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Vom Supa Richie zum Kult-Klopp

Matze Knop im Interview vor der Fußball-EM: Einfach nur ein Spaßmacher oder doch schon Fußball-Experte?

Matze Knop im Interview vor der Fußball-EM: Einfach nur ein Spaßmacher oder doch schon Fußball-Experte?

Matze Knop war Ende der 90er „Supa Richie“ im hautengen Kostüm und mit dummdeutscher Sprache. Mit Parodien auf Franz Beckenbauer, Luca Toni und andere Promis startete er in seine zweite Karriere. 

Von Karsten von Borstel Freitag, 03.06.2016, 14:00 Uhr

Ein Gespräch über die Nationalmannschaft, seinen Stand in Expertenrunden und darüber, welche Spieler noch viel Angriffsfläche bieten.

Herr Knop, sind Sie mit Joachim Löws EM-Nominierungen zufrieden? Beim Testspiel gegen die Slowakei haben Sebastian Rudy und Karim Bellarabi doch eine gute Figur im Schwimmen abgegeben. Trotzdem müssen sie nach Hause.
Matze Knop: Ja, aber der Jogi wird sich wahrscheinlich auch gedacht haben: Die kommen zwar auf dem nassen Untergrund hervorragend klar, aber wahrscheinlich wird es in Frankreich doch recht warm. Die, die sich auf dem nassen Rasen beim Schwimmen besonders dämlich anstellten, haben mit Blick auf die Nominierung quasi instinktiv alles richtiggemacht. Aber noch mal ernsthaft: Ich bin insgesamt ganz zufrieden.

Ist es denn richtig, an alteingesessenen Spielern wie Schweinsteiger und Podolski festzuhalten? Der eine hat seine Verletzung noch nicht vollständig auskuriert, beim anderen zeigt die Formkurve nicht gerade nach oben.
Ich muss ehrlich sagen: Ich hätte die altbewährten Kräfte auch mitgenommen. Man braucht am Ende des Tages ein paar feste Größen, bei denen man genau weiß, wie sie ticken, und die vor allem auch gute Stimmung im Team verbreiten. Für Marco Reus tut es einem natürlich leid, der ist immerhin auch schon 27 Jahre alt und fehlt nun das zweite Turnier.

Eigentlich sind Sie ja Comedian. Und trotzdem werden Sie von Journalisten immer wieder zu Fußballthemen befragt. In den einschlägigen Talkrunden kennt man Sie. Wie werden Sie in Expertenkreisen wahrgenommen? Als Komiker? Als Fachmann? Als beides?
Irgendwas dazwischen. Die Ex-Profis in den Sendungen respektieren mich, weil sie merken, dass ich durchaus eine Ahnung vom Fußball habe. Das ist zumindest immer mein Eindruck gewesen. Und ich spiele heute ja auch selbst noch Fußball. Andererseits bin ich natürlich in erster Linie ein Unterhalter. Es ist womöglich diese Kombination, die mich ein wenig speziell macht. Als reinen Experten müsste man einen aus der Kreisliga wie mich sicherlich nicht einladen.

Gab es denn jemals Ambitionen? Ihr Vater hat bei Borussia Lippstadt in der Jugend immerhin Karl-Heinz und Michael Rummenigge trainiert. Hand auf’s Herz: Warum hat es bei Matze Knop nicht mit der Profi-Karriere geklappt?
Diesen Wunschtraum hat doch fast jeder Jugendliche irgendwann mal. Man muss da aber ehrlich zu sich sein. Ich denke, dass ich ein relativ gutes Spielverständnis habe. Taktik und Einsatz stimmen. Technisch gibt es sicherlich noch den ein oder anderen Mangel (lacht). Das, was bei Lionel Messi ganz instinktiv klappt, dafür braucht ein Matze Knop minutenlang Bedenkzeit. Und dann ist die Spielsituation natürlich längst schon vorbei. Ich habe es aber immerhin in die Bezirksliga geschafft. Das ist doch auch schon mal ein Anfang.

Als Sie angefangen haben, Fußballer und Funktionäre zu parodieren, ging Ihre Karriere steil bergauf. Wie kommt das bei Betroffenen an?
Die Resonanz war immer sehr positiv. Die Protagonisten haben sich meistens bereiterklärt, da mitzumachen. Zum Beispiel, wenn ich verrückte Ideen hatte wie „Luca Toni trifft Luca Toni“. Der fand das lustig und war sofort dabei. Die Akzeptanz hat damit zu tun, dass ich niemand bin, der die Menschen beleidigt. Meine Parodien sollen immer eine positive Energie behalten.

Haben Sie sich schon mal an einer der Figuren die Zähne ausgebissen?
Nicht wirklich. Im Endeffekt bekommt man mit Übung und dem richtigen Biss vieles hin. Wenn, war es eher so, dass ich keinen Bock mehr darauf hatte. Ich muss Spaß an der Sache haben, damit sich die Arbeit lohnt. Natürlich geht es bei der einen Figur schneller als bei der anderen. Einen Dieter Bohlen bekommt man einfacher hin als Felix Magath. Dafür macht es umso mehr Laune, geschafft zu haben, woran andere gescheitert sind.

