Streitschlichter vermitteln im Athenaeum
Das Team der Streitschlichter (von links): Fritz Banning, Tim Evers, Nele Dittmer, Julia Fuchs, Niklas Köser, Finn Larisch, Leonie Wagner, Dr. Wolfram Washof, Gabriele Heimann. Fotos Neuberg
Wenn in Schulen viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen und sich entwickeln, kommt es natürlicherweise immer wieder zu Streit. Um dem zu begegnen, gibt es die Konfliktlotsen. Am Stader Gymnasium Athenaeum gibt es die Gruppe schon seit zehn Jahren.
Jugendreporterin Luise Kranzhoff (18), ehemalige Schülern des Gymnasiums, stellt sie vor.
Nicht nur am Athenaeum, auch an anderen Schulen sind Streitschlichter längst etabliert – so zum Beispiel am Vincent-Lübeck-Gymnasium und an der Realschule Camper Höhe. Das zehnjährige Jubiläum der Konfliktlotsen am Athenaeum lädt zu einem Nachdenken über folgende Fragen ein: Wie können Streitschlichter in das Geschehen eingreifen und den Schulalltag für alle angenehmer machen? Wo liegen ihre Grenzen?
„Ich bin Streitschlichter, weil ich lernen will, wie man gut und richtig zwischen Streitenden vermittelt und gemeinsam eine Lösung erarbeitet.“ So fassen einige Schüler aus den Jahrgängen 7 bis 9 ihre Motivation zusammen. Dies zu lernen, ist sicherlich eine nützliche Fähigkeit, die über das Schulleben hinaus Türen öffnen kann. Mediation ist eine anerkannte Qualifikation, die zum Beispiel auch Teil eines Jurastudiums sein kann. In der Schule werden diese Fähigkeiten von Lehrern an interessierte Schüler vermittelt. Lehrer erwerben ihrerseits vorher die Kenntnisse bei Fortbildungen. Fragen sind da zum Beispiel: Wie verhält man sich neutral, aber bestimmt in eskalierenden Situationen? Wie kann man zu einer Einigung finden oder die Streitenden dazu führen, selber eine Lösung zu finden? Das hängt sicherlich von der einzelnen Situation ab. Grundideen kann aber eine Ausbildung vermitteln und zusätzlich die nötige Sicherheit geben, in einer Konfliktsituation beherzt einzuschreiten.
Viel schwieriger scheint es zu sein, ein Konzept zu finden, wie das Angebot der Streitschlichter auch tatsächlich von den Schülern genutzt wird. Lehrerin Gabriele Heimann, die 2006 zusammen mit ihren Kollegen Dagmar Schröder-Doms und Peter Trautmann die Arbeitsgemeinschaft am Athenaeum gegründet hat, berichtet, wie sich das Konzept über die Jahre verändert hat. Zunächst habe es einen Raum gegeben, in dem in der ersten großen Pause immer Streitschlichter saßen, die man bei Problemen ansprechen konnte. Dieses Angebot sei aber kaum genutzt worden, was natürlich auch für die Streitschlichter enttäuschend war. Zudem habe die Umstellung auf G8, also das Abitur nach acht Jahren auf dem Gymnasium, dazu geführt, dass die vorher als Streitschlichter in Frage kommenden Schüler der neunten und zehnten Klasse weniger Zeit für Nachmittagsaktivitäten wie Arbeitsgemeinschaften hatten.
Das machte eine Änderung des Konzeptes notwendig. Man stellte fest, dass die meisten Konflikte mit Handgreiflichkeiten in der fünften und sechsten Klasse auftreten. Also baten die für die Streitschlichter zuständigen Lehrer die jeweiligen Lehrerteams dieser Klassen, jeweils drei Schüler auszuwählen, die nach ihrer Ansicht über die nötigen sozialen Kompetenzen verfügen. Diese genießen dann die Ausbildung zu Konfliktlotsen und sind hinterher für zwei Jahre Ansprechpartner ihrer Klassenkameraden. Das hat den Vorteil, dass die Betroffenen die Streitschlichter kennen. Außerdem gibt es in jeder Klasse Schüler, die die gesamte Gruppe im Blick haben und Beratungslehrern von Problemen berichten können. Diese helfen dann zusammen mit dem Klassenlehrer bei Fällen, wie zum Beispiel Mobbing, bei denen Streitschlichter allein nicht viel ausrichten können. Aber auch nach den zwei Jahren können Interessierte weiterhin als Konfliktlotsen aktiv sein. Sie stellen dann unter anderem das Konzept in den unteren Klassenstufen vor. Am Athenaeum sind Feierlichkeiten geplant. Neben einer Preisverleihung für das beste Logo für die Streitschlichter (zwei Warengutscheine im Wert von 100 Euro stiftete ein Elektronikfachmarkt) ist eine Feierstunde mit Reden geplant. Unter anderem werden die beiden gegenwärtigen Schulsprecher und ehemaligen Streitschlichter Katharina Kelm und Wesley Kruin über ihre Erlebnisse berichten. Vor allem ist es aber auch eine Gelegenheit, auf Streitschlichter und ihre Arbeit hinzuweisen, die Anerkennung verdient hat.
Eine Szene der Ausbildung (von links): Wesley Kruin, der inzwischen auch Schülersprecher ist, reicht Ester Theivagt die Hand.