Tierpfleger Tobias Taraba - Der mit den Tigern und Bären spricht
Tobias Taraba, Tierpfleger, spielt in Hagenbecks Tierpark am Gitter eines Geheges mit einem Tiger. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Es fing an mit einer Schildkröte: Mittlerweile kümmert sich Tobias Taraba bei Hagenbeck um Tiger, Bären, Riesenotter und Paviane. Manchmal darf er seine Schützlinge auch auf den Arm nehmen.
"Wenn Du deine Tatze raushältst, dann sprüh' ich Dir etwas drauf", sagt Tierpfleger Tobias Taraba und redet beruhigend auf Kamtschatka-Bärin Mascha ein. Die Bärin hat sich im Gehege an der rechten Vorderpfote verletzt. Zusammen mit Tierärztin Adriane Prahl untersucht der Tierpfleger nun die Wunde durch die Gitterstäbe eines Käfigs hinter dem Gehege. Unruhig bewegt sich die Bärin mit ihrem wuchtigen Körper hin und her. "Pass bloß auf!", ruft die Tierärztin, als Taraba ihr ziemlich nahe kommt. Als der Tierpfleger ein paar Leckerlis vorne an den Käfigrand hinlegt, versucht Mascha, diese mit der Tatze zu erreichen und Taraba sprüht ein Desinfektionsmittel auf die Wunde. "Mehr können wir im Moment nicht für sie tun", entscheidet die Tierärztin.
Tobias Taraba, der in der Nähe von Lüneburg lebt, ist seit 2004 Tierpfleger im Hamburger Tierpark Hagenbeck. Die Tiere in seinem Revier - Tiger, Bären, Riesenotter und Mantelpaviane - zählen sicher zu den gefährlichsten. "Zum Glück ist bei uns noch nichts Schlimmes passiert", erzählt der 31-Jährige, der mit 16 Jahren seine Ausbildung bei Hagenbeck begann. Bis auf einen Zwischenfall: Im Jahr 2012 hatte ein Riesenotter einen Weg aus dem Gehege gefunden und drei Menschen verletzt. "Man darf die Tiere niemals unterschätzen. Auch wenn sie im Zoo geboren wurden, sind es immer noch Raubtiere", sagt Taraba.
Deshalb darf er sich auch nie gemeinsam mit seinen Schützlingen im Gehege aufhalten. "Wenn es im Zoo zu Unfällen mit Tieren kommt, ist in der Regel der Mensch der auslösende Faktor", sagt auch Sebastian Scholze, Sprecher des Verbandes der Zoologischen Gärten. "Die Tiere handeln lediglich nach ihren Instinkten." Oft haben Tierpfleger nicht aufgepasst und ein Tier befand sich noch auf der Anlage. "Das Wichtigste ist, dass die Anlage sicher ist", sagt auch Taraba. Daneben kümmert er sich darum, dass die Anlage sauber ist, bevor die Tiere morgens in ihr Gehege dürfen. Für Unterhaltung und Abwechslung sorgt er, indem er das Futter für die Tiere - meistens Kaninchen und Hühner - in Kartons versteckt und auf dem Gehege verteilt.
Nur selten darf der sympathische junge Mann seine Schützlinge auch berühren - zum Beispiel, als die drei Wochen alten Tigerjungen geimpft und entwurmt wurden. "Als ich die kleinen Tiger auf dem Arm halten durfte, war das schon ein besonderer Moment", erzählt der 31-Jährige stolz, der seit fünf Jahren für das Tigerrevier zuständig ist. Gleich auf Anhieb hatte es bei Vater Yasha und Mutter Marushka gefunkt: Vor zwei Jahren kamen dann die Vierlinge Vitali, Mischka, Anoushka und Dascha auf die Welt - ein großer Erfolg für den Zoo und das Europäische Erhaltungszuchtprogramms (EEP).
Doch langsam werden die Tiger groß - und geschlechtsreif. Deshalb müssen die Jungtiere das Gehege verlassen, Vitali hat bereits in einem schottischen Safaripark ein neues Zuhause gefunden. Bei der Verteilung spielt neben dem Bedarf in anderen Tierparks auch die genetische Vielfalt unter den etwa 250 Tigern in europäischen Zoos eine Rolle. Als nächstes ist Mischka dran. Der junge Tiger übt gerade das Reingehen in die Transportbox. Das macht er schon ganz gut, Tierpfleger Taraba ist jedenfalls zufrieden mit seinem Schützling. Wenn es auf die große Reise geht, muss Mischka fast drei Tage in der Transportbox aushalten: Für ihn geht es in einen Zoo nach Japan.
Wo und wann die beiden weiblichen Jungtiere unterkommen, ist noch unklar. Schon jetzt lebt Vater Yasha in einem abgetrennten Gehege, wenn die beiden Katzen rollig sind. Dann heißt es für Tobias Taraba Abschied nehmen von seinen Schützlingen, die jetzt noch fröhlich im Wasserbecken der Anlage herumtollen. Vielleicht hat er Glück und einer der Tiger kommt in einen Zoo in der Nähe - so wie Vanja und Mischa. Der Nachwuchs der beiden Kamtschatka-Bären lebt jetzt im Wildpark "Lüneburger Heide" - dort kann Taraba sie oft besuchen.
(dpa)