In der aktuellen Nationalmannschaft haben Sie mit Ausnahme von Mesut Özil bislang keinen der Spieler auf die Schippe genommen. Dabei würde sich doch der ein oder andere durchaus anbieten.
Das wird immer schwieriger, weil die Spieler in der heutigen Zeit wenig von sich preisgeben. Interviews werden fünf Mal neu gedreht und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Richtige Typen wie früher fehlen. Ich will da nur mal einen Mario Basler als Beispiel nennen. Thomas Müller würde sich durchaus anbieten, weil er gelegentlich einen Spruch raushaut. Wobei der optisch nicht so wahnsinnig viel Angriffsfläche bietet. Wenn er nur ein Ziegenbärtchen oder einen Vokuhila hätte.

Und was ist mit Jérôme Boateng? In Sachen Sprache und Gestik kann man ihn doch durchaus als besonders bezeichnen. Oder ist er seit der Nachbar-Entgleisung des AfD-Politikers Alexander Gauland für Komiker tabu?
Das muss man entspannter sehen. Wir reden hier schließlich über Comedy. Wenn wir schon nicht mehr über einen Nationalspieler Witzchen machen dürfen, nur, weil er einen Hautton dunkler ist, dann wäre das eine schlimme Entwicklung. Ich habe ihn mal persönlich getroffen. Er ist ein lockerer Typ. Bei Jérôme könnte man mit Sicherheit eine gute Nummer machen. Vor allem mit seiner komischen sechseckigen Brille, die er neuerdings trägt. Ganz zu schweigen von der Art und Weise, wie er redet. Man müsste es einfach unter reiner Unterhaltung ablegen und nicht wieder ein halbpolitisches Fass dabei aufmachen.

Wenn Sie die Fußballer-Doubles mit den anfänglichen Erfolgen vergleichen: Wie hat sich Ihre Comedy in den letzten 15 Jahren verändert?
Es hat sich unglaublich viel getan. Inzwischen weiß ich besser, was beim Publikum ankommt. Andererseits habe ich mir von der anfänglichen Frische etwas bewahren können. Das hoffe ich jedenfalls. Alles einzustudieren, ist überhaupt nicht mein Ding. Das merken Zuschauer. Wenn ich mir Texte von früher anhöre, denke ich aus heutiger Sicht aber schon: Da hätte man bessere Pointen finden können.

Apropos früher: Ende der 90er Jahre ist „Supa Richie“ sprichwörtlich durch die Decke gegangen. Dahinter verbirgt sich ein Pseudo-Superheld in knallengem Kostüm und mit rhetorischer Begrenztheit. Gibt es den eigentlich noch?
Den gibt es wieder. Er ist sogar bei meinem neuen Programm dabei. Ich habe mir einen Anzug machen lassen, weil der alte so nach 90er Jahre aussah. Und es gibt Planungen, alte Lieder wie „Lach isch, oda was?“ oder „Supa Richie kommt zu dir gefliecht“ neu aufzulegen. Übernächstes Jahr wird es in der Westfalenhalle eine Extra-Show für ihn geben.

Glauben Sie, die Menschen wollen ihn heute wirklich wieder sehen? Ist die Figur nicht ein bisschen zu infantil?
Überhaupt nicht. Supa Richie ist immer noch eine richtig geile Figur, die sensationell bei den Leuten ankommt. Viele, die damals erst 15 Jahre alt waren, sind heute 30. Die kommen zu mir und sagen: Das war ein Teil meiner Jugend. Sicherlich war damals ein bisschen Glück dabei, den Zeitgeist zu treffen. So etwas ist überhaupt nicht planbar. Sonst hätte ich vermutlich schon früher als Mario Barth etwas über Männer und Frauen gemacht.

Die Tournee, mit der Sie am 2. November im Stadeum auftreten, haut immerhin in eine ähnliche Kerbe. „Diagnose Dicke Hose“ ist der doppeldeutige Titel. Wen oder was meinen Sie damit genau?
Ich fordere im neuen Programm, dass jeder ein bisschen mehr das macht, was er schon immer machen wollte. Nicht ganz ohne Rücksicht auf Verluste natürlich, aber man muss auch mal sagen können: Nix da, jetzt bin ich an der Reihe. Gleichzeitig passt der Titel perfekt zu meinen Figuren. Sei es ein Dieter Bohlen oder eben Supa Richie, die treten doch ununterbrochen protzig oder prollig auf.

Und was ist mit Matze Knop? Macht der jetzt etwa auch einen auf dicke Hose?
Auf jeden Fall. Ich kann den Menschen doch nicht zu etwas raten, ohne es selbst vorzuleben. Wir müssen uns von vielen Zwängen erst wieder freimachen. Dieses: Eigentlich würde ich mir ja gern einen Sportwagen kaufen, aber was sollen die Nachbarn dann nur denken? Das sind Dinge, die auch ich zu gut kenne. Ganz ehrlich: Dann sollen die Nachbarn halt blöd gucken. Aber es geht dabei natürlich nicht nur ums Materielle. Dicke Hose bedeutet, innerlich sagen zu können: Ihr könnt mich alle mal, ich ziehe jetzt mein Ding durch.

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