Studentin Elli rettet Lebensmittel
Studentin Elli Richters aus Osten-Isensee hat ihre Mutter angesteckt mit ihrem Engagement, der Wegwerf- und Überflussgeselsschaft etwas entgegenzusetzen. Foto: Kramp
Elli Richters (22) aus Osten-Isensee rettet Lebensmittel. Foodsharing – also „Essen teilen“ – heißt ihr Betätigungsfeld. In Hamburg ist sie seit einem Jahr äußerst aktiv – und neuerdings auch im nördlichen Elbe-Weser-Raum. Denn die Region ist in Sachen Foodsharing noch ein weißer Fleck.
Die Studentin will andere motivieren, der Wegwerfmentalität den Rücken zu kehren. Sie ist die Botschafterin dieser auf Nachhaltigkeit setzenden Initiative Foodsharing für den Landkreis Cuxhaven und Kehdingen. Deren erklärtes Ziel lautet: Privatpersonen, Produzenten sowie Händler über die Online-Plattform foodsharing.de auf einfachem Wege miteinander zu vernetzen, damit noch mehr verzehrbare Lebensmittel abgegeben werden und nicht in der Mülltonne landen. So wird deutlich gemacht: Essen darf keine Wegwerf-Ware sein – und Elli setzt ein Zeichen gegen den Überfluss für nachhaltiges Wirtschaften.
Ein kürzlich initiiertes Treffen in Osten auf der Suche nach Gleichgesinnten sei allerdings eher verhalten ausgefallen. Vielleicht liege es daran, dass es im ländlichen Raum schwieriger sei, derartige Initiativen zu starten. Auf eine Mitstreiterin für die gute Sache kann sie sich jedoch verlassen: Ihre Mutter Monika Richters macht mittlerweile selbst aus Überzeugung mit, überschüssige Lebensmittel zu retten.
Foodsharing funktioniert nach festen Regeln, erläutert Cuxland-Botschafterin Elli. Der „Foodsharer“ listet nicht mehr benötigte Lebensmittel online auf, damit andere sie abholen – auch in Form sogenannter „Essenskörbe“ im privaten Bereich. Oder er sucht auf der Plattform selbst ortsnah nach gelisteten Lebensmitteln. Ein „Foodsaver“ holt nach einer Einführung nicht mehr benötigte Lebensmittel in Betrieben ab und verteilt sie direkt oder über sogenannte „Fair-Teiler“ mit seiner lokalen Community.
„Fair-Teiler“ sind Abholplätze an leicht zugänglichen Orten, zu der überschüssige Lebensmittel hingebracht werden, damit andere sie von dort einfach und unkompliziert mitnehmen. „Das muss man sich wie einen öffentlichen Bücherschrank vorstellen“, erklärt Elli Richters. Lebensmittelbetriebe können über die Internet-Plattform Lebensmittel spenden. Die Abholung und Verteilung wird über die „Foodsaver“ geregelt.
„Wir sind aber keinesfalls eine Konkurrenz zu den Tafeln. Unser Prinzip des Verteilens funktioniert völlig anders. Bei uns muss keiner die Bedürftigkeit nachweisen, alles läuft absolut geldfrei, es geht uns darum, Lebensmittel vor der Tonne zu retten und Betriebe zu sensibilisieren, ihren Ein- und Verkauf an dem tatsächlichen Verbrauch zu planen“, betont die Studentin.
Dass man als Nutzerin Geld spare, sei ein schöner Nebeneffekt, schmunzelt sie. „Man muss sich eben auf Neues einstellen können. Es ist schon eine Wundertüte“, sagt sie und ergänzt grinsend: „Man erfährt dabei viel Neues über Lebensmittel, die man sich vorher nicht getraut hat zu kaufen.“
Kochen zu können, sei als Mitglied der Community auf jeden Fall hilfreich, sagt Elli und verweist auf Rezeptideen auf der Internetseite www.zugutfuerdietonne.de. Als Botschafterin kann Elli selbst Betriebe ansprechen, mitzumachen. „Wir sind hier erst wenig Foodsaver“, sagt die junge Frau – und hofft darauf, dass sich der Aktion in dieser Region mehr Gleichgesinnte anschließen, um ein Netz und Fair-Teiler aufzubauen.
Kontakt aufnehmen können Interessierte über Registrierung auf der Plattform www.foodsharing.de. „Es wäre super, wenn sich ganz viele Leute anmelden“, hofft die Lebensmittelretterin auf Gleichgesinnte. Wer Fragen zum Prozedere hat, kann zu Elli Richters über Facebook Kontakt aufnehmen.
Foodsharing ist eine 2012 in Berlin entstandene und seither erheblich angewachsene Initiative. Sie engagiert sich gegen Lebensmittelverschwendung. Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben werden von den Mitgliedern vor der Tonne „gerettet“ und weiter verteilt. Die Initiative versteht sich als bildungspolitische Bewegung und fühlt sich erklärtermaßen nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen verpflichtet. Ihre Mitglieder setzen sich unter anderem ein „für einen Wegwerfstopp und gegen den Verpackungswahnsinn der Supermärkte“.
Die Organisation läuft in erster Linie über die Online-Plattform www.foodsharing.de. Dort registrieren, vernetzen und koordinieren sich die Lebensmittelretter (genannt Foodsharer/Foodsaver) in den Städten und Regionen. Mitglieder dieser „Community“ arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Die Initiative ist kostenlos, nicht kommerziell, unabhängig und werbefrei.
Manches ist vom Verteilen ausgeschlossen: Dazu zählen Lebensmittel mit festem Verbrauchsdatum („Verbrauchen bis zum ...“), zum Beispiel roher Fisch und rohes Fleisch. Das Verbrauchsdatum ist allerdings nicht mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) zu verwechseln.
Große Rolle spielt, in welchem Zustand die Lebensmittel sind. Ein nicht mehr knackiger Salat darf abgegeben werden, wenn er sonst in Ordnung ist. Falls bei der Lagerung vor allem von empfindlichen Lebensmitteln (wie Fleisch, Fisch, Eier) die Kühlkette unterbrochen oder die Packung beschädigt wurde und sich deutlich sensorische Veränderungen wahrnehmen lassen (Duft und Optik), dürfen sie nicht weitergegeben werden.
Regeln der „Community“ sind unter anderem Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Einhaltung des Lebensmittelrechtes.