TStart-Zielsieg für den neuen Landrat Seefried
Kuss für den neuen Stader Landrat: Wahlsieger Kai Seefried und seine Ehefrau Julia Sonntagabend im Kreishaus. Foto: Stephan
Um 20.09 Uhr gab es den Lohn für einen langen Wahlkampf: einen Blumenstrauß vom amtierenden Landrat Michael Roesberg und einen Kuss der Gattin Julia. Kai Seefried wird ab 1. November neuer Landrat im Kreis Stade.
(Letztes Update am 13. September umm 0.50 Uhr: Video und Kommentar hinzugefügt.)
Der CDU-Politiker setzte sich mit zehn Prozent Vorsprung gegen Björn Protze durch, der Genosse musste sich mit achtbaren 44 Prozent nicht als Wahlverlierer fühlen.
Es war kein spannender Wahlabend im Stader Kreishaus. Nur beim ersten eintreffenden Ergebnis um 18.21 Uhr aus Horneburg lag Sozialdemokrat Protze vorn. Danach setzte sich Kai Seefried deutlich ab und lag ab 18.30 Uhr immer über der absoluten Mehrheit. Der Stand der Auszählung von 81 von 259 Wahlbezirken kam schon in die Nähe des Endergebnisses, das aber tatsächlich erst um 22 Uhr vorlag. Danach entfielen auf Seefried 55,85 und auf Protze 44,15 Prozent. Als der Sozialdemokrat mit Familie gegen 19 Uhr ins Kreishaus kam, war längst klar, dass er diese Wahl nicht gewinnen wird.
Kai Seeefried, der gegen 19.30 Uhr vor Ort – ebenfalls mit Familie – erschien, wurde mit dem Beifall einiger christdemokratischer Getreuen empfangen. Wegen Corona waren nur etwa ein Dutzend politischer Freunde von beiden Kandidaten im großen Saal des Kreishauses dabei.
Versprechen einer fairen Zusammenarbeit
Schon vor Bekanntgabe des fast amtlichen Endergebnisses würdigte die SPD-Unterbezirksvorsitzende Petra Tiemann ihren Kandidaten: „Ein hochrespektables Ergebnis“, so die SPD-Politikerin, die wesentlich dazu beigetragen hatte, dass Björn Protze nach der überraschenden Absage des bereits vorgestellten Kandidaten Thomas Grambow im November eingesprungen war. Auch für ihn überraschend. „Wir sind auch der Familie sehr dankbar, dass sie ihm und uns diesen Wahlkampf ermöglicht hat“, so die Genossin.
Im hellblauen Anzug wartete währenddessen Kai Seefried auf die Kür durch den Kreiswahlleiter Thorsten Heinze, der kurz nach 20 Uhr ein Erbarmen mit allen wartenden Politikern und Journalisten hatte: Es fehlten zwar noch die Auszählungsergebnisse von rund fünf Prozent der Wahlberechtigten, doch nach der Arithmetik gab es längst keine Zweifel mehr am Gewinner: „Nach dem vorläufig gesicherten Ergebnis hat Herr Kai Seefried mit 55 Prozent die Wahl zum Landrat gewonnen“, verkündete Heinze.
Zum Beifall für den Gewinner gab es Blumen vom amtierenden Landrat Michael Roesberg für den Unterlegenen Björn Protze, dem wenig später auch Seefried die Hand gab, mit dem beiderseitigen Versprechen, im neuen Kreistag eine faire Zusammenarbeit zu pflegen.
"Heute ist es mein Ergebnis und dafür bin ich dankbar"
„Ich habe von Anfang an gesagt, dass Kai Seefried der Favorit ist und dieser Favoritenrolle ist er gerecht geworden“, sagte Sozialdemokrat Protze wenig später bei TAGEBLATT TV. „Uns fehlten die vier Monate Wahlkampf, weil wir von August bis November einen anderen Kandidaten hatten, insofern hat Kai Seefried verdient gewonnen, wir werden gut zusammenarbeiten.“ „Mit den 44 Prozent bin ich froh und glücklich.“
Die Zusammenarbeit im Kreishaus werde anders sein als bisher mit Michael Roesberg. „Ich vermute, dass wir weiterhin, wie im Wahlkampf, kollegial miteinander umgehen werden, so Protze.
