Trio will Geschichte des Dorfes Oederquart bewahren
Auf den Spuren der Vergangenheit : Vor Heinrich Kühlcke-Schmoldt, Bernd Staats und Hans-Heinrich Janßen (von links) liegt noch viel Arbeit für ihre Dorfchronik. Foto Helfferich
„Solange man jung ist, interessiert man sich nicht für die eigene Geschichte“, sagt Hans-Heinrich Janßen. Und wenn dann die Fragen auftauchen, wie sich das Leben im Dorf früher abgespielt hat, sei es oft zu spät, weil die Geschichtenerzähler, nicht mehr leben.
Hans-Heinrich Janßen (69 Jahre), Bernd Staats (67) und Heinrich Kühlcke-Schmoldt (69) wollen die Geschichte des Ortes bewahren. Eine Dorfchronik, die der ehemalige Dorfschullehrer Hermann Poppe geschrieben hat, endet 1947. Doch seither hat sich viel getan: Das Dorf ihrer Kindheit hatte mit fünf Einkaufsläden, zwei Mühlen, 13 Gaststätten, fünf Schulen, einer Autowerkstatt, einem Schuhmacher, einem Schlachter, einem Schuster und einem Friseur deutlich mehr zu bieten als heute. Viele Flüchtlinge waren nach Kriegsende nach Oederquart gekommen und viele sind auch geblieben. „Es wäre doch gut, wenn die Chronik von Poppe weitergeschrieben würde“, meint Staats. Der 67-jährige Gastronom verfügt über ein umfangreiches Bildarchiv. „Fotografieren ist sein Hobby“, sagt Janßen, „wenn irgendwas los ist, hält er schnell die Kamera hin.“ So hatte Staats die Idee, eine Bildergalerie zusammenzustellen, die Oederquart früher und heute zeigt. Das wäre schon mal ein Anfang.
Vor ein paar Monaten haben die Drei mit einem Wurfzettel alle Einwohner der Gemeinde Oederquart gebeten, nach alten Fotos, Dokumenten und Postkarten zu suchen. Ein gutes Dutzend hat sich zurückgemeldet. Ein Sammelsurium von Quellen hat das Trio inzwischen beisammen: etwa die Feuerlösch-Ordnung für das Kirchspiel Oederquart von 1883. Darin steht in Paragraf 12: „Betrunkene Personen sowie Frauenzimmer und Kinder sind im Bereich der Brandstätte nicht zu dulden.“
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Tagebuchaufzeichnungen des alten Moorschulmeisters aus dem Bruch, Gerhard Schindowski, geben Einblick in den Alltag: So steht als Notiz zum Jahr 1955: „Bruch tief im Schnee. Turnen im Gasthaus Zur Post. Fahrt nach Hörstel zu Schwester Hildegard und Familie. Onkel Wilhelm zu Besuch.“ Heinrich Kühlcke-Schmoldt hat mal in alten Protokollen von Gemeinderatssitzungen gestöbert. „Die Oederquarter wollten mal ihr Territorium bis an die Oste ausdehnen“, berichtet er. Aufzeichnungen des früheren Gemeindedirektors Erich Jungclaus dokumentieren den Straßenbau in den 70er Jahren.
„Es gibt jede Menge Material“, sagt Janßen. Hunderte von Fotos hat Bernd Staats inzwischen gesammelt, viele davon muss er noch einscannen. Das alles zu sortieren sei alleine schon eine Lebensaufgabe, „da müssen wir uns beeilen“, so Staats. Aber das schwierigste Stück Arbeit sei wohl, das Erlebte niederzuschreiben und mit Leben zu füllen.
Das Dreiergespann hofft, mit der geplanten Oederquarter Bildergalerie ältere Mitbürger zum Erzählen zu animieren. „Dann muss sich nur noch einer finden, der das alles zu Papier bringt. Wir können das nicht“, sagt Bernd Staats.
Wer noch Fotos, Aufzeichnungen oder Dokumente hat, kann sich bei Heinrich Kühlcke-Schmoldt (0 47 79/ 3 81), Hans-Heinrich Janßen (0 47 70/ 6 37) oder Bernd Staats (0 47 70/ 92 56 77) melden. Auch Interessierte, die das Trio unterstützen wollen, durch Interviews von Zeitzeugen oder als Co-Autor, sind willkommen.