Videodolmetscher im Kreishaus: Wenn jedes Wort wichtig ist
Dieses Symbolbild zeigt, wie Videodolmetschen funktionieren soll.
Der Dolmetscher sitzt in einer anderen Stadt, ist aber über eine sichere Datenleitung mit dem Kreishaus in Stade verbunden: In Gesprächen mit Ausländern, bei denen es besonders wichtig ist, dass Inhalte exakt verstanden werden, nutzt die Kreisverwaltung das Videodolmetschen.
„Einfache, alltägliche Angelegenheiten können wir gemeinsam gut regeln. Die Ausländerinnen und Ausländer und auch unsere Bediensteten verständigen sich mit einfachen Worten, mit Sprachmittlern und zur Not auch mit Händen und Füßen“, so die für die Ausländerbehörde zuständige Dezernentin Nicole Streitz. „Aber in heiklen Situationen, bei denen es auf jedes Wort ankommt, sind wir am Ende unserer Möglichkeiten und nutzen darum Dolmetscher“, erklärt Streitz. Dies sei zum Beispiel bei ärztlichen Untersuchungen im Gesundheitsamt der Fall oder auch bei Rückkehr-Beratungsgesprächen. „Für uns war es sehr wichtig, dass vor allem die Kinder, die sehr oft als Sprachmittler genutzt werden, von dieser Verantwortung entlastet werden.“ Es entspanne alle Anwesenden, wenn mögliche Quellen für Missverständnisse ausgeschlossen werden können.
Nachdem seit Herbst 2016 in Gesundheitsamt, Jugendamt, Frauenhaus und Ausländerabteilung das Videodolmetscher-System erprobt worden ist, steht es allen Bereichen der Kreisverwaltung und aufgrund einer Vereinbarung mit dem Anbieter „SAVD Videodolmetschen“ auch den Kommunen im Landkreis offen. Streitz: „Durch den starken Flüchtlingszuzug brauchten wir vor allem so genannte Mangelsprachen wie Farsi, Kurmanci, Dari oder Paschtu. Diese Sprachen werden uns bereitgestellt.“
Das Videodolmetschen ist bereits in Stade und Nordkehdingen im Einsatz und die Umsetzung in weiteren Kommunen wie etwa Horneburg ist auf dem Weg. Ein neues Einsatzgebiet in der Kreisverwaltung sind zum Beispiel die Aufgaben nach dem Prostituiertenschutzgesetz. Hier sieht schon das Gesetz die Beratung beziehungsweise Information in einer Heimatsprache vor. Dies ist bei den verschiedenen Sprachen, die benötigt werden, sehr gut über das Videodolmetschen möglich.
„Uns war sehr wichtig, den Kommunen den Zugang zu der wichtigen Ressource Dolmetscher zu ermöglichen. Der Landkreis trägt dabei die Bereitstellungskosten für den Dienst, die Kommunen die monatliche Grundgebühr von elf Euro je Endgerät und die jeweiligen Gesprächskosten. Letztere sind von der Dauer des Gesprächs abhängig, und werden im Minutentakt abgerechnet.
In der Praxis sitzt der Videodolmetscher oder die Videodolmetscherin gewissermaßen per Laptop als dritte Person bei einem Gespräch mit am Tisch. Eine Kamera zeigt dem Dolmetscher den Gesprächspartner, damit auch dessen nonverbalen Signale wie Gestik und Mimik berücksichtigt werden können. In vor Bildaufnahmen zu schützenden Situationen wie körperlichen Untersuchungen wird die Kamera ausgeschaltet.
Die Stärken des Videodolmetschens beschreibt Dezernentin Streitz: „Das Videodolmetschen ist sehr flexibel, häufig auch ohne große Wartezeit nutzbar. Es ist auf Laptops und Tablets im Einsatz und damit auch im Außendienst verwendbar. Es sind mehr Sprachen und sogar verschiedene afrikanische Dialekte verfügbar als im Bereich der ortsnahen Dolmetscher.“
Die Dolmetscher sind in aller Regel zertifiziert und transportieren im Gegensatz zum Beispiel zu Übersetzungsprogrammen auch nonverbale Signale. Bestes Beispiel dazu: Wenn ein Bulgare den Kopf schüttelt, ist das nicht die bei uns übliche Verneinung, sondern eine Zustimmung.
Worum es in dem zu dolmetschenden Gespräch geht, etwa bei einer anstehenden medizinischen Untersuchung, kann bei der Terminvereinbarung dem Anbieter des Videodolmetsch-Service mitgeteilt werden, sodass er entsprechend kompetente Dolmetscher vermittelt. Auch kann ein männlicher oder weiblicher Dolmetscher gewünscht werden. Streitz: „Auch nachts oder am Wochenende kann die Behörde über das Videodolmetschen Unterstützung bekommen.“