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Théodore Strawinsky: Ausstellung im Kunsthaus

Théodore Strawinskys Idealvorstellung einer Familie: „Die Familie“, 1940. Copyright Fondation Théodore Strawinsky, Genf. Foto Rémy Gindroz

Théodore Strawinskys Idealvorstellung einer Familie: „Die Familie“, 1940. Copyright Fondation Théodore Strawinsky, Genf. Foto Rémy Gindroz

Théodore Strawinsky, Sohn des Komponisten Igor Strawinsky, wurde in Frankreich und der Schweiz mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt. Hierzulande ist er eher unbekannt. Ab Sonnabend zeigt das Kunsthaus das Werk des Malers erstmalig in Deutschland.

Von Catharina Meybohm Donnerstag, 02.06.2016, 17:53 Uhr

Die Ausstellung „Théodore Strawinsky. Poesie des Augenblicks“ zeigt etwa 90 Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers, der 1989 in Genf starb. „Dass Théodore Strawinsky diese späte Ehre zuteil wird, erstmals in Deutschland ausgestellt zu werden, verdient besondere Anerkennung“, sagt Christine Schraner Burgener, Schweizer Botschafterin in der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist Schirmherrin der Ausstellung.

Auf den drei Etagen des Kunsthauses erhält das Publikum einen Einblick in das Werk Strawinskys, aber auch in seine besondere Biografie. Im ersten Stock trifft der Besucher auf das Gemälde „Die Familie“ (1940). Es zeige nicht Strawinskys eigene, sondern seine Idealvorstellung einer Familie aus Mutter, Vater und Kind, erklärt Luisa Pauline Fink, die die Ausstellung kuratiert hat. Das Bild spricht einige der Themen an, die immer wieder in der gesamten Ausstellung auftreten: „Die Familie“ ist Porträt, aber auch Stillleben. Der Raum im Hintergrund wirkt auf rätselhafte Weise konstruiert, wie eine Bühne, und suggeriert eine Ortlosigkeit. Die Szene erscheint wie angehalten, ohne Hinweise auf den Kontext. Die Darstellung ist sachlich und doch reich an Gefühl.

Théodore Strawinsky wurde 1907 in St. Petersburg geboren, als ältester Sohn des Komponisten Igor Strawinsky und seiner Gattin Catherine. Der Vater war seinerzeit ein berühmter Mann im Zentrum der Avantgarde. Künstler wie Picasso, Cézanne oder Braque sind Teil des Lebens im Hause Strawinsky und üben einen entscheidenden Einfluss auf Théodore aus. Den Maler prägen zudem viele Umzüge der großen Familie von Russland über die Schweiz nach Frankreich – „wie eine Karawane, die von Ort zu Ort gezogen ist“, so Fink.

In der zweiten Etage des Kunsthauses stehen die Themen Bühne und Zirkus im Fokus. Doch auch hier zeigt sich in den Werken kein quirliges Treiben, sondern angehaltene Momente, die wie Traumszenen wirken. Strawinsky malt Artisten, Clowns und Tänzer unabhängig von den Kriegen und politischen Umständen seiner Zeit. Fink wertet dies als Beleg dafür, „dass Malerei auch ein Kontrapunkt zu stürmischen Zeiten sein kann“. Strawinsky schuf außerdem Bühnen- und Kostümentwürfe für die Stücke seines Vaters. Die Faszination für die russische Folklore sei laut Fink eines der wenigen verbindenden Elemente zwischen Igor und Théodore.

Die Kunst war für Strawinsky ein Rückzugsort. Der Großteil der Werke entstand in seinem Atelier. Dort malte er Porträts, Alltagsszenen, Akte oder Landschaftsansichten. Diesen Gattungsreichtum in Strawinskys Kunstwerken bildet die dritte Etage des Kunsthauses ab. Das Stillleben nimmt dennoch einen besonderen Stellenwert ein. Das Kabinett in derselben Etage zeigt verschiedene Stillleben Strawinskys, darunter sein erstes, das er als 14-Jähriger malt. Auch sein letztes Gemälde ist ein Stillleben. „Die Ananas“ entsteht 1987. Im selben Jahr erblindet Strawinsky.

Die Ausstellung

Das Kunsthaus zeigt die Ausstellung „Théodore Strawinsky. Poesie des Augenblicks“ von Sonnabend, 4. Juni, bis Sonntag, 28. August. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag 10 bis 17 Uhr; Mittwoch 10 bis 19 Uhr; Wochenende 10 bis 18 Uhr. Das Museen Stade Tages-Ticket kostet 8 Euro (ermäßigt 4 Euro), als Drei-Tages-Ticket 12 Euro (6 Euro).

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