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TAGEBLATT-Mini-EM: Das sind die Helden der K.o.-Runde

Nervenstarke Nordiren, mutige Schweizer und talentierte Spanier: Die Mini-EM hat wieder für viele Geschichten gesorgt. Das TAGEBLATT stellt die auffälligsten Spieler der K.o.-Runde in Stade vor.

Von Tim Scholz Montag, 20.06.2016, 15:40 Uhr

"Wenn Nico auf dem Platz steht, reißt er die Jungs mit", sagt Nordirlands Trainer Torsten Grube. Bei der U13 der JSG Geest (Sponsor Euhus Fredenbeck) gehört Nico Umland zu den Leistungsträgern, auch bei der Mini-EM war er ein Garant für den Finaleinzug. Technisch und körperlich, so Grube, habe der 13-jährige Mittelfeldspieler seinen Mitspielern einiges voraus und äußere auch mal ein kritisches Wort. Umland selber gibt sich jedoch bescheiden: "Ich bin nur ein kleines Teilchen des Erfolg."

Levi Schleßelmann hat als Kapitän beschondere Aufgaben im Team der Iren (JSG Altes Land U12, Sponsor Toom Baumarkt). Der zwölfjährige Verteidiger ist das Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. "Wenn es Streit gibt, dann schlichte ich", erklärt Schleßelmann. Diese Aufgabe liege ihm, weil er sich mit allen Spielern gut verstehe. Und: "Wenn uns eine Übung im Training nicht gefällt, dann sage ich es dem Trainer."

Für Louis Gehlken gab es bei der Mini-EM ein besonderes Duell. Im Achtelfinale traf der elfjährige Offensivspieler auf Frankreich (JFV Stade U12, Sponsor Intersport Mohr Dollern) auf Nordirland und damit auf seinen Ex-Club JSG Geest. Erst in der Vorwoche hatte Gehlken sein letztes Spiel für die erste U12 der JSG bestritten. Bei der Mini-EM erlebte der Neu-Stader jedoch einen unschönen Einstand: Für die Franzosen war im Achtelfinale Schluss. 

Im Achtelfinale trafen mit Island (TSV Buxtehude-Altkloster U13, Sponsor HBI) und Italien (TSV Eintracht Immenbeck U13, Sponsor Stackmann) zwei Buxtehuder Teams aufeinander, aus denen sich viele Spieler kennen. Wie der Italiener Kjell Sandleben (Foto, rechts) und der Isländer Nicolas Greiff. Die beiden besuchen die gleiche Klasse am Gymnasium Süd und sind auch darüber hinaus miteinander befreundet. "Wir haben uns auf das Duell gefreut", sagt Sandleben, der mit Italien jedoch gegen Island ausgeschieden ist. Sticheleien? "Die wird's geben?", sagt Greiff und grinst.

"Wir sind schon enttäuscht", sagt Bjarne Stephan (Foto, rechts) nach dem 0:10 Rumäniens (JSG Nord U12, Mittwochsjournal) im Achtelfinale gegen England. Der Gegner sei von der Physis überlegen gewesen. "Wir hätten mehr in die Breite spielen müssen", ergänzt Mitspieler Lasse Mahler. Während Mahler schon seit seinem dritten Lebensjahr Fußball spielt, hat Stephan erst vor anderthalb Jahren damit angefangen.

Mika Ney aus dem spanischen Team (SV Drochersen/Assel U13, Sponsor Autohaus Cordes) hat bei der Mini-EM sein letztes Spiel für D/A bestritten. Der Elfjährige wechselt zur kommenden Saison zur U13 von Werder Bremen und erhofft sich davon "eine gute Entwicklung". Mika Ney hatte bislang einmal im Monat mit Bremens Talentteam trainiert. "Das ist schon ein Verlust für uns", sagt D/A-Trainer Jan Samland, "wir werden ihn auch mal bei Spielen besuchen."

Nico Roggendorf hatte noch kein einziges Gegentor kassiert, dann kam das Viertelfinale. Gegen Island musste der Engländer (JSG Apensen/Harsefeld U13, Sponsor Taxi Rombach) gleich zweimal hinter sich greifen, war aber machtlos. "Wir haben den Gegner auf die leichte Schulter genommen", sagt der Zwölfjährige, der seit seinem vierten Lebensjahr in Apensen Fußball spielt. Seit nun schon fünf Jahren steht er zwischen den Pfosten.

"Ohne ihn wären wir nicht so weit gekommen", sagt Islands Trainer Torsten Stahl. Er meint Abwehrchef Bjarne Levi Kayser. Erst seit einem Jahr, nach seinem Wechsel aus Immenbeck, spielt er beim TSV Buxtehude-Altkloster. Bei der Mini-EM habe Kayser erwartet, dass die Isländer die Vorrunde überstehen. Dass sie dann gleich ins Halbfinale stürmen, "war das i-Tüpfelchen". Auch den Trainer freut's: "Wir wollten ins Halbfinale, das Versprechen haben wir eingelöst, auch für unseren Sponsor."

Die Nordiren sind bei ihren vier Neunmeterschießen immer mit den gleichen Schützen angetreten. An zweiter Stelle: Matti Rüther. "Ich habe einen harten Schuss und kann gut zielen." Sein Rezept: "Beim Anlaufen auf den Ball schauen und dann mit dem Vollspann abziehen." Das klappte immer, außer im Endspiel. Druck? "Nein, ich komme mit der Situation klar." Und Matti Rühter hat sich auch freiwillig als Schütze gemeldet.

