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Vom Abriss und Neubau der B73-Brücke

Blick von Süden auf die marode B-73-Brücke in Buxtehude : Das Baufeld ist geräumt. Im Herbst wird an dieser Stelle die Baustellen-Umfahrung mit der Behelfsbrücke errichtet. Fotos Vasel

Blick von Süden auf die marode B-73-Brücke in Buxtehude : Das Baufeld ist geräumt. Im Herbst wird an dieser Stelle die Baustellen-Umfahrung mit der Behelfsbrücke errichtet. Fotos Vasel

Die B 73 ist die Wirtschafts- und Hauptverkehrsader in der Region. 19 000 Fahrzeuge rollen tagtäglich über die Este-Querung in Buxtehude. Doch die Betonbrücke ist marode und muss abgerissen werden. Im Frühjahr 2018 soll die neue Brücke stehen.

Von Björn Vasel Mittwoch, 13.04.2016, 18:07 Uhr

Das TAGEBLATT beantwortet die wichtigsten Fragen – zu den Bauphasen, zu den Kosten und zu den Auswirkungen auf die Autofahrer.

Warum muss die heutige Brücke abgerissen werden?

Seit 1962 rollt der B-73-Verkehr über die Spannbetonbrücke. Doch das Bauwerk ist, wie die Experten sagen, spannungsrisskorrosionsgefährdet. Das heißt: Durch Risse im Spannbeton dringt Wasser ein und zerfrisst den Stahl. Dadurch könnte dieser im schlimmsten Fall brechen. Noch ist die Brücke laut Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade nicht akut einsturzgefährdet. Allerdings sind aus Sicherheitsgründen seit dem Jahr 2012 keine genehmigungspflichtigen Schwertransporte über 40 Tonnen mehr über die knapp 50 Jahre alte Este-Brücke zulässig, außerdem gilt in dem Bereich eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 50 Stundenkilometern. Wie ist der Planungsstand bei der Landesbehörde in Stade?

Die Ausschreibung ist fast fertig und soll im April/Mai dieses Jahres erfolgen. Ziel ist es laut Hans-Jürgen Haase, Leiter der Außenstelle in Stade, dass das „rote Band“ im April 2018 durchschnitten werden kann, um die neue Querung für den Verkehr freizugeben. Eineinhalb Jahre sind für den Bau veranschlagt.

Wie wird die Brücke aussehen? Eine Visualisierung gibt es noch nicht. Große Unterschiede zum heutigen Bauwerk wird es wohl nicht geben. Fest steht: Ausgeschrieben wird der Neubau einer 52 Meter langen Stahlbetonbrücke. Allerdings könnten Bieter auch alternativ eine stählerne Brücke, ähnlich der A-26-Brücke über die Este, bauen. Etwa acht Wochen nach der Veröffentlichung soll der Auftrag für die Dreifeldbrücke vergeben werden. Wenn unterlegene Firmen die Vergabe nicht von der Vergabekammer Niedersachsen in Lüneburg prüfen lassen und den Vergabesenat des Oberlandesgerichts Celle einschalten, geht es im Herbst los.

Wie teuer wird der Neubau inklusive der Umfahrung?

Gerechnet wird mit Kosten in Höhe von 4,3 Millionen Euro.

Was ist an der Este bereits passiert, wie viele Bauphasen gibt es?

Die Landesbehörde hat den Bau in acht Abschnitte gegliedert. Das Baufeld ober- und unterhalb der Brücke ist bereits im Februar gerodet worden. Auf beiden Seiten der Bundesstraße 73 sind die Baustelleneinrichtungen für Material, Gerät und Container geplant – am Ostufer. Vor allem Weiden und Erlen, aber auch Buchen, Eichen, Pappeln und Birken wurden gefällt, die Bäume wurden geschreddert und zu Holzpellets weiterverarbeitet.

Zwei Zufahrten für schwere Baufahrzeuge und das Material wird es geben, beide von Osten über die Moisburger Landstraße (L 141).

Wie läuft der Bau der neuen Brücke ab?

Phase 1: Unterhalb der B 73 wird eine Baubrücke für Bauarbeiter- und -Fahrzeuge über die Este und den Mühlenteich geschlagen. Dafür sind 15 Tage eingeplant.

Phase 2: Nördlich der heutigen Bundesstraße wird ein Sanddamm für die „Behelfsumfahrung“ aufgeschüttet, befestigt und eine provisorische sieben Meter breite Straße mit Radweg gebaut. Außerdem wird eine 42 Meter lange Behelfsbrücke aus Stahlelementen errichtet (Bauzeit: 95 Tage). Mit Beginn der Phase 2 werden die Fußwege an der Obereste im Baustellenbereich abgesperrt. Bis zum Frühjahr 2018 müssen Wanderer einen Umweg machen.

Phase 3: Im Anschluss erfolgt die Umlegung der Straße. In diesen Phasen wird es kurzzeitig, stunden- und tageweise zu einer Verkehrsbehinderung – wie der Teil- und Vollsperrung der Anschlussstelle auf der Südseite – kommen, sagt Hans-Jürgen Haase (20 Tage). Diese dient der Baustellenzufahrt.

Phase 4: Dann wird die alte B-73-Brücke abgerissen. Dafür wurden 63 Tage einkalkuliert.

Phase 5: Im Sommerhalbjahr soll die neue Dreifeldbrücke errichtet werden. Aller Voraussicht nach wird es eine Stahlbetonbrücke, so wie heute. Für den Überbau und die Widerlager der neuen Brücke werden etwa 2000 Kubikmeter Beton und 300 Tonnen Baustahl benötigt, rechnet die stellvertretende Leiterin der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade, Maren Quast, vor (Bauzeit: 195 Tage).

