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Viel Förderung und noch mehr Forderung

Die „Energie-Polizei“ im Hause Lindemann: die Noch-Azubis Julia Struve und Philip Heinsohn. Foto von Borstel

Die „Energie-Polizei“ im Hause Lindemann: die Noch-Azubis Julia Struve und Philip Heinsohn. Foto von Borstel

Die Zeiten, in denen sie nur Zaungäste waren, sind vorbei: Azubis wollen „gefördert und gefordert“ werdent. Bei Lindemann in Stade scheint das zu glücken. Im Vorjahr ist Geschäftsführer Niels Schütte Ausbilder des Jahres geworden. Doch auch seine Azubis sind preisverdächtig.

Von Karsten von Borstel Dienstag, 12.06.2018, 19:21 Uhr

Philip Heinsohn und Julia Struve sind angehende Industriekaufleute, die im Rahmen der Energiescouts der Klimawerkstatt im Landkreis Stade im Vorjahr ausgezeichnet wurden. Die Klimawerkstatt wird von regionalen Akteuren gefördert und gilt als zentrales Netzwerk. Zehn andere Teams aus Unternehmen und Verwaltungen verwiesen die Azubis mit ihren Vorschlägen für Energieeinsparung auf die Plätze.

Nachdem sie auf Kreisebene gewonnen hatten, kam eine Einladung zum „Perpetuum Energieeffizienz Nachwuchspreis“. Mit dem Projekt „Quick-Wins für jedes Unternehmen“ bekam der Lindemann-Nachwuchs bundesweit den zweiten Platz. Am 20. Februar wurde der Award überreicht. Philip Heinsohn und Julia Struve waren in Berlin mit dabei und „tauschten sich dort mit Gleichgesinnten aus“.

Das Projekt macht deutlich: Azubis sind häufig kreativ und verantwortungsvoll. „Das bewusste Wahrnehmen unserer Auszubildenden, dass schon in der Ausbildung Arbeiten zu bewältigen sind, die das Unternehmen auf dem Markt voranbringen, steigert die Motivation und die Integrität der jungen Erwachsenen deutlich“, sagt Geschäftsführer Peter Witt. Sie „zur selbstständigen Arbeitsweise sowie eigenverantwortlichem Denken und Handeln zu bewegen“, müsse Anspruch eines Betriebs sein.

Philip Heinsohn und Julia Struve haben gerade ihre Abschlussprüfungen absolviert und die Festanstellung bereits in der Tasche. „Am Anfang des zweiten Lehrjahrs ist man schon auf uns zugekommen und hat uns einen Job angeboten“, sagt Heinsohn, „das Angebot haben wir dankend angenommen.“ Mit dem Wunsch nach Sicherheit sind sie nicht allein: Eine Umfrage der Bundesagentur für Arbeit hat untersucht, was dem Nachwuchs wichtig ist. Einer der Punkte: Perspektive. Azubis wünschten sich einen Betrieb, der ihnen eine Zukunft bietet. „Unsere Auszubildenden auch nach dem Abschluss in unserem Betrieb zu halten ist eines unserer großen Bestreben“, bekräftigt Witt.

Zurück im Hause Lindemann haben die Energiescouts niederschwellige Veränderungen vorgeschlagen: Ein Server wurde stillgelegt, der Serverraum hochtemperiert, Steckdosenschalter eingeführt und die Helligkeit der Leuchten im Bauerlebnishaus gedimmt. „Wir wollten leicht Umsetzbares in vielen Bereichen verbessern“, sagt Julia Struve.

Auszubildende wollen heute vielseitig gefördert werden. „Wir bieten bereits in der Ausbildung spezielle Seminare und Arbeitsprojekte, die autonomes Arbeiten fordern und fördern“, sagt Peter Witt. Bei Lindemann gibt es eine eigene Akademie, aus deren Angebot der Nachwuchs wählen kann. „Man will nicht einer von vielen sein“, sagt Philip Heinsohn, der eigentlich schon einen anderen Ausbildungsvertrag in der Tasche hatte und sich für Lindemann umentschieden hat.

Die Imagepflege wird für regionale Arbeitgeber immer wichtiger. Mit der Teilnahme an Ausbildungsmessen und Bewerbungstrainings für Schulen versuche das Unternehmen, frühzeitig über Möglichkeiten im Unternehmen zu informieren, „denn der Fachkräftemangel trifft auch uns im Mittelstand“, so Peter Witt.

Die Rückkehr der Energiescouts in den Betrieb war eine Art Initialzündung. „Das Thema bleibt auf der Agenda“, sagt Philip Heinsohn. „Seit der Durchführung machen viele Kollegen das Licht aus, sobald wir in den Raum kommen“, sagt Julia Struve und grinst. „Achtung, da kommt die Energie-Polizei“, sagen ihre Kollegen bei Lindemann dann scherzhaft.

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