Unterwasserstaubsauger ist im Bau
Hinter Pella Sietas-Chefin Natallia Dean ist ein Block des Laderaumsaugbaggers für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) zu sehen. Auf der Bauplattform P1 werden die 14 Blöcke verbunden, das 95-Millionen-Euro-Schiff
Auf der Bauplattform P1 der Pella Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde wird der Laderaumsaugbagger für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zusammengesetzt – aus insgesamt 14 Blöcken.
Im März soll aus Schiff ausgedockt und im Herbst 2019 ausgeliefert werden. Die Werft hofft bereits auf einen Folgeauftrag für einen Bagger mit LNG-Antrieb.
„Wir sind gut aufgestellt“, sagte Pella Sietas-Chefin Natallia Dean bei einem Vortrag vor Mitgliedern des Nautischen Vereins Niederelbe im Clubhaus des Motoryacht-Clubs Stade. Auf der bereits 1635 gegründeten und 2014 von „Pella Shipyard“ aus St. Petersburg (Russland) geretteten Werft sind mittlerweile wieder 266 Mitarbeiter beschäftigt – unter ihnen 61 Ingenieure und vier Auszubildende. Im nächsten Jahr soll die Belegschaft auf rund 300 Beschäftigte aufgestockt werden, jährlich sollen zwölf Azubis – mit dem Schwerpunkt im gewerblichen Bereich, unter anderem als Konstruktionsmechaniker – eingestellt werden. Hintergrund: Das Durchschnittsalter auf der Werft sei mit 47 Jahren hoch. Dean: „Wir brauchen Nachwuchs.“
Der Umsatz habe sich 2018 auf 44 Millionen Euro verdoppelt, mit 300 Beschäftigten werde das Unternehmen in der Lage sein, zwei Konstruktionsaufträge im Jahr und Stahlbauarbeiten – unter anderem bis zu 1200 Tonnen schwere Blöcke für Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft – abzuarbeiten. Der Vertrag mit Meyer sei bis 2026 verlängert worden. Pella Sietas habe einen sehr guten Ruf als Stahlbauer an der Küste. Neben Schiff-, Stahl- und Rohrbau sind Frischwassererzeuger (für Wärtsilä) und Scrubber-Einbau weitere Geschäftsfelder.
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Der Laderaumbagger sei schon zu 70 Prozent fertig, im März wird das Schiff – mit seinem Saugrüssel wird der Bagger den Sand/Schlick aus einer Tiefe von zehn bis 25 Metern wie ein riesiger Unterwasserstaubsauger in seinen Bauch saugen – im Hamburger Hafen ausgedockt und ausgerüstet. Wegen der Schlick-Probleme an der Este ist das Ausdocken dort nicht möglich. Die Bauplattform P1 muss mit Schlepperhilfe in den Hafen, wahrscheinlich in den Dradenauhafen, verholt werden. Im Herbst 2019 soll der Laderaumsaugbagger ausgeliefert werden.
Dean und ihr Team hoffen, dass die Werft sich auch bei einem Folgeauftrag der WSV, im Gespräch ist ein Bagger mit LNG-Antrieb, durchsetzen könnte.
Die Schiffbauer aus Neuenfelde sind Spezialisten – auch beim Bau von Fähren. Pella Sietas sei bereit, weitere Fähren für die Hadag-Seetouristik und Fährdienst AG zu bauen und zu überholen. In diesem Herbst haben die Neuenfelder die umweltfreundliche „MS Kehrwieder“ für die Linie 62 gebaut und an die Hadag übergeben (Kapazität: 400 Passagiere). Im Februar 2020 wird das erste Binnenfahrgastschiff Europas an die Stadtwerke Konstanz übergeben, das von schnelllaufenden reinen Gasmotoren (LNG) angetrieben wird. Bei der EU-weiten Ausschreibung hatte sich Pella Sietas durchgesetzt.
Der Bau (62 Fahrzeuge; 700 Passagiere) sei eine große Herausforderung, denn das Schiff kann nicht auf dem Schiffsweg zum Bodensee gelangen. Und so wird die erste LNG-Fähre in Neuenfelde in mehreren Sektionen vorgefertigt – und ausgerüstet. Mit Lkw-Schwertransportern (oder möglicherweise auch auf Binnenschiffen) wird das Schiff in Teilen zur Schiffswerft Fußach gebracht und auf einer Querslipanlage zusammengesetzt. Der Innenausbau erfolgt im Werfthafen der Stadtwerke Konstanz. Das soll der Probelauf für die Fertigung von weiteren Binnenfahrgastschiffen werden – und der Einstieg in einen neuen Markt, so Dean.
Im April 2020 wird die Doppelendfähre für die Aktiengesellschaft Reederei Norden-Frisia in See stechen und ab dem Frühjahr zwischen Norddeich und Norderney umweltschonend durch das Weltnaturerbe Wattenmeer fahren. Die Fähre mit Hybridantrieb wird 1350 Personen und 55 Pkw transportieren können.
In Kooperation mit der Peterswerft hat sich die Pella Sietas-Werft für den Bau von zwei, optional drei Mehrzweckschiffen für Schadstoffunfallbekämpfung (Ersatz für die Scharhörn und Mellum und später für die Neuwerk) für die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) mit LNGAntrieb beworben – Aufträge im dreistelligen Millionenbereich.
Außerdem ist eine Kooperation mit der Mutter Pella beim Bau von Antarktis-Forschungsschiffen für Indien geplant; der russische Mutterkonzern wird sich über die russischen Banken um die Finanzierung kümmern, die Neuenfelder um Konstruktion und Bau. „Wir können mehr, als wir im Moment machen“, sagte Dean mit Blick auf ihre Konstrukteure und Schiffbauer nicht ohne Stolz.