Streetworker: Viktor Henze zieht eine Zwischenbilanz
Als Streetworker in Stade und im Quartiermanagement im Altländer Viertel tätig: Viktor Henze .
Offen seien die Menschen, denen er helfe, sicher nicht aggressiv und auch nicht faul. Das sagt Stades Streetworker Viktor Henze über die jungen Leute, denen er im Altländer Viertel, an vielen Stellen in der Innenstadt und in Haddorf begegnet und denen er auf die Sprünge hilft.
Im Ausschuss für Demografischen Wandel und Integration (DWI) erstattete er Bericht. Die Sprache sei das größte Problem, und da bräuchten die jungen Menschen Zeit, Deutsch zu lernen und sich im fremden Land zurechtzufinden. Meistens habe er es mit Afghanen zu tun, und da müsse auch er sich Mühe geben, die Sprachbarrieren zu überwinden, mit Händen und Füßen reden, um zum Ziel zu kommen.
Der Streetworker spricht die jungen Leute an, die er auf der Straße findet. Henze bietet aber auch seine Hilfe im Alvi an, der Begegnungs- und Veranstaltungsstätte im Altländer Viertel, das die Stadt im letzten Jahr als Anlaufpunkt geschaffen hat. Dort trifft er sich mit denen, die Orientierung und Beratung brauchen, die einen Weg aus ihrem Leben in die Normalität suchen.
„Wenn die Motivation da ist, klappt das auch“, sagt Henze, der vor 30 Jahren als Sportlehrer aus dem Osten kam. Henze schilderte den Ausschussmitgliedern, was er erreichen konnte. 14 junge Menschen hat er in Ausbildung gebracht, zehn fanden mit ihm einen Job. Viele Flüchtlinge konnten durch seine Hilfe besser in ihre Umgebung integriert werden, zum Beispiel in Sportvereinen, und einem Dutzend junger Leute vermittelte er einen Praktikumsplatz.
Die Bilanz bezieht sich auf einen Zeitraum von gut eineinhalb Jahren, seit Mitte 2016 ist Henze wieder als Streetworker der Hansestadt tätig. Zwischendurch war er raus, weil er „nur“ Diplomsportlehrer, nicht aber studierter Sozialpädagoge ist.
Mit jungen Leuten und schwierigen Fällen hat Henze in Stade seit vielen Jahren Umgang. Da fällt seine langjährige Arbeit in Haddorf ins Gewicht. Als vor gut 25 Jahren viele Russlanddeutsche nach Stade kamen, gab es junge Menschen, die sich nicht gleich zurechtfanden. Haddorf hatte da ein Problem. Die Betonung liegt auf „hatte“. „Das ist bei uns richtig ruhig geworden“, sagte Hermann Müller, Ortsbürgermeister von Haddorf.
Sabine Giesler (SPD) fragte nach dem Unterschied der zurückliegenden Lage in Haddorf und der heutigen im Altländer Viertel. In Haddorf, so Henze, hätten die Eltern ihren Kindern damals mit auf den Weg gegeben, was aus sich zu machen. Das sei auch geschehen: Heute bauten die Rabauken von damals ihre Häuser. Im Altländer Viertel heute bräuchte es mehr Zeit, die Menschen mit den Gepflogenheiten in Deutschland vertraut zu machen. Das merke er, wenn zum Beispiel Termine nicht eingehalten würden.
Außerdem habe das Altländer Viertel einen schlechten Ruf, was die Integration erschwere, bedauerte Henze. Er betonte aber auch, dass er keine Gewalt von jungen Leuten gegenüber Älteren erlebt habe. Allerdings sei auch Realität, dass Polizisten angepöbelt würden, wenn sie zum Beispiel mit einem Haftbefehl einen Verwandten abholten.
Viktor Henze ging auch auf die Vorkommnisse ein, als Silvester Feuerwehrleute ihren Einsatz im Altländer Viertel nicht beginnen konnten, weil Passanten sie daran hinderten. „Wir kennen die Leute“, sagte Henze, zusammen mit der Polizei seien bereits Maßnahmen ergriffen worden. Letztlich verdienten die Einsatzkräfte Respekt, daran werde gearbeitet.
Auf Nachfrage von Nasir Rajput (CDU) sagte Streetworker Henze, die anfallende Arbeit im Stadtgebiet sei mit den zehn Stunden, mit denen die Streetworkerstelle ausgestattet sei, nicht leistbar. Da bräuchte es ein Team, um der Arbeit konsequent nachgehen zu können.
Die Antwort ergänzte Bürgermeisterin Silvia Nieber. Die Arbeit des Streetworkers müsse im Zusammenhang mit der Stadtjugendpflege gesehen werden, die ebenfalls im Altländer Viertel vor Ort sei. Henze selbst stellte sie ein gutes Zeugnis aus. Er werde als Persönlichkeit akzeptiert, was besonders sei.
Ein Grund für die Anerkennung von Viktor Henze sei, dass er auch Sportangebote mache. Der Renner ist dabei das Mitternachtsfußball im Altländer Viertel. In Haddorf wird Volleyball gespielt. Damit begeistert er die Jugendlichen, die sich dann auch an die Regeln halten, die der Sportlehrer vorgibt. Eine Schule fürs Leben.