbunden. der Pferdemarkt war auch Konkurrenz zum Fischmarkt am Alten Hafen. Markttreiben ist geblieben: Zwei Tage in der Woche ist der Wochenmarkt hier beheimatet, zweimal im Jahr der Jahrmarkt und der Weihnachtsmarkt.

Der Pferdemarkt erfüllt zentrale Funktionen. Der Busbahnhof wurde hier eingerichtet, der Taxistand auch. Der Individualverkehr am Rande der Fußgängerzone wurde mit der großen Altstadtsanierung zurückgedrängt. Im Sommer trifft man sich auf dem Pferdemarkt auf einen Cappuccino oder ein Eis. Banken, Geschäfte und Dienstleister prägen das Bild, das bestimmt wird von der Alten Post.

Das alte Gebäude wurde 1890/91 als Kaiserliches Postamt mit der markanten Front und dem Telegrafenturm zum Pferdemarkt hin eröffnet. Vor zehn Jahren wurde das marode Gebäude saniert, was einem Abriss mit Neubau glich. Nur die denkmalgeschützte Fassade aus der Gründerzeit blieb, von Pfeilern gestützt, stehen. Heute findet sich hier weiterhin die Post wieder, außerdem zogen zwei bekannte Textilketten nach Stade und beleben die Altstadt. Dafür wurden große Fensterfronten geschaffen.

Der Pferdemarkt heute: Die Alte Post ist saniert, zwei Mode-Läden sind eingezogen mit großer Fensterfront. Auch im Zeughaus ist neues Leben. Foto: Strüning

Am linken Bildrand ist das Zeughaus zu erkennen, ein weiteres prägendes Gebäude am Pferdemarkt. Der massive Bau stammt aus der Schwedenzeit und wurde 1669 fertiggestellt. Bis 1919 diente es militärischen Zwecken, danach gab es eine Reihe von Nutzungen wie Markthalle, Jugendherberge oder Kino. In den 1990er Jahren wurde es von Grund auf saniert. Gastronomie, Büro- und Praxisräume füllen das alte Zeughaus heute mit Leben. Im Keller liegt noch ein archäologischer Schatz: die Gruft des Bremer Erzbischofs Gottfried von Arnsberg, die zu besichtigen ist.

Die Zukunft des Pferdemarktes hat in den Köpfen der Stadtplaner bereits begonnen. Im Zuge einer neu aufgelegten Altstadtsanierung soll sich das Gesicht des zentralen Platzes ändern – dann womöglich ohne Busse und Taxen und mit einer Gestaltung aus einem Guss. Außerdem wird in diesem Jahr das Geschäftszentrum „Am Pferdemarkt“ eröffnen und später wohl auch das Parkhaus mit gleichem Namen.

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