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TStartschuss für Harsefelder Smart City - Revolutionäre Stromversorgung

Das Viebrockhaus N 600 hat knapp 180 Quadratmeter Wohnfläche und kann tagelang über das E-Auto vor der Tür mit Strom versorgt werden.

Das Viebrockhaus N 600 hat knapp 180 Quadratmeter Wohnfläche und kann tagelang über das E-Auto vor der Tür mit Strom versorgt werden.

Ab sofort laufen in der Harsefelder Smart City Fernseher, Computer und Wärmepumpe nur noch mit Sonnenstrom aus der Batterie. Das Besondere: Der Speicher für ein ganzes Haus ist ein Elektroauto, das vor der Tür parkt.

Von Miriam Fehlbus Sonntag, 19.02.2023, 15:51 Uhr

Stefan Wenzel, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, lässt sich die Grundlagen des Smart-City-Gedankens zeigen. Vom anfänglichen „Testlabor“ hat sich das Quartier im Neubaugebiet am Neuenteicher Weg entfernt.

Vieles hat es zur Serienreife geschafft. Viebrockhaus N 600 heißt das neueste Modell des Harsefelder Familienunternehmens, das auch bidirektionales Laden integriert. Mit dieser Technik können Hausbesitzer via Photovoltaikanlage ihr Elektroauto für Fahrten aufladen, aber auch die gespeicherte Energie wieder dem Wohnhaus zur Verfügung stellen. Wenzel gibt vor Pressevertretern den Startschuss.

Ein Stück Zukunft für Berlin, Realität in Harsefeld

„Es ist beeindruckend, wie früh Sie Entwicklungen angegangen sind, die heute weitergedacht werden“, sagt Stefan Wenzel in Richtung Seniorchef Andreas Viebrock. Dazu gehören moderne Techniken, Altholz-Recycling, energiesparende Baustoffe und jetzt das bidirektionale Laden. Dieses macht das Haus faktisch energieautark, wenn es mit eigenen erneuerbaren Energiequellen kombiniert wird. Der ehemalige niedersächsische Umweltminister nennt das Projekt „ein Stück Zukunft“, weil es ja allgemein noch nicht in der Anwendung sei.

„Wir beraten gerade im Bundestag das Messstellenbetriebsgesetz“, sagt Wenzel. Strom-Kunden sollen das Angebot flexibler nutzen und Überschüsse zu günstigen Konditionen erhalten können. Viele Speichermöglichkeiten dort, wo der Strom gebraucht wird, sollen aber auch für die Netzbetreiber den Vorteil bieten, dass diese nicht mehr auf die höchste denkbare Leistung ausgelegt werden müssen.

Am Innovationsstandort Harsefeld will keiner auf das Gesetz warten. „Wir verbauen diese Technik ab sofort und rüsten sie auch bei Interesse nach“, sagt Juniorchef Dirk Viebrock.

Notstrom für Blackouts und Vorteil für Netzbetreiber

Die Umsetzung macht ein System möglich, das das Haus für die Zeit der Versorgung aus der Autobatterie komplett vom Netz nimmt. „Wie es im ganz großen Stil klappt, wenn es alle machen, das muss sich zeigen“, sagt der Grünen-Politiker Wenzel. Er ist aber überzeugt: „Das wird sich in den nächsten Jahren weiterentwickeln.“

Staatssekretär Stefan Wenzel tankt nicht das Auto auf, sondern sorgt für Licht in dem von Lars und Dirk Viebrock (von links) vorgestellten Haus. Die Brüder leiten das Familienunternehmen in der dritten Generation. Fotos: Fehlbus/Viebrockhau

Staatssekretär Stefan Wenzel tankt nicht das Auto auf, sondern sorgt für Licht in dem von Lars und Dirk Viebrock (von links) vorgestellten Haus. Die Brüder leiten das Familienunternehmen in der dritten Generation. Fotos: Fehlbus/Viebrockhau

Das Viebrockhaus N 600 wird mit Wärmepumpensystem beheizt. Eine Schrägseite des Hausdaches ist Gründach. Das mindert den Faktor der Flächenversiegelung, bietet Lebensraum für Insekten. Auf der anderen Dachseite ist eine 31 Module umfassende Photovoltaikanlage installiert. Ein Teil des erzeugten Stroms wird ins Netz eingespeist, ein Teil „getankt“. Die intelligente Wallbox schafft 22 Kilowatt. „Mit dem Überschuss wird zuerst das Haus versorgt, dann automatisch das Auto, das Haus regelt das selbst“, sagt Lars Viebrock. So sei ein hoher Effizienzgrad des Sonnenstroms gesichert. Das System funktioniert mit der „Vehicle-To-Home-Funktion“ wie das bidirektionale Laden zwischen Auto und Haus genannt wird, zugleich als Notstromfunktion für Blackouts.

Jedes Haus kann von der Sonnentankstelle profitieren

Nicht nur eine Nacht lang, in der die Sonne bei einer Photovoltaikanlage keine Energie liefert, kann mit der Batterie überbrückt werden. In den Häusern der Smart City wurde fast eine Woche mit einer „Tankladung“ Sonnenstrom erreicht. Und weil das Auto fahren kann, ergibt sich noch ein potenzieller Vorteil: „So lässt sich Strom zum Haus transportieren“, sagt Andreas Viebrock. Das bedeutet, dass auch ein Haus ohne Photovoltaikanlage und ohne größere Infrastruktur mit grüner Energie versorgt werden kann. Andreas Viebrock denkt bereits konkret über Sonnenstrom-Tankstellen nach. Ein bisschen Testlabor ist die Smart City dann doch noch.

Keine Verbindung zum Stromnetz. Das Haus ist autark.

Keine Verbindung zum Stromnetz. Das Haus ist autark.

Wenn ein Elektroauto aufgeladen wird, wird Wechselstrom (AC) vom Stromnetz in Gleichstrom (DC) umgewandelt. Diese Umwandlung geschieht mit Hilfe eines Wandlers. Soll der in der Batterie des Elektroautos gespeicherte Strom wieder im Haus verwendet werden, muss er erneut in Wechselstrom umgewandelt werden. Das müsste auch geschehen, wenn so gespeicherter Strom ins Netz eingespeist werden soll. In beiden Fällen könnte es in Zukunft helfen, die Spitzenzeiten bei starker Sonneneinstrahlung am Tag abzufedern und zum Beispiel nachts nutzbar zu machen.

Stefan Wenzel lässt sich von Andreas Viebrock, (links), Dirk Viebrock (rechts) und Lars Viebrock das System erläutern.

Stefan Wenzel lässt sich von Andreas Viebrock, (links), Dirk Viebrock (rechts) und Lars Viebrock das System erläutern.

So sieht das Viebrockhaus N600 von innen aus.

So sieht das Viebrockhaus N600 von innen aus.

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