TTennis ist ihr Leben: Ein Stader Geschwisterpaar verfolgt große Träume
Lennart und Lara Wilhelmi würden am liebsten täglich Tennis spielen. Foto: Lars Wertgen
Lennart Wilhelmi hat ein ehrgeiziges Ziel. Die Entschlossenheit des Staders ist bemerkenswert. Seine Schwester Lara steht ihm in nichts nach.
Stade. Lennart Wilhelmi hat einen Traum. „Ich möchte der beste Tennisspieler der Welt werden“, sagt der Zwölfährige. Ein hochgestecktes Ziel, aber der junge Stader scheint Talent zu haben.
Kürzlich beeindruckte Lennart in Lemgo, als er sich für die Deutsche Meisterschaft (U12) qualifizierte. Im Hauptfeld der 32 besten Talente seines Jahrgangs musste er sich erst der Nummer vier der deutschen Rangliste geschlagen geben.
Konkurrenz spielt schon doppelt so lange
Lennart hat einen Nachteil: Er begann erst vor rund drei Jahren mit dem Tennis. Seine ersten Bälle schlug er beim TC Wiepenkathen. Die Konkurrenz spielt schon doppelt so lange. „Lennart hat aber in kürzester Zeit ein beeindruckendes Niveau erreicht“, sagt Tenniscoach Alexander Brüggenwerth.

Lennart Wilhelmi gilt als technisch starker und athletischer Spieler. Foto: Lars Wertgen
Um den Rückstand aufzuholen, trainiert der Gymnasiast viermal die Woche. Neben Einheiten in Stade reist er nach Ramelsloh zum Regionstraining und nimmt in Hamburg Privatstunden an einer Tennis-Akademie. Die weiten Wege sind nötig, um leistungsstarke Trainingspartner in seinem Alter zu finden.
Turniere im Campervan neben Luxusautos
Um Punkte zu sammeln, nimmt Lennart regelmäßig an Turnieren teil. „Wenn man in der Liste vom Deutschen Tennisbund hochkommen möchte, muss man fast jedes Wochenende spielen“, erklärt seine Mutter Svenja Wilhelmi.

Was fehlt, ist noch Schlaghärte. Foto: Lars Wertgen
Die Familie reist daher ständig von Turnier zu Turnier. Auf den Parkplätzen würden Porsche neben Porsche stehen und dazwischen ihr Campervan, lacht Svenja Wilhelmi. „Wir machen immer ein Familienwochenende daraus und schauen uns die Städte an“, sagt sie.
Eltern setzen Grenzen
Lennarts jüngere Schwester Lara ist mit dabei. Die Elfjährige gilt ebenfalls als talentiert. Die Familie plant die Wochenenden so, dass auch Lara ein Turnier spielen kann. Sie spielt seit anderthalb Jahren Tennis. „Lara hätte auch bei der Deutschen Meisterschaft mitspielen können“, sagt Svenja Wilhelmi.

Die Geschwister reisen von Turnier zu Turnier. Foto: Lars Wertgen
Doch die Geburtstagseinladung einer guten Freundin ging vor. Auch im Kroatien-Urlaub wäre ein Turnier möglich gewesen. „Unser Leben ist sehr tennislastig, die Kinder brennen für den Sport und wir unterstützen sie sehr gerne, aber wir haben gesagt: Jetzt ist Freizeit, jetzt ist Urlaub!“, so Svenja Wilhelmi.
Die Wilhelmis setzen auch beim Trainingspensum Grenzen. „Die Kids würden am liebsten jeden Tag auf dem Platz stehen“, sagt die Mutter. Das Landestraining in Hannover sagte man jedoch ab. „Das ist unter der Woche nicht zu schaffen.“

Lara Wilhelmi legt alles rein. Foto: Lars Wertgen
„Tennis ist ein elitärer Sport“
Das Hobby ist kostspielig. Trainings und Turniere sind überwiegend aus eigener Tasche zu zahlen. Eine Einheit in der Halle kostet rund 75 Euro. „Tennis ist leider ein elitärer Sport“, sagt Svenja Wilhelmi. Die Freude überwiegt jedoch. Trotz der Profiträume der Kinder müsse man sich aber bewusst sein, dass man viel Geld in eine Vision steckt, die nur wenige erreichen.

Lara Wilhelmi steht für Power-Tennis. Foto: Lars Wertgen
Schlägervertrag hilft - Top 7 in Niedersachsen
Lennart erhält Unterstützung von Wilson. Er hat einen Schlägervertrag und bekommt aktuelle Schläger, Taschen und Saiten vergünstigt. Andere in seinem Alter haben sogar einen Ausrüstervertrag.
Der dürfte bei den Wilhelmi-Kids nur eine Frage der Zeit sein. Lennart zählt zum Landeskader und damit zu den sieben besten U12-Tennisspielern Niedersachsens und spielt für den TC Wiepenkathen in der A-Jugend.
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Lara Wilhelmi ist Publikumsliebling
Auch Lara, die für den TuS Jahn Hollenstedt-Wenzendorf spielt, hat schon Pokale gewonnen. Bei Zuschauern ist sie wegen ihres Power-Tennis beliebt.
Die Trophäen haben im Zimmer einen Ehrenplatz. Über dem Bett hängt ein Poster von Aryna Sabalenka. „Sie spielt mit viel Kraft und geht volles Risiko“, sagt Lara.
Lennart schwärmt für Carlos Alcaraz. „Sein Spiel sieht aus, als habe er viel Spaß auf dem Platz“, erklärt das Talent. Der Spanier pflegt einen aggressiven und technisch starken Spielstil – so wie Lennart.
Talent will mental stärker werden
Brüggenwerth, einer von Lennarts Regionstrainern, lobt seine Ausdauer und Laufstärke. „Ihm fehlt aber die Schlaghärte“, sagt der Coach. Auch die mentale Stärke müsse noch wachsen. Das sei in seinem Alter normal und komme mit Training und Matcherfahrung.
Rituale helfen ebenfalls. Bei Lennart liegt immer eine Brotdose auf der Bank. Am Hals trägt er eine Kette mit der Aufschrift „Never give up“. Auf seinem Armband ist „Dream Big“ eingraviert. Lara liebt ihr rotes Outfit und klatscht sich vor Ballwechseln auf die Oberschenkel. Ihr Markenzeichen: die Becker-Faust.
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Erst Hannover, dann in die USA?
„Unsere Aufgabe ist es, Talente so auszubilden, dass sie ins Internat kommen, wo sie ein professionelles Umfeld geboten bekommen“, sagt Brüggenwerth. Den Schritt auf das Internat in Hannover traut er Lennart zu. Mittelfristig könne er in Niedersachsen zu den besten drei Spielern gehören und bundesweit in die Top 10 vorstoßen.
Lennart selbst spart für ein größeres Ziel. Er will in der zehnten Klasse ein Auslandsjahr an einer Tennis-Akademie in den USA machen. Bislang waren die Wilhelmi-Talente in Tennisschulen an der Côte d‘Azur und auf Mallorca im Tenniscamp von Rafael Nadal.