Vom Betonviertel zur Wohnstadt
Muss weichen: Büroklotz der ehemaligen Oberpostdirektion . Foto Lorenz
In der Hamburger City Nord entsteht erstmals ein Apartmenthaus. Am Überseering weicht das Gebäude der ehemaligen Oberpostdirektion im kommenden Jahr dem ersten Wohnungsbauprojekt des Büroviertels aus den 1960ern.
Sehr zur Freude von Oberbaudirektor Jörn Walter: „Wir begrüßen das sehr. Der Wohnungsbau ist eine gute Entwicklung für die City Nord, die hier an die bestehende Nachbarschaft anknüpfen und positiv zur Quartiersentwicklung beitragen kann.“
Die gelbe Post-Pyramide (1974 bis 1977) zählt zu den markantesten Bauten der Bürostadt. Als „Affenfelsen“ verspottet, war sie vielen ein Sinnbild für die seelenlose Betonarchitektur der damaligen Zeit. 2006 zog die Post aus, Ende 2015 hat auch der letzte Mieter das 14-geschossige Haus verlassen. Wegen Asbestgefahr besteht Betretungsverbot. Da zudem der Brandschutz veraltet ist, wollen die neuen Eigner das nicht denkmalgeschützte Gebäude Anfang 2017 abreißen und auf dem Gelände mehrere Baukörper neu errichten. Rund zwei Drittel der Flächen sollen dem Wohnen dienen, sagt Uwe Mohrmann, Geschäftsführer der Grundeigentümer-Interessengemeinschaft City Nord (GIG). Das entspricht etwa 500 Wohneinheiten, ein Drittel davon ist als Sozialwoh-nungen geplant.
Für die City Nord markiert die Öffnung für Wohnungsbau eine tiefe Zäsur. Das Quartier in Winterhude war in den 1960ern als Standort für reine Büro-Großbauten mit viel Grün drumherum entworfen worden. Nach dem Wegzug vieler Konzerne – vor allem der Mineralölgiganten Shell, Esso und BP – rücken zusehends andere Nutzungen in den Fokus. Neuer Eigentümer des ehemaligen Post-Geländes am Überseering/Ecke Sydneystraße ist ein Joint Venture aus Otto Wulff Bauunternehmung, Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung und der Berliner Christmann Gruppe. Sie wollen dort etwa 200 Millionen Euro investieren. Für Mohrmann ein echter Zugewinn: „Hier entsteht ein Solitär, der als Bereicherung für das Gesamtensemble City Nord angesehen werden darf.“
Laut GIG erlebt die City Nord derzeit die höchste Bauaktivität seit ihrer Entstehung und dabei den Wandel hin „ins moderne Zeitalter“. Tatsächlich wird dort aktuell vielerorts saniert, moder-nisiert und gebaut. Dieser Wandel ist am anderen Ende des Überseerings gerade mit Händen zu greifen. An der Stelle des früheren BP-Sitzes wachsen nebeneinander eine neue Telekom-Zentrale und ein Hotel in futuristischer Form in die Höhe. Dort lässt die Kette Holiday Inn einen 60 Meter-Hotelturm (vier Sterne, 300 Zimmer) hochziehen, dessen Gestalt einer Flugzeugtragfläche nachempfunden ist. Das Gebäude gegenüber dem Stadtpark dürfte zum neuen Wahrzeichen der veränderten City Nord werden. Beide Neubauten sollen Ende des Jahres fertig sein.
Geplanter Neubau als Nachfolger der Oberpostdirektion . Foto KBNK Architekten