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Vom Kampf um die Vormacht an der Elbe

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war weitaus mehr als ein blutiger Religionskrieg: Der „teutsche“ Krieg war Kampf um die politische Vormachtstellung in Europa – und auch im Elbe-Weser-Raum.

Von Björn Vasel Montag, 07.01.2019, 19:04 Uhr

Das hat die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Niedersächsischen Landesarchiv Stade, Dr. Beate-Christine Fiedler, am Sonntagabend beim diesjährigen Auftakt der Vortragsreihe „Lebensader Este“ im bis auf den letzten Platz besetzten Forum auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Buxtehude und des Kulturforums am Hafen deutlich gemacht. „Die großen Gewinner des Dreißigjährigen Krieges waren 1648 die Schweden“, sagte die Historikerin. Mit dem Westfälischen Frieden wurden die schwedischen Könige auch zu Herzögen von Bremen und Verden. Erst 1712 verloren sie ihre Provinz an die Dänen; die veräußerten sie drei Jahre später an das Kurfürstentum Hannover (eigentlich Braunschweig-Lüneburg).

Während in weiten Teilen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mehr als die Hälfte der Bevölkerung durch Krieg, Hunger und Pest dahingerafft geworden sei, habe der Verlust laut Fiedler zwischen Elbe und Weser lediglich zwischen einem und zehn Prozent betragen – auch, weil die Moorgebiete größere Truppenaufmärsche verhindert hätten. In den ersten Jahren sei die Region vom Dreißigjährigen Krieg kaum betroffen gewesen.

1619 nahm König Christian IV. von Dänemark, in Personalunion auch Herzog von Schleswig und Holstein, in einem Handstreich mit 500 Soldaten die Stadt Stade ein. „Das hatte geostrategische Gründe“, erklärte Fiedler. Denn der Dänenkönig strebte die Kontrolle über die Elbe an und hatte aus diesem Grund bereits 1616 die Festungsstadt Glücksstadt am Nordufer gegründet. Im Jahr 1621 setzte der Dänenkönig durch, dass sein zweitältester Sohn, der zwölfjährige Friedrich, zum Koadjutor des Erzstiftes Bremen bestellt wurde. Lediglich zeitweise konnte die Neutralität des Gebietes gesichert werden.

Der Däne verbündete sich mit England, Frankreich sowie den Niederlanden gegen den Kaiser. Der König, 1625 zum Kreisobersten des niedersächsischen Reichskreises gewählt, hob Truppen aus. Doch der Traum von der dänischen Großmacht war schnell ausgeträumt. Bei der Schlacht bei Lutter am Barenberge (Harz) musste König Christian IV. von Dänemark im August 1626 eine verheerende Niederlage einstecken. Die Truppen des Kaisers und der Katholischen Liga unter der Führung von Johann T’Serclaes Graf von Tilly besiegten ihn. Christian IV. floh – und bezog Quartier in Buxtehude, später in Stade. Die Kaiserlichen rückten vor, das schmucke Renaissanceschloss in Rotenburg wurde zerstört.

Damit saßen die Kaiserlichen und die Katholiken wieder fest im Sattel. Im Herbst 1627 richtete Tilly in Buxtehude an der Este sein Hauptquartier ein; 11.000 Soldaten hörten auf sein Kommando. Im Frühjahr 1628 fiel auch Stade nach einer kurzen Belagerung in die Hände der Kaiserlichen. Die führten gegen den Widerstand der Bevölkerung den katholischen Glauben wieder ein, auch die Rückgabe kirchlicher Güter wurde durch das kaiserliche Restitutionsedikt geregelt. Dieses sah eine Rückkehr zur territorialen Religionszugehörigkeit von 1552 vor, so Fiedler.

Übrigens: Wer übertrat, war von den Kontributionsleistungen befreit. Doch die Rückkehr zum rechten Glauben zahlte sich für viele nicht aus, die Pest raffte Tausende dahin. Aber die Kaiserlichen hielten sich nicht lange, die Schweden rückten vor. Sie nutzen das Machtvakuum aus, das nach dem Abrücken Tillys im Sommer 1630 entstanden war. Trotz alledem konnten die Truppen des kaiserlichen Grafen zu Pappenheim in Kehdingen und im Alten Land brandschatzend durch die Dörfer ziehen.

König Gustav Adolf trat 1630 in den Krieg ein. 1632 fiel Stade. Bereits im Sommer 1631 hatte sich der schwedische Reichskanzler Axel Oxenstierna mit dem Bremer Erzbischof darüber geeinigt, ihm die Regierungsrechte an der Niederelbe „für die Dauer des Krieges“ zu übertragen. Im Zuge eines Teilfriedens konnte die Neutralität der Stifte von 1635 bis 1644 zeitweise gesichert werden – durch erhebliche Geldzahlungen.

1645 stand der schwedische Feldherr Hans Christoph von Königsmarck – inzwischen „über Kreuz“ mit den ehemaligen Verbündeten aus dem Erzbistum Bremen – wieder vor den Toren, über Cranz rückten sie im Winter auf Buxtehude und Stade vor und rissen sich letztlich im Westfälischen Frieden das ehemalige Erzstift Bremen zusammen mit dem ebenso säkularisierten ehemaligen Hochstift Verden als dauerhaftes Reichslehen unter den Nagel – ohne Bremen. So wurde der schwedische König als Herzog von Bremen und Verden zum Reichsfürsten. Erst 1666 erkannten sie die Reichsunmittelbarkeit von Bremen als freie Reichsstadt an. Fiedler: „Dass sie auf Bremen verzichten mussten, war der große Wermutstropfen.“

Lebensader Este

Es geht weiter: „Als die roten Fahnen wehten – Novemberrevolution 1918 in Buxtehude und im Regierungsbezirk Stade“, davon berichten Dr. Gudrun Fiedler (Staatsarchiv Stade) und Eva Drechsler (Stadtarchiv Buxtehude) am Sonntag, 20. Januar, 17 Uhr, im Zuge der Vortragsreihe „Lebensader Este“ von Heimatverein Buxtehude und Kulturforum am Hafen. Eintritt: 5 Euro.

www.kulturforum-hafen.de

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