TTagespflegeeltern in Kehdingen dringend gesucht
Tagesmutter Inka Suhr liest ihrem Tageskind vor.
In Kehdingen fehlen Kindergartenplätze; insbesondere Krippenplätze. In Drochtersen stehen 13 Krippenkinder auf der Warteliste, auch in Nordkehdingen gibt es dringenden Bedarf. Eine Alternative könnten Tagespflegestellen sein.
Doch auch Tagespflegeeltern haben Wartelisten, die bis ins kommende Jahr reichen. Eine Folge des Fachkräftemangels im pädagogischen Bereich bei gleichzeitigem Bevölkerungszuwachs. Deshalb sucht die Evangelische Familienbildungsstätte Kehdingen/Stade (Fabi) händeringend nach neuen Tageseltern.
245 Krippenkinder warten kreisweit auf einen Betreuungsplatz
Kreisweit stehen 254 Krippenkinder auf einer Warteliste für einen Betreuungsplatz. Der Landkreis Stade hat in seinem aktualisierten Kindertagesstättenbericht Bedarfsquoten ermittelt. Danach wird für Nordkehdingen angenommen, dass 37 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz benötigen. In Drochtersen sind es 43 Prozent. Durchschnittlich 19 Prozent der unter Dreijährigen im Kreis werden von Kindertagespflegeeltern betreut.
In Kehdingen sind gut 60 Kinder in zehn Tagespflegestellen untergebracht. Eine davon ist eine Großpflegestelle für bis zu zehn Kinder, berichtet Christine Ramm vom Kehdinger Familienservicebüro. Doch das reicht nicht. „Es sind in den vergangenen Jahren viele Familien nach Kehdingen gezogen“, so Ramm, „davon viele Doppelverdiener. Jetzt fehlen Betreuungsplätze für die Kinder.“
Viele Mütter melden sich schon während der Schwangerschaft
So klingelt auch bei Inka Suhr regelmäßig das Telefon. „Ich muss immer wieder Kinder ablehnen“, erzählt die Tagespflegemutter, viele Eltern meldeten sich bereits während der Schwangerschaft. Doch Suhrs „Wichtelwelt“ in Assel ist voll. Fünf Kinder zwischen einem und vier Jahre betreut sie.
Etwa 40 Kinder hat sie in den vergangenen zehn Jahren ein Stück des Lebens begleitet. „Jedes Kind bringt seine eigene Geschichte mit. Das zu erleben macht wahnsinnig viel Spaß“, erzählt die 49-Jährige, „und ich ermögliche Eltern, zu arbeiten.“
2012 ließ sie sich durch die Fabi zur Tagesmutter qualifizieren. Später, als immer mehr Eltern Interesse zeigten, zog ihre Mutter nach und qualifizierte sich ebenfalls. Gemeinsam betreuten sie in einer Großpflegestelle acht Kinder. Die examinierte Krankenschwester hatte auch anderes ausprobiert: Schulbegleitung und Altenpflege. Doch „mit den Kleinsten zu arbeiten, ist einfach am schönsten“, sagt sie, „und ich bin meine eigene Chefin“.
Qualifizierung zur Tagespflegeperson umfasst 300 Stunden
Die Fabi, die auch Träger des Familienservicebüros in Kehdingen ist, bietet seit mehr als 30 Jahren Qualifizierungskurse für Tageseltern an. 300 Stunden und ein sechswöchiges Praktikum umfasst diese Ausbildung. Ende August beginnt wieder eine Qualifizierung. Wer sie absolviert, kann im Frühjahr kommenden Jahres mit einer Betriebserlaubnis loslegen, sagt Fabi-Chefin Sonja Mäder.
Christine Ramm (links) und Fabi-Leiterin Sonja Mäder werben für den nächsten Qualifizierungskursus für Tagespflegeeltern. Sie werden dringend gesucht. Foto: Helfferich
Tagespflegestellen seien eine gute Alternative für Familien, erklärt sie. Die Betreuungszeiten sind wesentlich flexibler und die Gruppen mit zeitgleich höchstens fünf Kindern kleiner als eine Kita-Krippe. Tageseltern betreuen auch Elementarkinder (3 bis 6 Jahre) und Schulkinder nach Unterrichtsschluss, ergänzt Christine Ramm vom Familienservicebüro. Ein weiterer Vorteil: Die Bezugsperson bleibt über Jahre gleich.
Finanziert werden die Tagespflegestellen über das Jugendamt. Die Eltern zahlen an die Behörde einen einkommensabhängigen Elternbeitrag. Im Schnitt verdient die Tagespflegeperson pro Stunde und Kind 4,50 Euro (ohne Essensgeld), so Christine Ramm. „Das Entgelt richtet sich nach der Qualifizierung“, erklärt Sonja Mäder, etwa nach der pädagogischen Vorbildung oder der Erfahrung. In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Anforderungen grundlegend verändert. So müssen Tagespflegeeltern zusätzlich zu der umfassenden Qualifizierung die Entwicklung der Kinder dokumentieren, Elterngespräche führen und sich regelmäßig fortbilden. Das ist mehr als reine Betreuung.
Qualifizierungskursus
Der nächste Qualifizierungskursus der Evangelischen Familienbildungsstätte Kehdingen/Stade für Tagespflegepersonen beginnt am 30. August. Er umfasst 300 Stunden plus ein sechswöchiges Praktikum. Teilnehmende bezahlen einen Eigenanteil von 150 Euro, den Rest übernimmt der Landkreis Stade. Zu einem Info-Abend lädt die Fabi für den 1. März in die Neubourgstraße 5 in Stade ein. Weitere Informationen: 04141/ 797570 oder online.