Der neue Landrat Kai Seefried strahlte wenig später vor der TAGEBLATT-Kamera, nachdem ihm zuvor der CDU-Landesvorsitzende Bernd Althusmann gratuliert hatte. Seefried: „Es ist ein besonderer Moment, in dem in erster Linie Dankbarkeit aufkommt.“ Ein Ergebnis mit zehn Prozent Vorsprung habe er sich angesichts des bundespolitischen Umfeldes gewünscht. Ob er zufrieden sei, trotz Armin Laschet so deutlich gewonnen zu haben? „Wir haben an vielen Infoständen gespürt, wie sehr die bundespolitische Stimmung überlagert, aber heute ist es mein Ergebnis und dafür bin ich dankbar. "
Ohne jede Befürchtung in den Tag gegangen
Tatsächlich habe es während des Wahlkampfes ab und zu Momente gegeben, in denen er ein wenig gezweifelt habe, ob die Stimmung in seinem Sinne sei, aber am Wahl-Sonntag sei er ohne jede Befürchtung in den Tag gegangen – und am Nachmittag mit Tochter Marie zum Kindertheater in Stade, bevor er am Abend die offizielle Bühne als neu gewählter Landrat im Kreishaus betreten hat.
Was dies heißt, stellte am Ende des Abends der noch amtierende Landrat Michael Roesberg fest: „Ich bin bis zum 31. Oktober im Amt.“
Mit dem Ergebnis können beide leben
Ein Kommentar von Wolfgang Stephan
Seefried ergriff die Chance, was viele in seiner Partei nicht verstanden haben, denn als CDU-Generalsekretär wurde er bereits für höhere Weihen in der niedersächsischen Landespolitik gehandelt.
Im Gegensatz zu Björn Protze, der erst im November für den blamabel abgetretenen Kandidaten Thomas Grambow eingesprungen ist, konnte Seefried mit einjährigem Anlauf in die Wahl gehen, während sein sozialdemokratischer Konkurrent ohne Anlauf und mit einer bemitleidenswerten Partei im Hintergrund starten musste – noch dazu in einen Wahlkampf, der unter Pandemiebedingungen anders funktioniert als mit den handelsüblichen Veranstaltungen früherer Zeiten.
Eine neue Zeitrechnung beginnt
Seefried spielte die gesamte Klaviatur seiner landespolitischen Popularität aus, organisierte Zukunftskonferenzen mit hochrangigen Teilnehmern und platzierte seine Landesminister im Wahlkampf geschickt und medienwirksam digital und vor Ort.
Letztlich hatte Kai Seefried am Ende nur ein Problem: Er musste trotz Armin Laschet in diese Wahl gehen, während der Genosse Trend in die andere Richtung marschierte. Die bundespolitischen Umfragewerte für Olaf Scholz waren Balsam für die geschundenen Seelen der Genossen. Aus der Last wurde urplötzlich auch für Björn Protze Lust. Die neue Lust. Die SPD ist wieder wer. Insofern ist dieses Wahlergebnis für beide Kandidaten gleichermaßen respektabel. Björn Protze hat sich in diesen Monaten zu einem Politiker entwickelt, der mit seinen 40 Jahren noch jedwede Zukunft vor sich hat. Auch wenn er es anders gesagt hat: Kaum vorstellbar, dass er im nächsten Jahr nicht als Landtagskandidat antreten wird. Personell hat die SPD seit gestern Abend ein Problem weniger.
Für Kai Seefried beginnt am 1. November eine neue Zeitrechnung, in der er liefern muss. Die Landkreisverwaltung will er bürgernah umbauen. Das war sein Wahlversprechen, wohlwissentlich, dass diese Hürde hoch liegt. Wer im Januar noch Wochen auf seinen Führerschein warten muss, weiß, an wen er sich zu wenden hat. Und die CDU hat ein Problem: Sie muss einen neuen Kreisvorsitzenden und einen neuen Landtagskandidaten küren. Die Fußstapfen, die Seefried als Parteipolitiker hinterlässt, sind groß.