Technik macht in Ahlerstedt Schule
Probieren die Baukästen für das Mint-Mobil der Ahlerstedter Oberschule am Auetal aus (von links): Johannes Heins, Karola Hauschild, Josephine Friede, Matthias Geier, Aldo Sahlke und Felix Isensee. Foto: Beneke
Um bereits Viertklässlern technisches Verständnis zu vermitteln, besucht Lehrerin Karola Hauschild von der Ahlerstedter Oberschule am Auetal 15 Grundschulen im ganzen Landkreis. Im Gepäck hat sie Bausätze der Reihe Lego WeDo. Künftig geht sie mit neuem Equipment auf Tour.
Mint – die Abkürzung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ist in aller Munde. Die Schüler sollen in diesen Bereichen besonders gefördert werden, um technische und handwerkliche Berufe erlernen zu können. Hier macht sich der Fachkräftemangel immer stärker bemerkbar.
Die Oberschule am Auetal in Ahlerstedt möchte dem entgegenwirken. Sie gehört seit 2013 zum Exzellenznetzwerk niedersächsischer Schulen. Die Jugendlichen arbeiten mit Lego-Robotern, die sie selbst programmieren, konstruieren und programmieren eigene Rennwagen für den Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“ und erhalten in den Mint-Klassen über das Mindestmaß der Stundentafel hinaus Mint-Unterricht.
Ihr Knowhow wollen die Lehrkräfte aber auch anderen Bildungsstätten im Umland zur Verfügung stellen. Lehrerin Karola Hauschild etwa, die in Ahlerstedt Mathematik, Informatik und Erdkunde unterrichtet, ist jeden Dienstag im Landkreis unterwegs, um Viertklässlern an Grundschulen mit Mint-Themen vertraut zu machen. Dabei nimmt sie weite Wege in Kauf, fährt bis nach Wischhafen.
Ihr Kollege Gerd Iffland besucht die weiterführenden Schulen in der Region. „Wir decken den ganzen Landkreis ab“, sagt Rektorin Josephine Friede. „Wir haben aber leider gar nicht die Kapazitäten, alle Anfragen bedienen zu können.“ Bereits jetzt sei die Realisierung des Mint-Programms ein Kraftakt, denn Karola Hauschild und Gerd Iffland fehlen einen ganzen Tag in der Woche in Ahlerstedt, wenn sie im Landkreis auf Tour sind.
Seit sechs Jahren sind die beiden mit dem Mint-Mobil auf Tour. „Das ist eine schöne Abwechslung zum Schulalltag – für die Schüler und für uns Lehrer“, sagt Karola Hauschild. Die in der Anfangszeit beschafften 15 Kästen mit Bausätzen Lego WeDo sind nach der intensiven Nutzung jedoch in die Jahre gekommen, die Motoren haben gelitten. Umso größer ist die Freude, dass die Firma NDB Technische Systeme aus Stade der Oberschule jetzt einen Klassensatz der neuesten Generation im Wert von 3000 Euro zur Verfügung stellt.
In Zweier-Teams arbeiten die Schüler mit den Kästen. „Die Interaktivität ist perfekt, sie fördert das Sozialverhalten“, sagt Josephine Friede. Die Rektorin hebt auch den multimedialen Ansatz hervor: Gekoppelt mit einer Tablet-App werden die Geräte gesteuert, hier finden die Schüler auch die Bauanleitungen. Die Lego We Do-Bausätze könnten thematisch passend zu den Unterrichtsinhalten im Sachkundeunterricht der vierten Klassen eingesetzt werden.
Wo früher Arbeitsblätter gereicht werden mussten, können die Mädchen und Jungen heute ein Tablet oder einen Laptop nutzen – auch zur Dokumentation, wo sich die im Gerät verbaute Kamera bezahlt macht. „Immer, wenn es um besondere Projekte in der Schule geht, sind wir auf Drittmittel angewiesen“, sagt Josephine Friede. Die Summen vom Land Niedersachsen und vom Schulträger – in diesem Fall die Samtgemeinde Harsefeld – seien begrenzt. „Das Budget reicht nicht für Besonderheiten.“
Das Mint-Mobil, die Kooperation mit den Schulen in der Umgebung bezeichnet sie als „Leuchtturm“. Der Schulgemeinschaft seien solche herausragenden Angebote enorm wichtig. „Wir müssen Anreize schaffen“, weiß auch NDB-Chef Matthias Geier. „Die jungen Leute kann ich mit Frontalunterricht heute nur noch schwer begeistern“, unterstreicht sein NDB-Ausbilder Aldo Sahlke.
Der Reiz der technischen Geräte sei ein Baustein, den die Lehrer nutzen wollen, sagt Josephine Friede. Sie hat ihr Kollegium mit Tablets ausgestattet, die Pädagogen sollen sich mit den Möglichkeiten der digitalen Bildung vertraut machen – etwa mit Lern-Apps. Seit Herbst gibt es ein leistungsstarkes W-Lan-Netz in der Bildungsstätte. Im kommenden Schuljahr sollen zwei Jahrgänge mit Tablets ausgestattet werden. Die Jugendlichen der sechsten und siebten Stufe sollen von Anfang an lernen, vernünftig mit der neuen Technik umzugehen. „Sie arbeiten nach wie vor mit Büchern und lernen Vokabeln“, unterstreicht Josephine Friede. Diese Kompetenzen müsse eine Schule auch weiterhin vermitteln. „Die Technik ist eine Ergänzung, kein Ersatz.“
Mit den Bausätzen können die Schüler kleine Fahrzeuge gestalten, die in beliebigen Geschwindigkeiten in beliebige Richtungen fahren. Sie verfügen über Sensoren, die – sofern richtig programmiert – vor einem Hindernis stoppen oder es umfahren. Die kleinen Flitzer sind zusätzlich mit einem Soundmodul ausgestattet. Die Arbeit mit den Kästen von Lego WeDo schule nicht nur das technische Verständnis.
Auch die Motorik, die Sozialkompetenz und damit letzten Endes berufsvorbereitende Kompetenzen würden gestärkt. „Die Schüler können in der vierten Klasse schon erklären, wie Sensoren arbeiten“, sagt Karola Hauschild. „So können wir die Mädchen und Jungen an die Technik heranführen.“ NDB-Chef Matthias Geier hofft, dass viele junge Menschen auch dazu motiviert werden, einen technischen oder handwerklichen Beruf zu erlernen. Die Schüler Felix Isensee und Johannes Heins haben die neuen Bausätze gleich ausprobiert und – während ihre Lehrerin die Fragen des Reporters beantwortet – einen fahrbereiten Wagen zusammengebaut.