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Tausende Kinder für Kultur begeistert

Über 100 000 Kinder haben die spannenden Geschichten von Hans-Georg Ehlers über die Eiszeit, die Wikinger oder die Hansekaufleute gehört. Nun verlässt der Museumspädagoge die Stader Museenlandschaft in den Ruhestand. Nachfolgerin wird Paula Arslan.

Dienstag, 11.09.2018, 18:18 Uhr

„So viel Glück muss man erst einmal haben“, erinnert sich Hans-Georg Ehlers an die Anfänge seiner Tätigkeit, als er nach einer Lehrerausbildung, Aushilfsjobs und Arbeitslosigkeit im Mai 1984 endlich im Museum Schwedenspeicher eine Anstellung bekam.

Dort hatte sich die Museumsleitung die Museumspädagogik groß auf die Fahnen geschrieben. Ein lebendiges Museum mit bunten Vermittlungsangeboten sollte es geben, genutzt von vielen Schulen des Landkreises und der Elbe-Weser-Region. Und so konnte sich der frischgebackene Museumspädagoge über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Über 300 Schulklassen kamen im ersten Jahr.

„Nicht immer haben die Ausstellungskonzeption und meine Vermittlungsideen zueinander gepasst“, bedauert Ehlers, „aber ich hatte ja Ausweichmöglichkeiten“. Über viele Jahre hat er wochenweise im Mittelalterdorf Balje-Hörne gearbeitet und noch länger auf dem archäologischen Lehrpfad Daudiek. 2003 gab es dann sogar die Möglichkeit, die Vorgeschichtsausstellung nach seinen didaktischen Vorstellungen neu zu gestalten und später, während der zweieinhalb Jahre, in der Ehlers die Stader Museen kommissarisch geleitet hat, konnte er mit einigen Sonderausstellungen seine Ideen von einem Publikumsmuseum umsetzen. „Besonders die Gewürzausstellung im Jahr 2009 war toll“, schwärmt Ehlers.

Weil die Museumspädagogik lange kein reguläres Studienfach war, hat Hans-Georg Ehlers sich für die Weiterbildung engagiert. Er arbeitet als Dozent für kulturelle Bildung und hat 1994 die „Museumspädagogische Woche“ des Landschaftsverbands Stade auf den Weg gebracht, in der Museen, Schulen und Museumspädagogen im Elbe-Weser-Raum Vermittlungskonzepte erarbeiten und ausprobieren.

„Das werde ich jetzt als Rentner auch weiter machen“, erklärt Ehlers, der als Vorstandsmitglied im Bundesverband Museumspädagogik, als Vorsitzender des Museumsverbundes im Landkreis Stade und als Honorarkraft im Schwedenspeicher weiterhin seinem alten Traumjob treu bleiben will.

Die Vermittlungsarbeit der Museen Stade steht durch die langjährige Tätigkeit von Hans-Georg Ehlers auf soliden Füßen. „Wir sind froh, mit dem nun anstehenden Wechsel bei den Museen Stade auf ein gutes Fundament aufbauen zu können“, sagt Dr. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade. Nun gehe es darum, das Bestehende durch neue, innovative Formate weiter zu entwickeln.

In dieser Hinsicht sei die von Berlin gerade nach Stade umgezogene Paula Arslan genau die richtige Besetzung, so Möllers. Die neue Museumspädagogin stellte sich bereits im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Freizeit vor.

An verschiedenen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin entwickelte sie Konzepte und Workshops, die sie mit den unterschiedlichen Besuchergruppen umgesetzt hat. Die Inhalte und Schwerpunkte veränderten sich entsprechend der Thematik der Ausstellungen und des Museums ebenso wie das Publikum: Kinder und Jugendliche, Geflüchtete, Schulklassen und Studierende, Menschen, die seit vielen Jahrzehnten Kunst anschauen oder zum ersten Mal in einem Museum sind. Sie alle haben über die Vermittlungsarbeit von Arslan einen Zugang zu den jeweiligen Ausstellungen erhalten können.

Begonnen hat Paula Arslan ihre Arbeit 2007 als Kunstvermittlerin bei den Skulptur Projekten in Münster. Davor war sie bereits in der Jugendarbeit tätig und konnte aus diesen Erfahrungen vielfach schöpfen. „In der Praxis nutze ich meine Perspektive als Künstlerin, um die Besucherinnen und Besucher einzubeziehen, zu persönlichen Betrachtungen zu ermutigen und eigene Fragen zu stellen“, so Arslan. Auch wenn Arslan erst seit kurzem in Stade wohnt und sich zunächst einen Überblick verschaffen muss, ist sie von den Museen Stade begeistert: „Sie geben vielfältige Möglichkeiten der Betrachtungen, welche die Stadt widerspiegeln und bereichern.“

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