Zähl Pixel
Archiv

Volksbank Kehdingen mit Bestwerten

Zufriedene Gesichter bei Vorstand Joachim Fecht, Niederlassungsleiter Dietmar Bruß und Privatkundenleiter Björn Großmann. Foto von Borstel

Zufriedene Gesichter bei Vorstand Joachim Fecht, Niederlassungsleiter Dietmar Bruß und Privatkundenleiter Björn Großmann. Foto von Borstel

Die Volksbank Kehdingen blickt zufrieden zurück: „Wir haben uns 2017 außerordentlich gut entwickelt“, sagt Niederlassungsleiter Dietmar Bruß beim jährlichen Bilanzgespräch.

Von Karsten von Borstel Freitag, 23.03.2018, 11:00 Uhr

Bereits Anfang des Jahres hatte Vorstand Joachim Fecht die Bilanz der Ostfriesischen Volksbank, zu der die Kehdinger gehören, vorgestellt. Mit einer Bilanzsumme von 1,9 Milliarden (+ 8 Prozent) habe die ihren Marktanteil im gesamten Geschäftsgebiet ausgebaut, bilanzierte Fecht. Vor dem Hintergrund immer härterer Regulierung, Digitalisierung und Nullzinspolitik keine Selbstverständlichkeit, wie der Banker betont.

Der Blick auf Kehdingen: Das Kreditgeschäft sei im Vorjahr treibende Kraft gewesen, sagt Firmenkundenleiter Dietmar Bruß. 2017 seien 510 Kredite mit einem Gesamtvolumen von 47 Millionen Euro vergeben worden. Der Kreditbestand liegt bei 157 Millionen Euro (+ 20 Prozent). Drei Viertel (120 Millionen) davon entfallen auf Firmenkunden. Die Landwirtschaft mit Fischerei sowie die Schifffahrt zählten zu den Zugpferden, so Bruß. Der Mittelstand habe sich im Vorjahr besonders gern Geld geliehen.

Wenig überraschend: In Zeiten des Baubooms entfallen im Privatkundenbereich rund drei Viertel aller Darlehen auf den Immobiliensektor. Weil in Kehdingen und Nordkehdingen vergleichsweise wenig Bauland erschlossen wird, müsse sich die Volksbank vornehmlich auf Lückenbebauung konzentrieren. Die Immobilientochter blicke auf ein beachtliches Geschäftsjahr zurück.

Den Unternehmen geht es überwiegend gut, weshalb die Liquidität steigt. Das Einlagevolumen (202 Millionen) befindet sich trotz niedrigen Zinslevels auf dem Stand des Vorjahres (205 Millionen). Einzig in der Schifffahrt seien die Zahlen rückläufig, weil in der Region entgegen dem Branchentrend zuletzt kräftig investiert worden sei. Bei der Gesamtbank waren die Einlagen 2017 um 5,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro angewachsen.

„Die Menschen sind in der Lage, aus eigener Kraft Rücklagen zu bilden“, sagt Privatkundenleiter Björn Großmann. Der Anstieg zeuge vom Vertrauen in das Genossenschaftsmodell. Doch: Mehr Rücklagen schaffen für die Geldhäuser Kosten, weshalb Anlageformen abseits des Sparbuchs interessant blieben, zum Beispiel Investments oder Fonds.

„Die Nulllinie hat viele zermürbt“, erläutert Vorstand Fecht. Über die Generationen hinweg wachse das Interesse an Sparplänen und Depots. Diese funktionierten weitgehend unabhängig von aktuellen Geldmärkten und brächten mehr Rendite. Bei den sogenannten Ansparplänen verzeichneten die Kehdinger 2017 einen Zuwachs von 37 Prozent (+ 300 Verträge). Branchentypisch? „Ja, aber die Zahlen liegen über dem Trend“, sagt Fecht.

Wo braucht der Kunde die Bank vor Ort noch? „Bei der Geldanlage, Vorsorge, den Krediten“, erläutert Fecht. Trotz der Präsenz im Internet müssten Banken ein Angebot in der Fläche erhalten. „Omnichanneling“ heißt heute das Zauberwort für alle Plattformen, die ein Finanzinstitut bespielen muss. Der Spagat sei die Schwierigkeit, so Privatkundenleiter Großmann. Um den gestiegenen Anforderungen in der Beratung gerecht zu werden und die Qualität weiter zu verbessern, wolle die Volksbank routinierte Berater noch intensiver schulen.

Auch nach der Fusion und mit einer Zentrale in Leer seien die Entscheidungswege kurz geblieben. Die „größere Einheit“ habe die Banken schlagfertiger gemacht, sagt Fecht. Der Vorstand erwartet 2018 eine solide Ertragslage. Die Zahl der Mitglieder ist in Kehdingen um 9,7 Prozent auf 3381 gestiegen. Neben der Dividende seien Mitbestimmung und Identifikation die Argumente für eine Teilnahme. Gemeinsam mit den Sparkassen hätten sich die Volksbanken als Stützpfeiler der deutschen Finanzwelt erwiesen. Das Modell Genossenschaft sei keineswegs antiquiert, sondern erlebe eine Renaissance – besonders nach den Krisenjahren.

Das Filialnetz von Bützfleth bis Balje bleibe bis mindestens Ende 2019 unangetastet – so sieht es die 2014 anlässlich der Fusion beider Häuser geschlossene Bestandszusage vor. Und danach? Die abnehmende Zahl an Kunden in der Fläche werde durchaus registriert, sagt Fecht. „Ich sehe im Moment keinen akuten Handlungsbedarf, aber was Ende 2019, Anfang 2020 ist, kann man nicht sagen, weil die Branche eine große Dynamik bekommen hat“, sagt der Bankenvorstand. Seine Zusage: Zeitlich flexible Modelle sicherten eine gute und individuelle Beratung für alle Kunden.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.