Uwe Bergmann: Hamburgs Herr der Feste
Uwe Bergmann hat bei vielen Großveranstaltungen in Hamburg seine Finger mit im Spiel. Auch bei den Harley Days, die an diesem Wochenende stattfinden und beim EM-Public-Viewing auf dem Heiligengeistfeld. Foto Thomas Panzau
Er organisiert das Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld, die Harley Days, die Cruise Days, das Duckstein-Festival – und noch ein paar andere Veranstaltungen. Findet in Hamburg ein öffentliches Event statt, hat meist Uwe Bergmann seine Finger im Spiel.
Im Interview spricht er über das Geheimnis eines erfolgreichen Festes, aktuelle Trends und zu laute Motorräder.
Von Markus Lorenz
TAGEBLATT: Herr Bergmann, Sie gelten als Hamburgs Mr. Großevent. Zählen Sie doch einfach mal auf, was veranstalten Sie so alles?
Uwe Bergmann: Unter anderem das Fanfest zu den Fußball-Welt- und -Europameisterschaften sowie die Harley Days. Die Altonale vermarkten wir im Auftrag der Altonale GmbH, die Hamburg Cruise Days in Kooperation mit Red Roses Communications, das Duckstein-Festival und das Alstervergnügen gemeinsam mit drei Partnern. Alles sogenannte Public Events auf öffentlichen Flächen mit freiem Eintritt.
Und außerhalb der Stadt?
Da sind es Weinfeste in der Umgebung, etwa in Pinneberg und in Ahrensburg. Das Jazz-Festival in Pinneberg begleiten wir im Auftrag des Fördervereins, das Landprogramm der Travemünder Woche im Auftrag des Lübecker Yachtclubs und bei der Kieler Woche machen wir auch etwas.
Wie wird man überhaupt Veranstalter solch großer Events?
Bei mir war das Zufall. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem immer gern gefeiert wurde, das hat mich einfach interessiert. Mit 24 Jahren habe ich dann für eine Interessengemeinschaft in Norderstedt meinen ersten Flohmarkt organisiert. Das war eine sehr lustige und anarchische Veranstaltung. Ich habe mich dann selbstständig gemacht, eine Tournee für den Weltumsegler Burghard Pieske organisiert und mein Geografie-Studium abgebrochen.
Und was macht ein Veranstalter den ganzen Tag?
Er muss in erster Linie erkennen, wo in öffentlichen Räumen was geht. Er muss in der Lage sein, große Mengen an Leuten zu unterhalten, so dass diese nach Möglichkeit im darauffolgenden Jahr wiederkommen. Denn eine Serie ist das, was man anstrebt. Die ist viel schwieriger zu etablieren als eine einmalige Veranstaltung auszurichten.
Das heißt, die Idee steht am Anfang von allem?
Naja, ich bin natürlich nicht der Erfinder des Flohmarkts. Aber ich muss mir überlegen, wie kann ich den Flohmarkt so anreichern, dass er den Leuten mehr Spaß bringt als ein normaler Flohmarkt. Und ich muss überlegen, wie sich dabei eine hohe Wertschöpfung erzielen lässt.
Und Sie müssen dafür sorgen, dass alles klappt?
Ja, aber das ist reines Handwerk, das kann theoretisch jeder. Meine größte Gabe ist es, gute Mitarbeiter zu finden, denn allein bin ich gar nichts.
Nicht jede opulente Veranstaltung ist per se erfolgreich. Was macht ein Großevent zu einem Renner?
Das Thema muss gut sein. Die Veranstaltung muss inhaltsreich inszeniert sein, so dass sich Besucher darin wiederfinden. Die Ansprüche der Menschen sind gestiegen, dass heißt, man darf Volksfeste nicht zu trivial machen. Wenn ich jedem ein bisschen gerecht werden will, werde ich keinem gerecht.
Zum Beispiel?
Kulinarisches mit Spezialangeboten ist wichtig. Die besonderen Sachen werden vielleicht gar nicht von jedem gekauft, aber allein, dass es dort etwas Besonderes zu essen und zu trinken gibt, ist schon ein Grund, dahin zu gehen. Deshalb ist zum Beispiel das Duckstein-Festival erfolgreich. Da haben wir von Beginn an gesagt: Wir verkaufen keine Würstchen und keine Brezeln.
Was wäre der typische Veranstaltungskiller?