Phase 6: Die neue Brücke wird an die alte Straße angeschlossen. Abschnittsweise wird der Verkehr auf die B 73/Brücke zurückverlegt. Für Anschlussarbeiten wie Asphaltierung und Umlegung sind 13 Tage eingeplant. Die B 73 wird wieder für den Verkehr freigegeben; Pkw und Lkw dürfen mit 30 oder möglicherweise 50 Stundenkilometern über die neue Brücke rollen. Hintergrund: Die Behelfsumfahrung muss zurückgebaut werden.

Phase 7: Die Behelfsumfahrung wird beseitigt. Der Abtransport des Materials erfolgt auch über die Bundesstraße 73, die als Baustellenzufahrt dient. Die stählerne Behelfsbrücke wird demontiert, die beiden Rampen teilweise zurückgebaut (Bauzeit: 85 Tage).

Phase 8: Die Baubrücke wird abgebaut. Der Verkehr auf der B 73 läuft wieder, wie früher mit maximal 70 Stundenkilometern statt heute mit 50 (20 Tage).

Wird es längere Einschränkungen für Lkw-Fahrer während der Bauphase im Bereich der EsteQuerung geben?

Nein. Für den Pkw- und den „normalen“ Lkw-Verkehr wird es keinerlei Einschränkung bei der Nutzung der Behelfsbrücke über die Este geben – abgesehen von einer Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit im Baustellenbereich auf Tempo 30 oder 40. Das wird die Stadt nach Absprache mit Polizei und Land festlegen. Allerdings sollen genehmigungspflichtige Groß- und Schwertransporte nicht über das Behelfsbauwerk geführt werden.

Müssen die Fußgänger und Fahrradfahrer mit Einschränkungen rechnen?

Das Behelfsbauwerk wird auf der Nordseite einen Fuß- und Radweg mit einer Breite von knapp 1,5 Metern aufweisen. Der jetzt vorhandene Radweg auf der Südseite wird nicht über das Behelfsbauwerk geführt.

Wer hat etwas von dem Neubau?

Alle profitieren. Die neue B-73-Brücke wird sowohl auf der Südseite als auch auf der Nordseite einen Radweg aufweisen. Mit der Stadt Buxtehude wurde vereinbart, dass die Stadt für den südlichen Radweg auf dem neuen Bauwerk den Winterdienst, wie Räumen und Streuen, sowie die Reinigung (Fegen) übernimmt.

Wird im Zuge der Maßnahme 2017/2018 auch eine Fußgängerbrücke unterhalb der neuen B-73-Brücke gebaut?

Das ist möglich. Das allerdings wäre die Aufgabe der Stadt. Jörg Rönner von der Fachgruppe Straßen prüft das gerade. Der Ortsvorsteher von Eilendorf, Olaf Riesterer (CDU), und die Vorsitzende des Bürgervereins Altkloster, Dr. Nina Freudenthal, fordern, dass im Zuge des Neubaus ab 2018 auch eine Fußgängerbrücke unterhalb des Neubaus realisiert wird.

Erste Ideen lieferte die Hochschule 21. Die Fundamente der Behelfsbrücke könnten genutzt werden. Profitieren würden die Spaziergänger, die im Estetal wandern wollen, zum anderen auch Schüler aus den Ortschaften, die dann nicht mehr an der vielbefahrenen Moisburger Straße und der B-73-Anschlussstelle entlang zu ihren Schulen, zu ihren Freunden oder zum Sport beziehungsweise im Sommer zum Freibad laufen oder fahren müssten.

Darstellung mit allen acht Bauphasen (7 MB)

Die alte Brücke wurde 1962 errichtet. „Mit diesem kunstvollen und Sicherheit gewährleistenden Bauwerk des neuzeitlichen Straßenbaus wollen wir einen entscheidenden Beitrag zur

Minderung der zahlreichen Verkehrsgefahren in der Ortsdurchfahrt wirksam werden lassen“, sagte Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm am 26. Mai 1962 bei der Einweihung der 5,3 Kilometer langen Umgehung (B 73) nach dreieinhalbjähriger Bauzeit. 9,2 Millionen Mark kostete die neue Straße mit Leitplanken. Sie sollte Altkloster entlasten und den von Hamburg geplanten Tiefwasserhafen bei Neuwerk anbinden. Die Trasse war bereits vor dem Krieg freigehalten worden. Die neue B 73 war kürzer und kreuzungsfrei, bei der alten quälte sich der Verkehr durch die Stadt und stockte immer wieder an den Bahnübergängen.

Blick von unten auf die marode B-73-Spannbetonbrücke über die Este in Altkloster und den Mühlenteich.

Blick von unten auf die marode B-73-Spannbetonbrücke über die Este in Altkloster und den Mühlenteich.

Behelfsstraße: Die Karte zeigt den Neubau-Bereich der B-73-Brücke (rot) über die Este in Buxtehude-Altkloster und die Baustellen-Umfahrung mit der Behelfsbrücke (hellgrün). Im Norden wird eine Baustellen-Brücke über den Mühlenteich geschlag

Behelfsstraße: Die Karte zeigt den Neubau-Bereich der B-73-Brücke (rot) über die Este in Buxtehude-Altkloster und die Baustellen-Umfahrung mit der Behelfsbrücke (hellgrün). Im Norden wird eine Baustellen-Brücke über den Mühlenteich geschlag

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