Viele Glückwünsche für „Uli“ Klose
„Zwei wunderbare Menschen“: der frühere Hamburger Bürgermeister Hans-Ulrich Klose mit Ehefrau Anne bei einem Festakt in Berlin. Foto dpa
Der ehemalige Hamburger Bürgermeister und langjährige Harburger Wahlkreisabgeordnete wird heute 80 Jahre alt. In einem sind sich alte Weggefährten und ehemalige politische Gegner einig: Hans-Ulrich Klose ist ein Politprofi der besonderen Art.
„Nein“, sagt Hans-Ulrich Klose. „Ich werde meinen Geburtstag nicht feiern.“ Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister sagt im Gespräch mit dem TAGEBLATT auch gleich, warum: „Unsere Tochter ist gerade operiert worden. Wir wollen bei ihr zu Hause sein.“ Seit Jahren pflegen Uli Klose und seine Ehefrau Anne, eine Ärztin, die erkrankte Viola. Über die Krankheit spricht Klose nicht. Aber sie ist ein Hauptgrund dafür gewesen, dass sich der SPD-Politiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete von seinen Ämtern zurückgezogen hat und nun ein vielfacher „a. D.“ ist: Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt a. D., Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages a. D., Vorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Parlamentariergruppe a. D., Vizepräsident des Deutschen Bundestages a. D., Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion a. D., Schatzmeister der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands a. D., Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg a. D., Innensenator a. D.
Für viele Menschen im Hamburger Süden ist Hans-Ulrich Klose aber vor allem eines: Der „Uli“ – und als dieser wird er für sie niemals außer Dienst sein. Klose ist der Mann, der seit 1983 in der Nachfolge von Herbert Wehner stets als direkt gewählter Abgeordneter des Bundestagswahlkreises Hamburg-Harburg, beziehungsweise seit 2002 des Bundestagswahlkreises Hamburg-Bergedorf-Harburg in den Bundestag eingezogen ist. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er 51,0 Prozent der Erststimmen. Bei der Bundestagswahl 2009 waren es noch 39,0 Prozent. Zur Bundestagswahl 2013 trat Klose nach 30 Jahren nicht mehr an.
Sein Nachfolger wurde der jetzige SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi aus Wilhelmsburg. „In Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern werde ich häufig auf meinen Vorgänger angesprochen“, sagt Hakverdi. „Die Menschen in Harburg und Wilhelmsburg haben vor allem seine Weitsicht, Besonnenheit und seinen augenzwinkernden Humor in bester Erinnerung.“ Als Klose von 1974 bis 1981 Hamburgs Erster Bürgermeister war, ging Hakverdi zur Schule. „Was mir an ihm imponierte: Er gehörte zu den Ersten, die vor den Gefahren der Atomkraft warnten und opferte für diese Überzeugung sein Bürgermeisteramt“, so der 47-Jährige. „Diese Haltung flößte mir in jungen Jahren großen Respekt ein. Hans-Ulrich Klose ist als aufrechter Hanseat, weltläufiger Politprofi und vor allem als warmherziger Familienmensch für mich persönlich ein bedeutendes Vorbild.“
Harburgs SPD-Urgestein Harald Muras hat noch mehrmals im Jahr Kontakt zum inzwischen in Berlin lebenden Genossen: „Ich würde ihn heute als Freund bezeichnen – und nicht nur als politischen Freund“, sagt Muras. „Obwohl wir früher viel gestritten haben und es auch heute noch gut können.“ Klose sei ein absoluter Glücksfall für den Harburger Wahlkreis gewesen“, so Muras. „Er besitzt außergewöhnliche kommunikative Fähigkeiten, er ist sehr intelligent, nachdenklich, ruhig und aufklärerisch im besten Sinne.“ Parteipolitisch sei Klose schwer einzuordnen gewesen. „Er war nie an Seilschaften oder Intrigen interessiert“, sagt der langjährige Kreisvorsitzende. „Ich kann mich eigentlich an niemanden erinnern, mit dem ich mich so viel gezofft habe und den ich so gerne mochte.“ Muras ist überzeugt: „Uli Klose wäre auch als Bundespräsident sehr geeignet gewesen.“
Auch der ehemalige SPD-Bezirksabgeordnete Heiner Schultz aus Neugraben weiß um die große Popularität des Genossen Klose: „Ich schätze ihn, weil er nicht nur im Wahlkampf sehr viel in die Bevölkerung hineingegangen ist. Wir waren häufig in Kirchen, Jugendheimen oder bei Handwerksbetrieben“, sagt Schultz, der eine besondere Erinnerung an den ehemaligen Hamburger Bürgermeister hat: „Bei meinem 80. Geburtstag standen er und seine Frau Anne plötzlich vor unserer Tür. Die beiden sind ganz wunderbare Menschen.“ Manfred Hoffmann, langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender in der Harburger Bezirksversammlung, schätzt Klose ebenso: „Er hat sich für uns Neuenfelder beim Hamburger Senat ins Zeug gelegt, auch wenn das gar keine bundespolitischen Angelegenheiten waren. Man konnte ihn immer ansprechen.“ Hoffmann fühlt sich Klose weit über die politische Arbeit hinaus verbunden. Er kennt die Gedichte, die Klose veröffentlicht hat und dessen Zeichnungen, er weiß um Kloses großes Wissen im Bereich der klassischen Musik. „Ich vermisse Politiker seiner Art“, sagt Hoffmann. „Solche, die auch über die Politik hinaus interessiert sind und mit denen man über mehr reden kann als über Wahlen.“
Das findet auch der ehemalige deutsche Verteidigungsminister und CDU-Generalsekretär Volker Rühe, der den ehemaligen Hamburger Bürgermeister und SPD-Konkurrenten in seinem Wohnort in Harburg vor die Nase gesetzt bekam. Die beiden politischen Schwergewichte haben sich aber meistens sehr gut verstanden. Beide waren bereits als junge Männer länger in den USA, sind bis heute große Amerika-Liebhaber und machen sich für die transatlantischen Beziehungen der Bundesrepublik stark. „Uli Klose hat außenpolitisch viel getan und große Verdienste um das Verhältnis zu den USA“, so Rühe zum TAGEBLATT. „Er deckt ein weites Spektrum ab und hat dabei nie parteipolitische Scheuklappen auf. Er vertritt mit Stil einen Politiker-Typus, den es immer weniger gibt.“
Geburtstagswünsche hat Uli Klose nicht. Nur, dass es seiner angeheirateten Tochter bald wieder besser gehen möge. „Ich wünsche mir, dass sie bald wieder fröhlich ist. Mehr nicht“. Nur eines vielleicht noch: Dass auf einen US-Präsidenten wie Trump professionell reagiert und ein möglichst enger Kontakt gehalten wird. „Es macht keinen Sinn, über den Atlantik hinweg Unhöflichkeiten zu schicken. Das System der Gewaltenteilung in den USA funktioniert noch. Darauf sollten wir bauen.“
Hoch geschätzt über die Parteigrenzen hinaus: Uli Klose mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto dpa
Gespräch der Generationen: Hans-Ulrich Klose und der jetzige Harburger Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi .