„Tag des Huhnes“: Zwerg-Cochins sind Emilys ganzer Stolz
Emily Rohland (13) aus Groß Hove trägt ihre Zwerg-Cochins Mascha und Molotow auf Händen. Foto Vasel
„Als ich mein Amt antrat, habe ich befürchtet, der letzte Vorsitzende zu werden“, sagt Volker Tamcke vom Rassegeflügel-Züchterverein Jork und Umgebung von 1912 (RGZV). Doch die Angst war unbegründet. Wie immer mehr Menschen entdecken ihre Liebe zum Huhn.
Emily Rohlands ganzer Stolz sind ihre Zwerg-Cochins – eine 1886 in Deutschland eingeführte Haushuhnrasse. In Züchterkreisen heißt die alte, robuste, chinesische Zwerghuhnrasse auch „rollender Federball“. Sie sind „sehr zutraulich und handzahm“, sagt die 13-Jährige aus Groß Hove, während im Hintergrund ihr großer Hahn „Kalle“ durch sein Reich stolziert. Wobei bei den Hühnern eigentlich eine Henne das Sagen habe, ergänzt RGZV-Pressesprecherin Josephine Führer. Bei Emily gibt’s sogar gleich zwei, die sich für die Oberhenne halten. Nicht alle ihre Tiere tragen einen Namen, die Zwerg-Cochins Mascha und Molotow schon. Mascha lege „etwa 80 Eier im Jahr“, sagt Emily. Diese sind so klein wie eine größere Walnuss. Und Mascha brüte manchmal sogar die Enteneier mit aus – trotz ihrer Größe. Die Zwerg-Cochin-Zucht sei leicht, denn die Hennen seien zuverlässige Glucken. Hühner zu halten, das mache einfach Spaß.
Es sei schon sehr lustig, ihnen beim Sandbaden zuzuschauen. „Außerdem wissen wir, woher unsere Eier stammen“, ergänzt die Altländerin. Einige der Tiere seien wie eine gute Freundin.
Vor allem junge Familien entdeckten die Hühnerhaltung für sich, so Führer. Es sei ein ähnlicher Trend zum Selbstversorger wie der Imkerei zu beobachten. Fast jeder liebe frische Eier. Rund acht Quadratmeter brauche ein Huhn – je nach Rasse. Zu einem Hahn sollte ein Harem mit drei bis fünf Hennen gehören, notfalls gehe es auch ohne ihn. Doch der Hahn bewahre den Halter vor dem Zickenkrieg im Hühnerstall, sagt Tamcke. Vereine wie der RGZV mit seinen mehr als 100 Mitgliedern seien unverzichtbar. Schließlich würde ohne Züchter die Genvielfalt verloren gehen, denn in den modernen Hühnerställen gibt es nur noch zwei Rassen. Und das Dotter alter Rassehühner sei einfach gelber und deutlich geschmackvoller.
Alt und Jung ergänzten sich im Verein, alle profitierten. Für viele sei das Hobby ein Gegenpol zum Alltag. Und es sei gut für Kinder und Jugendliche. Sie lernten, Verantwortung zu übernehmen.
Wer selbst Hühner halten will oder bereits hält, kann sich am Mittwoch, 3. Oktober, von 13.30 bis 17 Uhr beim „Tag des Huhnes“ des Rassegeflügel-Züchtervereins Jork und Umgebung von 1912 auf dem „Harms-Hof“ in Jork-Königreich (Königreicher Straße 88) informieren. Auch Emily Rohland ist mit Mascha und Molotow dabei und wird Tipps zu Haltung und Rassen geben. Züchter können sich nicht nur über die Farbenschläge austauschen. Familie Stölken wird im hofeigenen Café in der malerischen historischen Kulisse der letzten originalerhaltenen Hofanlage im Alten Land aus dem 16./17. Jahrhundert wieder Kaffee und Kuchen anbieten.