Zähl Pixel
Archiv

„Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers über ihren Weg zum Fernsehen und in den Norden Deutschlands

Die meisten Deutschen kennen sie aus der Hauptausgabe der „Tagesschau“ um 20 Uhr: die Journalistin, Fernsehmoderatorin und Nachrichtensprecherin Judith Rakers.  Foto Warmuth/dpa

Die meisten Deutschen kennen sie aus der Hauptausgabe der „Tagesschau“ um 20 Uhr: die Journalistin, Fernsehmoderatorin und Nachrichtensprecherin Judith Rakers. Foto Warmuth/dpa

Judith Rakers ist in Paderborn geboren und im Kurort Bad Lippspringe aufgewachsen. Heute lebt sie in Hamburg und gilt für viele als typisch hanseatisch: blond, attraktiv, kühl. Im Interview spricht sie über ihre Karriere, das Leben in Hamburg und Platz für Emotionen in Nachrichtensendungen.

Freitag, 12.08.2016, 09:25 Uhr

TAGEBLATT: Hatten Sie so etwas wie einen Masterplan für Ihre Karriere?

Nein. Ich habe nicht mit 18 gesagt, ich will „Tagesschau“-Sprecherin werden. Aber ich hatte immer ein Prinzip: Ich habe immer hart gearbeitet und habe mich neuen Herausforderungen gestellt statt zu zögern. Ich habe schon während des gesamten Studiums journalistisch gearbeitet und Journalismus von der Pike auf gelernt: bei Tageszeitungen, bei Fachzeitschriften und lange beim Radio. Fernsehen war anfangs nicht mein Ziel.

Wie kamen Sie dann zum Fernsehen?

Ich wollte in Hamburg meine Doktorarbeit schreiben und habe mich beim NDR als freie Autorin hinter den Kulissen beworben, um das zu finanzieren. Mein Vater ist Physiotherapeut, ich bin also nicht mit einem goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen. Als dann der Chefredakteur eine Live-Reporterin vor der Kamera suchte, hat er mich gefragt, und ich habe es versucht. Das war der Anfang. Ich glaube, wenn man eine fundierte Ausbildung, Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit mitbringt und dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, ergeben sich die Dinge einfach. Im Nachhinein sieht es dann so aus, als hätte ich einen Masterplan zur Karriere gehabt. Dabei bin ich immer nur den nächsten Schritt gegangen.

Der große Anteil der „Tagesschau“-News ist traurig und oft tragisch. Strengt es an, als Sprecherin emotionslos herüberzukommen?

Ich finde es nicht emotionslos, sondern emotional angemessen dem Thema gegenüber. Und wir haben es ja leider meistens mit ernsthaften und oft schockierenden Nachrichten zu tun. Aber es ist nicht verboten, Emotionen zu zeigen. Als die deutsche Nationalmannschaft zum Beispiel Fußballweltmeister wurde, ist allen Nachrichtensprechern ein Lächeln übers Gesicht gehuscht. Und das ist auch völlig in Ordnung. Was wir aber vermeiden sollten, ist eine wertende oder kommentierende Mimik, denn wir versuchen neutral und objektiv zu berichten, damit der Zuschauer sich seine eigene Meinung bilden kann.

Sie sind im Januar 40 geworden. Denken Sie über das Älterwerden nach?

Ja, darüber denke ich nach, weil ich in Interviews immer wieder mit dieser Frage konfrontiert werde. Mein Gefühl zu mir selbst hat sich nicht verändert, seitdem ich 40 bin. Ich sehe die Zahl hinter meinem Namen in Klammern und habe keinen Bezug dazu. Im Gegenteil: Ich fühle mich genauso wie mit 35 oder Anfang 30. Die Zahlen verändern sich, aber man selbst fühlt sich unverändert jung.

Was lieben Sie an den Hamburgern?

Die Hamburger sind sehr höflich, nicht so schroff wie die Berliner oder die Münchener, die auch sehr grantelig sein können. Und die Hamburger sind sehr zurückhaltende Menschen, ein bisschen wie die Ostwestfalen. Wenn sie möchten, können sie aber auch sehr herzlich sein.

Sie können in Hamburg nicht unerkannt durch die Straßen bummeln. Stört Sie das oder schmeichelt es der Eitelkeit?

Die Hamburger haben eine nette freundliche Ansprache, wenn sie mich erkennen. Ich denke, das liegt auch daran, dass ich die „Tagesschau“ moderiere. Fußballer oder Bürgermeister müssen sich da schon ganz andere Dinge anhören. Da habe ich es vergleichsweise gut.

 

Das komplette Interview lesen Sie heute Abend im Abobereich auf TAGEBLATT online und morgen im TAGEBLATT.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.