Verbraucher hinterfragen zunehmend Fleischkonsum
Bei Wurstwaren nahmen zuletzt sowohl Käuferreichweite als auch Absatzmenge ab. (Symbolbild) Foto: Jan Woitas/dpa
Viele Menschen in Deutschland essen weniger Fleisch, wollen aber nicht komplett darauf verzichten. Was aktuelle Zahlen über den Trend zu bewussterem Konsum und Fleischersatz verraten.
Berlin. Der Fleischkonsum in Deutschland ändert sich - der Trend geht einer Studie zufolge aber weniger zum vollständigen Verzicht als vielmehr zu einem bewussteren Umgang. Zwar kaufen etwas weniger Haushalte Fleisch und Wurst als noch vor einigen Jahren, doch die verbliebenen Käufer legen bei den Mengen zu. Das geht aus Daten von YouGov und dem SINUS-Institut hervor, die zum Weltvegetariertag am 1. Oktober veröffentlicht wurden. Zudem gewinnt den Angaben zufolge Fleischersatz weiter an Bedeutung.
Den Daten nach kauften von Januar bis Juli dieses Jahres 93 Prozent der Haushalte Fleisch oder Geflügel – das sind bei der Käuferreichweite zwei Prozentpunkte weniger als 2022. Die gekaufte Menge nahm zugleich um drei Prozent zu. Besonders gefragt bleibe Geflügel: Hähnchen mache 35 Prozent am Fleischabsatz aus und liege vor Schweinefleisch (32 Prozent). Bei Wurstwaren nahmen sowohl Käuferreichweite als auch Absatzmenge ab.
Kein massenhafter Umstieg auf vegetarische oder vegane Ernährung
Die Befragungsdaten zeigten, dass viele Verbraucher ihren Fleischkonsum zunehmend hinterfragen. Mehr als jeder vierte Fleischesser (27 Prozent) plant demnach, seinen Konsum von Fleisch und Wurst „in nächster Zeit“ zu reduzieren. Nur 2 Prozent möchten ihn erhöhen.
Zugleich stimmt bereits knapp die Hälfte der Fleischesser der Aussage zu, dass es ihnen guttun würde, weniger Fleisch, Wurst und Fisch zu essen (43 Prozent). Dabei gehe es den meisten nicht um vollständigen Verzicht: Nur 22 Prozent derjenigen, die weniger tierische Produkte essen möchten, erwägen eine komplett vegetarische, 14 Prozent eine komplett vegane Ernährung.
Die Daten sprechen aus Sicht von YouGov-Expertin Petra Süptitz „weniger für einen breiten Trend zum Vegetarismus oder Veganismus, sondern stärker für die wachsende Bedeutung flexitarischer Ernährungsweisen“. Viele Menschen möchten sich nach ihren Worten bewusster und ausgewogener ernähren und ihren Fleischkonsum reduzieren, ohne jedoch vollständig darauf zu verzichten. Sogenannte Flexitarier sind flexible Vegetarier oder Teilzeit-Vegetarier, die ihren Fleischkonsum bewusst einschränken, aber gelegentlich noch Fleisch essen.
Markt für Fleischersatz wächst
Parallel wächst der Markt für Fleischersatz. Knapp 35 Prozent der Haushalte kauften den Daten zufolge 2026 mindestens einmal entsprechende Produkte – so viele wie seit 2022 nicht. Besonders stark wachsen „sonstige Fleischersatzprodukte“ wie Tofu und Falafel.
Der Umsatz „fleischanaloger“ Produkte wie vegetarische oder vegane Wurst habe um gut 6 Prozent zugelegt. Bei „sonstigen Fleischersatzprodukten“ liege das Plus bei 38 Prozent. „Fleischersatz gewinnt damit nicht nur neue Käufer, sondern wird von bestehenden Käufern auch intensiver genutzt“, heißt es.
Insgesamt haben 58 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben bereits Fleischersatz probiert. Als Hürden für eine weitere Verbreitung gelten vor allem der Preis und die Zusammensetzung: 61 Prozent empfänden die Produkte als zu teuer, 64 Prozent hätten den Eindruck, dass viele vegetarische und vegane Ersatzprodukte zu viele Zusatzstoffe enthalten.