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E-Auto-Vermietung in Neugraben

Vandalismus bremst Carsharing aus

Mathias Süchting am Steuer eines der E-Autos.

Mathias Süchting am Steuer eines der E-Autos.

Ein gut gemeintes Projekt in den neuen Wohngebieten Fischbeker Reethen und Vogelkamp Neugraben hat einen herben Rückschlag erlitten: Aufgrund von Vandalismus musste der Carsharing-Betrieb dort zwischenzeitlich eingestellt werden.

Mittwoch, 11.03.2020, 06:00 Uhr

Jetzt läuft er wieder – jedenfalls im Vogelkamp Neugraben. Dort sind beide Fahrzeuge bereits wieder im Einsatz. Im Fischbeker Heidbrook fährt ein Carsharing-Auto seit dieser Woche wieder. Der zweite Pkw soll spätestens kommende Woche wieder im Einsatz sein, wie IBA-Sprecher Arne von Maydell dem TAGEBLATT auf Nachfrage mitteilte.

Wie berichtet, hatten das Autohaus S+K in Neu Wulmstorf und die IBA Hamburg im vergangenen Juni in Neugraben-Fischbek ein neues Carsharing-Projekt mit insgesamt vier Elektro-Autos gestartet. Zwei warteten seither auf dem Rewe-Parkplatz im Fischbeker Heidbrook auf Menschen, die sie ausleihen. Zwei weitere waren am Neugrabener Bahnhof positioniert.

Jugendbande zerstörte die Fahrzeuge

Nun waren diese Fahrzeuge, deren Vermietung übers Internet funktioniert, allerdings seit dem 16. Januar nicht online gestellt, so dass es im Umfeld bereits Spekulationen gab, ob das Projekt eingestellt worden sei. Grund für die längere Pause waren aber ein erheblicher Vandalismusschaden an den Fahrzeugen und ein defekter Parkscheinautomat, der im P+R-Parkhaus in Neugraben beschädigt wurde. „Die Fahrzeuge wurden von einer Jugendbande, die in Neugraben ihr Unwesen treibt, zerstört“, so Mathias Süchting, Geschäftsführer des Autohauses S+K. „Das sind leider Intensivstraftäter, die unsere Gesellschaft nicht ,eingefangen‘ bekommt.“

Wie im TAGEBLATT berichtet, leiden Neugraben-Fischbek und auch Neu Wulmstorf aktuell stark unter den Folgen einer heftigen Zerstörungswut, die in den vergangenen Monaten drastisch zugenommen hat. Ein Teil der Taten geht offenbar auf das Konto einer Gruppe von teils minderjährigen Kindern und Jugendlichen aus Hamburg, die in den vergangenen Monaten auch in Neugraben Angst und Schrecken verbreitet haben. Insbesondere in Neugraben beschweren sich Anwohner seit Längerem über den Krach und die Zerstörungen, die die Jugendbanden dort verursachen.

Ein Beitrag für den Umweltschutz

Opfer wurde nun auch das Carsharing-Programm, das die IBA als Projektentwickler der neuen Wohngebiete zusammen mit dem Autohaus S+K im vergangenen Sommer eingeführt hatte. „Wir sind mit dem Carsharing wieder online“, bestätigt Mathias Süchting. Aktuell seien anstelle von vier Pkw der Marke Renault Zoe nur drei online. „Wir überlegen noch, ob wir stattdessen lieber einen Renault Kangoo ZE in das Carsharing übernehmen“, so Süchting.

Etablierte Carsharing-Anbieter begrenzen ihr Angebot in der Regel auf einen festgelegten Radius innerhalb der Innenstädte. Entsprechend sind die Randbereiche der Städte oftmals benachteiligt. Nicht anders war es bis zum vergangenen Juni in Hamburg. Mit dem gemeinsamen Projekt wollten die IBA und das Autohaus deshalb ein unkompliziertes Sharing-Angebot am Stadtrand etablieren und mit den vier E-Autos gleichzeitig zum Umweltschutz beitragen.

Der Rückschlag durch die Zerstörungswut von Vandalen soll das Vorhaben nicht dauerhaft ausbremsen. Allerdings gibt es abgesehen von den Vandalismusschäden offenbar weitere Anlaufschwierigkeiten: „Die Auslastung ist aktuell noch nicht ausreichend, um das Carsharing ohne weitere Förderung zu betreiben“, so Süchting.

Über das Finanzierungsmodell und dessen Tragfähigkeit sowie über die Annahme und Auslastung des Angebots sollen Vertreter der IBA und des Autohauses nun auf Wunsch der SPD und der Grünen in der Bezirksversammlung im Ausschuss für Mobilität und Inneres berichten. Die Lokalpolitiker möchten auch wissen, was genau zur zeitweisen Einstellung des Angebots geführt hat und wie derartige Angebotsausfälle künftig vermieden werden können. „Eine Evaluation ist nach guten zwölf Monaten möglich,“, meint Süchting. „Im Juni oder Juli wäre der richtige Zeitpunkt dafür.“

Carsharing

Die Elektro-Autos haben eine Reichweite von bis zu 250 Kilometer. Wer das Angebot nutzen möchte, registriert sich auf www.carsharing-vogelkamp.de oder www.carsharing-heidbrook.de, lädt die App auf sein Smartphone, lässt seinen Führerschein im Autohaus S+K in Neu Wulmstorf prüfen und kann dann jederzeit ein Fahrzeug buchen oder reservieren.

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