Strom vom kleinen Stromproduzenten nebenan
Das Hamburger Start-up Enyway vermittelt Strom an Privathaushalte.
Die Hamburger Vermittlungsplattform Enyway will den Energiemarkt aufmischen und bringt Kleinerzeuger in Kontakt zu Endkunden.
Von Rainer Kreuzer
Jens Kröger betreibt im Alten Land drei Windräder und produziert damit 1800 Kilowatt Strom. Mehr als genug, um ein ganzes Dorf zu versorgen. Doch anstatt die bescheidene Menge anonym ins große Netz zu pumpen, sucht sich Kröger seine Abnehmer persönlich im Internet und schließt mit diesen einen Vertrag. Was bislang undenkbar war, macht nun das Hamburger Start-up Enyway seit Ende vergangenen Jahres möglich.
„Jeder Privathaushalt und kleine Gewerbebetriebe können sich ihren persönlichen Stromverkäufer aussuchen und sich vollständig von diesem versorgen lassen.“, sagt Sprecher Björn Walter. Bis jetzt hätten sich auf seinem Portal bundesweit 35 Kleinproduzenten zusammengefunden, die mit ihrer Strommenge rund 20 000 Kunden beliefern könnten. Doch so viele Abnehmer haben Walter und seine 64 Kollegen noch längst nicht. Wie viele es sind, wollte er nicht verraten.
Enyway ist aus dem Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick hervorgegangen. Rund 70 Prozent der Mitarbeiter hätten zuvor dort gearbeitet, versichert Walter. Denn für die umfangreiche Bürokratie bei der Vermittlung von Stromlieferungen, ihre Abwicklung über die Netzbetreiber sowie das Beachten unzähliger Vorschriften und Auflagen seien erfahrene Profis erforderlich.
Der Ökostrom mit persönlichem Antlitz ist trotz seines Nischendaseins kaum teurer als beim städtischen Anbieter Hamburg Energie. Jens Kröger beispielsweise verlangt 44,19 Euro von einem Einpersonenhaushalt mit durchschnittlichem Verbrauch. Auch die anderen Produzenten verlangen Preise meist in dieser Größenordnung. Hinzu kommen 3,99 Euro, die der Kunde als Vermittlungsgebühr an Enyway zahlen muss. Macht zusammen rund 20 Prozent mehr als beim kommunalen Konkurrenten.
Auch wenn der Wind mal nicht weht oder die Sonne auf die Solarzellen nicht scheint. Die Lichter bei den Stromkunden zu Hause gehen dann noch lange nicht aus. Denn letzten Endes fließt der Strom aus der Steckdose immer, solange der Anschluss nicht wegen unbezahlter Rechnungen abgeklemmt wird. Der Kleinproduzent muss aber im Falle einer Flaute oder einer Panne an seinen Anlagen Strom von anderen Produzenten nachkaufen und damit seine Kunden versorgen. Auch diesen verwaltungstechnischen Aufwand übernimmt dann Enyway.
Die neuen Gründer in der Großen Reichenstraße direkt in der City pflegen trotz bürokratischer Kleinarbeit nach außen hin das lässige Flair der Start-up-Szene. Wer dort anruft, wird mit „Björn, hallo“, begrüßt. Das „Du“ gehört auch gegenüber Kunden zum gutem Ton und wirkt persönlich, vertrauensvoll und nett. Nur etwas lästig könnten die Emails werden, in denen man nach jeder Kontaktaufnahme nach seiner Zufriedenheit mit dem Service gefragt wird. Okay. Wichtiger aber ist, dass die Lichter nicht ausgehen, auch ohne Strom von den großen Konzernen.