Sieben Schützen scheiterten beim Neunmeterschießen im Spiel um Platz drei. Dann trat der Schweizer Torhüter Björn Ehlen (JFV Stade U13, Sponsor Stadtwerke Stade) an und beendete das Trauerspiel zugunsten seiner Farben. "Beim Bolzen spielen wir manchmal Elfer-König", erzählt Ehlen. Mehr Erfahrung mit dieser Situation hat der 13-Jährige nicht. Zwischen die Pfosten war Ehlen schon bei seinem Ex-Klub FC Oste/Oldendorf gegangangen, "weil wir einen Torwart brauchten".

Seit zwei Jahren hält Jari Küppers (13) bei den Ungarn (JSG Nord U13, Sponsor Karl Meyer AG) als Libero die Defensive zusammen. Gegen Polen (FC Este 2012, Sponsor Autohaus Jonas Moisburg) hielt das Bollwerk im Achtelfinale auch bis zur 19. Minute. Dann kassierte Ungarn das 0:1 und schied schließlich aus. Küppers schaut sich viel Technik ab bei den Großen seines Fachs, beim portugiesischen Nationalspieler Pepe und beim Deutschen Jérôme Boateng. „Ich mag es, wenn es in den Zweikämpfen so richtig zur Sache geht“, sagt der 13-Jährige. Küppers liebt es robust.

Was für ein Glück für den ungarischen Torwart Henk Beckmann (12), dass sein Vorgänger, der ehemalige Schlussmann der JSG Nord, vergangenes Jahr keine Lust mehr hatte, zwischen den Pfosten zu stehen. Beckmann wechselte ins Tor und gewann ein Ligaspiel gleich bei seinem ersten Einsatz mit 7:0. Nach dem Ausscheiden gegen Polen im Achtelfinale war Beckmann ein wenig geknickt. „Neunmeter-Schießen wäre cool gewesen“, sagt der Zwölfjährige. Lautstark feuerte er von hinten seine Kollegen an. Selbst agierte er vor dem Tor und auf der Linie ziemlich sicher.

Im Spiel gegen Schweden (JFV Stade U13, Sponsor Klinik Dr. Hancken) war der tschechische Torwart (FC Oste/Oldendorf, Sponsor Intersport Rolff) Mathis Wilhelmi (11) besonders motiviert. Weil bei den Gegnern zwei Schulkameraden im Kader standen, packte ihn der Ehrgeiz. „Ich wollte mich gut präsentieren“, sagt Wilhelmi. Seit sechs Jahren spielt der Elfjährige Fußball. Er trainiert sehr häufig mit seinem Bruder. Der ist elf Jahre älter und steht bei Oste/Oldendorf ebenfalls zwischen den Pfosten.

Dieses Spiel hätte auch anders ausgehen können. Michel Arndt (11) hat als Kapitän aber alles gegeben. Für Deutschland (Buxtehuder SV U13, Sponsor Sparkasse Harburg-Buxtehude) lief Arndt am Sonntag im Achtelfinale gegen die Schweiz auf und verlor mit 0:1. Er bewies in der Verteidigung sehr viel Übersicht und spielte sehr diszipliniert. „Die Abseitsfalle hat auch gut funktioniert“, sagt er.

Nach dem Spiel seiner Slowakei (JSG Niederelbe U12, Sponsor Volksbank Stade-Cuxhaven) gegen Österreich (JSG Niederelbe U13, Sponsor Viebrockhaus) gab Timon Bode (11) zu, beim 2:0 ziemlich viel Glück gehabt zu haben. „Ich wollte flach schießen“, sagt er. Herausgekommen ist ein erfolgreicher Heber über den österreichischen Torwart. Zum 3:0-Endstand verwandelte Bode einen Freistoß direkt. Der Elfjährige spielt Fußball, seitdem er fünf Jahre alt ist. Er schießt auch im Ligaalltag viele Tore.

Jonah Buse (12) trauerte dem 0:6 seiner Polen gegen Schweden im Viertelfinale noch lange nach. „Wir haben nicht gut gedeckt“, sagt der Offensivspieler vom FC Este 2012. Aber der spätere Europameister Schweden sei schon eine Nummer besser gewesen. Wenn es hinten so oft scheppert, macht es irgendwann keinen Spaß mehr. Spätestens beim 0:4 hatte Polen die Partie abgehakt. Dabei lief es im Achtelfinale für Buse noch recht gut. Da schoss der Zwölfjährige das Siegtor.

Der slowakische Torwart Marlon Probst (11) gab sich nach dem knappen Viertelfinal-Aus gegen die Schweiz sehr enttäuscht. „Das Halbfinale wäre drin gewesen“, sagt er nach dem verlorenen Neunmeter-Schießen. Probst steht erst seit dieser Saison im Tor der JSG Niederelbe U12. Bei seinem ersten Einsatz überzeugte er seinen Trainer. Beim Neunmeter-Schießen wäre er beinahe zum Helden geworden. Er sagt, er suche sich vorher keine Ecke aus, er reagiere auf den Schützen. Der entscheidende Schuss schlug allerdings im Winkel ein. Da war Probst machtlos.

Die Schiedsrichter hatten bei der TAGEBLATT-Mini-EM einen recht entspannten Finaltag. Marcel Meyer, Jonas Jagemann, Marvin Bock und Mika El-Khalafawi (Foto von links) sind mit ganz wenigen Gelben Karten ausgekommen. Kleinere Meckereien steckten sich souverän weg.

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