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Torsten Sträter hasst Weihnachten und liebt Kaffee

Mehr als einen Stuhl, einen Tisch und ein Mikrofon braucht Torsten Sträter nicht, um sein Publikum in den Bann zu ziehen. In seinem neuen Programm entpuppt er sich als Weihnachtshasser. Foto: Husung

Mehr als einen Stuhl, einen Tisch und ein Mikrofon braucht Torsten Sträter nicht, um sein Publikum in den Bann zu ziehen. In seinem neuen Programm entpuppt er sich als Weihnachtshasser. Foto: Husung

Mit derben Sprüchen, klugen Beobachtungen und Albernheiten hat der Komiker Torsten Sträter sein Publikum im Stadeum an die Wand geredet. Nach drei Stunden hat so ziemlich jeder sein Fett weg bekommen - ganz besonders er selbst.

Von Sven Husung Samstag, 24.11.2018, 13:00 Uhr

Noch kurz eine Zigarette vor dem Auftritt rauchen - dafür versteckt sich ein Torsten Sträter nicht am Hintereingang einer Veranstaltungsstätte. Der Komiker aus Dortmund geht lieber auf Tuchfühlung mit seinen Fans: 15 Minuten vor dem Startschuss im Stadeum steht der Mützenträger am Freitagabend direkt vor dem Haupteingang, qualmt mit den Besuchern. Selfiewünsche? Kein Problem.

Der 52-jährige - unter anderem bekannt als „Vize-Ersatz-Pressesprecher“ in der Satiresendung „Extra 3“ und aus „Nuhr im Ersten“ - ist nach seinem fast vierstündigen Auftritt in Stade im Februar 2017 zurück in der Stadt. Sein aktuelles Programm „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“ ist wieder sprunghaft, scheinbar choatisch und auch dann noch sympathisch, wenn Sträter „Penis, Penis, Penis“ in sein Mikrofon raunt. Doch wirklich.

„Weihnachten kommt heute nicht vor. Weil ich es hasse“, macht Sträter den 1000 Besuchern zu Anfang auf seine trockene Art klar. Um dann doch gegen das Fest auszuteilen: Einen Baum fällen und ins Wohnzimmer stellen? Schwachsinn. „Ich stelle ja auch keine Kommode in den Wald.“ Seine große Leidenschaft für Filme lässt er immer wieder durchblicken. Unerträglich sei für den Unterhalter aus dem Ruhrpott etwa die jährliche Ausstrahlung von „Der kleine Lord“ zum Weihnachtsfest. Allzu süß, allzu klein und allzu arm ist ihm der Filmheld. Und dann noch Obi-Wan Kenobi als adlliger Opa... Wer nicht weiß, dass der Schauspieler Alec Guiness sowohl den Earl of Dorincourt als auch den Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi in „Star Wars“ spielt, verpasst diesen Gag. Der Lautstärke des Gelächters im Saal nach sind das nicht viele.

Dann geht es weiter im Akkord. Als „Meister der geschickten Überleitung“, wie Sträter sich selbst nennt, bugsiert er das Publikum von zertretenen Staubsaugerrobotern zu grotesken Bestellszenen bei Starbucks, Schrittzählern, Farid Bang & Kollegah, Phrasendrescherei und eigenen Problemen mit Flatulenzen. Das ist nicht immer taufrisch - gerade an der US-Kette Starbucks arbeiten sich die Comedians und Kabarettisten schon seit jahren satirisch ab. Aber der Vorleser und Alltagspoet macht das mit so viel Charme, dass ihm die leichte Innovationschwäche zu verzeihen ist. Ab und zu wird es ernst in „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“, etwa wenn Sträter auf seine Depressionen zu sprechen kommt. Was ihn nicht davon abhält, von einem - Achtung Wortspiel - „Gewichts-Tsunami“ durch die Einnahme der Medikamente zu sprechen.

Persönlich geht es bei Sträter immer zu, besonders leidenschaftlich geraten seine Vorträge diesmal, wenn es um Kaffee geht. Unerträglich findet er, wie sich Pad-Kaffeemaschinen stundenlang „in die Tasse erbrechen“. Gut gelaunt kommt der Dortmunder nach der Pause mit einem Kaffeebecher auf die Bühne - es war wohl kein Senseo-Kaffee darin. Wie er es schafft, an dem „Heiß“-Getränk über eine Stunde lang zu nippen, ohne eine Miene zu verziehen, bleibt unklar.

Mit den Stadern sucht der Grenzgänger zwischen Kabarett-, Comedy- und Slam-Szene an dem Abend immer wieder den Dialog, fordert Fragen ein. „Was machen Sie hauptberuflich?“, will ein Zuschauer wissen. „Na das hier. Nichts. Also das hier“, so die selbstironische Antwort.

Zu seiner Show sagt Torsten Sträter: „Ich mache ein albernes Programm.“ Aber er hat mehr zu bieten. Seine Anekdoten zeugen nämlich von klugen Alltagsbeobachtungen. Lässig erzählt vergehen so schnell drei Stunden am Freitagabend. Und hätte der Comedian nicht regelmäßig auf die Armbanduhr zeigend damit gedroht, die Besucher niemals in den Feierabend zu entlassen, wäre die fortgeschrittene Stunde wohl keinem aufgefallen.

Der nächste Auftritt von Torsten Sträter im Stadeum ist bereits gebucht: Der Komiker kommt am 6. September 2020 mit einem frischen Programm nach Stade. Die Karten sind bereits verfügbar.

www.stadeum.de

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