Langeweile. Die Leute wollen zwar, dass es so ist wie immer. Aber wenn es so ist wie immer, finden sie es mit der Zeit auch langweilig. Deshalb müssen wir unsere Programme immer ein wenig verändern.
Was war Ihr bislang größter Erfolg?
Monetär betrachtet das erste WM-Fanfest 2006 auf dem Heiligengeistfeld während des Sommermärchens. Ich habe damals die Cateringrechte gekauft. Und dann lief es wahnsinnig gut. Atmosphärisch mit am schönsten war das Finale des Volvo Ocean Race in Kiel im Jahr 2003.
Und was war Ihr größter Flop?
Wir haben mal in Lübeck im Winter den Traveufer-Palast in der Holstentorhalle veranstaltet. Die Halle war nicht beheizbar und wir haben Eintritt kassiert. Das hat nicht funktioniert. Der Winter war extrem kalt und mir fehlte der Mut, genug für Marketing in die Hand zu nehmen. Wir haben damit viel Geld verloren.
Beten Sie regelmäßig, dass bei Ihren Open-Air-Events die Sonne scheint?
Sagen wir so: Jedes Mal, wenn das Wetter mich begünstigt, freue ich mich, dass ich Kirchensteuern zahle. Aber im Ernst: Man muss Demut walten lassen. Das Wetter ist, wie es ist. Im Laufe der Jahre gleicht sich das immer aus.
Welches sind derzeit die Trends im Veranstaltungsbusiness?
Die Menschen wollen, dass man mit ihnen behutsam umgeht. Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. Aber auch Sicherheit. Die Loveparade-Katastrophe in Duisburg hat uns das allen vor Augen geführt. 100-prozentige Sicherheit gibt es bei öffentlichen Großveranstaltungen allerdings nicht.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Terroranschläge: Bereitet Ihnen die Sorge um die Sicherheit beim laufenden EM-Fanfest schlaflose Nächte?
Nein. Dann dürfte ich den Job nicht machen. Wir tun, was wir können in Sachen Sicherheit. Aber ich weiß genau, dass wir nicht alles verhindern könnten.
Haben Sie denn wirklich keine Angst davor, dass im Falle eines Falles die Verantwortung bei Ihnen gesucht werden würde?
Nein. Es gibt ein Sicherheitskonzept, das ist mit den Fachleuten der Feuerwehr und der Polizei abgesprochen. Wir sind sehr aufmerksam, mehr können wir nicht tun.
Welche Lehren ziehen Sie beim Fanfest aus den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht in Köln und Hamburg?
Davor hatte ich tatsächlich Angst, weil das so kleinteilig und gemein ist. Wir nehmen jetzt alle unsere Betreiber mit ins Boot und haben mit ihnen besprochen, wo sie sich melden sollen, sobald etwas Derartiges passiert.
Sind Volksfeste im Internetzeitalter überhaupt noch attraktiv?
Aber ja, wir sind so etwas wie der Gegenentwurf zu Social Media. Es ist den Menschen nach wie vor wichtig, dass sie bei solchen Anlässen einander noch leibhaftig begegnen.
Viele Hamburger haben aber die Nase voll von immer mehr Großveranstaltungen, was sich am Nein zu den Olympischen Spielen zeigt. Können Sie die verstehen?
Die Kritiker sollten nicht vergessen, dass die Hamburger Großveranstaltungen auch eine große touristische Bedeutung haben. Da hängen etliche Arbeitsplätze dran.
An diesem Wochenende finden in Hamburg wieder die Harleys Days statt. Vielen Menschen ist das zu laut. Was entgegnen Sie diesen Leuten?
Wenn eine Maschine viel zu laut ist, greift die Polizei ein. Aber es gibt eine Begehrlichkeit für dieses Treffen, die Leute kommen von weit her. In diesem Jahr haben wir Delegationen aus China, Russland und Amerika. Im Übrigen sind die Harley Days die friedlichste Veranstaltung, die wir machen.
Das Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld: Seit der WM 2006 organisiert Uwe Bergmann mit seiner Firma das Fest im Stadtteil St. Pauli.
Die Harley Days auf der Köhlbrandbrücke: Am Wochenende kommen die Biker wieder nach Hamburg. Bergmann organisiert das Treffen. Fotos dpa
Die Cruise Days an den Landungsbrücken: Auch bei diesem Event mischt Bergmann mit. Erstmals wurden die Kreuzfahrttage 2008 veranstaltet.