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VfL Fredenbeck bleibt drittklassig

Fredenbeck verzichtet: Einige Spieler gaben sich enttäuscht , nachdem sie am Dienstagabend die Nachricht von Geschäftsführer Ulrich Koch erhielten.

Fredenbeck verzichtet: Einige Spieler gaben sich enttäuscht , nachdem sie am Dienstagabend die Nachricht von Geschäftsführer Ulrich Koch erhielten.

Die Frist ist am Donnerstag verstrichen. Der Handball-Drittligist VfL Fredenbeck verzichtet aus finaziellen Gründen auf den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der VfL will kein Risiko eingehen. Für den Aufstieg fehlen 170 000 Euro.

Donnerstag, 31.03.2016, 15:35 Uhr

Der Trainer des aktuellen Tabellenführers der 3. Liga West, Andreas Ott, hat jetzt ein Problem. „Es wird schwer, das Team noch zu motivieren, die Meisterschaft zu holen“, sagt er. Punktgleich steht der VfL Fredenbeck mit der HSG Krefeld und dem Leichlinger TV am Platz an der Sonne. Fünf Spiele stehen noch aus. Gerade nach den vergangenen fast zwei Jahren, in denen Ott den VfL zunächst vor dem Abstieg in die Viertklassigkeit rettete, das Team dann auf Rang sechs und aktuell an die Tabellenspitze führte, wäre der Verein mit einem Aufstieg womöglich ein Fall für die Geschichtsbücher geworden. Jetzt wird die immer noch machbare Meisterschaft ohne den Aufstieg allenfalls noch zur Randnotiz.

Ott kann die Gründe für die Entscheidung, die Lizenz für die 2. Bundesliga letztlich doch nicht zu beantragen, „nachvollziehen“. Der Geschäftsführer der Handball GmbH, Ulrich Koch, und zudem der Gesamtverein als Hauptgesellschafter trügen schließlich das Hauptrisiko. Nach TAGEBLATT-Informationen müsste ein Zweitliga-Club einen Jahresetat in Höhe von 650 000 Euro aufweisen. Das sind offenbar Erfahrungswerte vom Deutschen Handballbund (DHB) und von der Handball-Bundesliga (HBL). Selbst mit einer halben Million Euro wäre der Aufstieg noch machbar. Hätte der VfL Fredenbeck den Antrag gestellt, hätte er seine Liquidität für die gesamte Saison vorweisen müssen. Koch hätte den Entscheidern in Dortmund zudem glaubhaft versichern können, das Geld bis Weihnachten zusammenzuhaben. Aber nicht bei einer Summe von 170 000 Euro. Das sei ihm zu heikel. „Ich will nicht Weihnachten Insolvenz anmelden“, sagt der Geschäftsführer. Koch hatte bereits am Dienstag die Mannschaft informiert. Die meisten Spieler waren enttäuscht.

„Die Entwicklung war in den letzten Wochen abzusehen“, sagt Andreas Ott. Freilich hätte er sich einen anderen Ausgang der Gespräche mit den Sponsoren erhofft. Ulrich Koch putzte die Klinken der Geldgeber. Aber die Großindustrie sei nicht bereit gewesen, tief in die Tasche zu greifen. Blieben dem VfL die treuen Mittelständler. Allerdings waren auch die nicht bereit oder in der Lage, das Doppelte oder mehr zu geben. Zehn bis 20 Prozent mehr wären höchstens drin gewesen.

„Vielleicht war das auf absehbare Zeit die letzte Chance“, sagt Ott. Jetzt beginnen andere Vereine, verstärkt auf die Leistungsträger des VfL zu schauen. Spieler wie Edgars Kuksa, Zdenek Polasek oder Lars Kratzenberg sind nicht gerade unbegehrt, auch bei Zweitligisten.

Den großen Optimismus hatte Ulrich Koch in den vergangenen Wochen also zu recht nicht verbreitet. Der VfL werde weiter auf die Suche nach Geldgebern gehen und im nächsten Jahr erneut angreifen. „Vielleicht haben wir ja dann die Mittel“, sagt Koch. Mit dem Herzen sei er immer dabei gewesen. Aber sein Verstand habe zum Aufstieg Nein gesagt.

Nachdem die HSG Krefeld und der Leichlinger TV nicht einmal, wie Fredenbeck, Ende Februar die formalen Daten abgegeben und einen Aufstieg wenigstens ins Visier genommen hatten, wird es aus der Weststaffel der 3. Liga keinen Aufsteiger geben. „Grund ist die Eingleisigkeit der 2. Liga“, sagt Ulrich Koch. Der Sprung sei einfach zu groß, die Kosten zu hoch. Es könne sogar passieren, dass in diesem Jahr nur drei Drittligisten den großen Schritt wagen. Koch: „Das ist nicht befriedigend.“ Vielleicht ein Grund mehr für den DHB, über die Strukturen erneut nachzudenken.

Fredenbeck spielt am Sonnabend in Volmetal

Der Endspurt um die Meisterschaft in der 3. Liga West beginnt für die Handballer des VfL Fredenbeck mit einem Auswärtsspiel beim TuS Volmetal. Für die Fredenbecker zählt in diesem Spiel nur ein Sieg. Die Mitkonkurrenten um die Meisterschaft stehen ebenfalls vor schweren Auswärtsspielen. Das Hinspiel in heimischer Geestlandhalle wurde zwar mit 32:25 klar gewonnen, war aber bis weit in die zweite Halbzeit offen.

Aktuell hat sich der TuS Volmetal als Tabellenachter im Mittelfeld der Liga etabliert und dürfte mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben. Im letzten Punktspiel gegen die HSG Varel-Friesland setzte es mit

20:29 aber eine klare Niederlage.

Fredenbecks Coach selbst, aber auch die halbe Mannschaft, hat eine Erkältungswelle erwischt. Die Vorbereitung auf das Spiel gegen den TuS Volmetal ist nur eingeschränkt möglich. Zudem laboriert Zdenek Polášek weiter an Rückenproblemen. Ott hat Respekt vor dem Gegner. „ Der TuS Volmetal ist, noch dazu bei bekannt lautstarker Unterstützung in eigener Halle, ein unangenehmer Gegner. Schon im Hinspiel haben wir für den Sieg hart arbeiten müssen. Volmetal kommt über den Kampf. Eine Schwächephase werden wir uns nicht leisten können. Sonst geht das schnell daneben.“

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