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Vom Umgang mit den Obdachlosen in Stade

Fühlen sich im Grunde ganz wohl in der Unterkunft im Fredenbecker Weg: Herbert Neumann, Sven Kiaups und Joachim Kruse (von links). Foto: Stief

Fühlen sich im Grunde ganz wohl in der Unterkunft im Fredenbecker Weg: Herbert Neumann, Sven Kiaups und Joachim Kruse (von links). Foto: Stief

Das Projekt „Aufsuchende Hilfen für Obdachlose“ läuft seit Jahresbeginn, „positiv“ beschreibt die Stadtverwaltung den Verlauf. Doch es gibt auch kritische Worte. Sie kommen von Betroffenen im Fredenbecker Weg.

Von Wilfried Stief Freitag, 02.08.2019, 15:00 Uhr

Seit Anfang des Jahres kümmert sich der Verein Lebensraum Diakonie im Auftrag der Stadt verstärkt um die Menschen, die in den städtischen Unterkünften im Fredenbecker Weg und an der B 73 wohnen. Verwaltung und Rat wünschten sich für Stade die „aufsuchenden Hilfen für Obdachlose“ und fanden im Lebensraum Diakonie einen Partner, der das Projekt jetzt probeweise für ein Jahr umsetzt.

Der Verein Lebensraum Diakonie (früher Herbergsverein) ist mit einem Büro in der Bremervörder Straße schon seit über 30 Jahren die Anlaufstelle für Obdachlose im Landkreis. Leiter vor Ort ist Matthias Lauer. Sieben Stunden pro Woche hat die Stadt gebucht, erst einmal für ein Jahr, sie zahlt dafür 27 500 Euro. Unumstritten war das nicht, insbesondere von der Wählergemeinschaft wurde am Erfolg gezweifelt.

Die Fachkräfte vom Lebensraum Diakonie nehmen sich der kleinen und großen Sorgen der Bewohner im Fredenbecker Weg und im Haus „Nr. 200“ an der B 73 an. Vor Ort gibt es auch jeweils ein Büro, das an einem Vormittag in der Woche für zwei Stunden besetzt ist. Ansonsten ist das Büro des Lebensraums Diakonie telefonisch erreichbar.

Das Thema Obdachlosigkeit beschäftigte die Politik in den letzten drei Jahren zunehmend. Nach einem runden Tisch, den die SPD angestoßen hatte, kamen Neubaupläne für eine Unterkunft in die politische Diskussion. Ein Neubau sollte die maroden Unterkünfte am Fredenbecker Weg ersetzen. Doch es fand sich kein Ort, an dem solch ein Vorhaben umzusetzen gewesen wäre.

Mitten in der Diskussion trat ein Projekt auf den Plan, das in Lüneburg und Uelzen erfolgreich umgesetzt wurde – eben die „aufsuchenden Hilfen“. Sie sorgen seit Jahren dafür, dass die Zahl der Obdachlosen zurückgeht. Das hörte sich so gut an, dass Rat und Verwaltung diesen Ansatz ausprobieren wollten. Erklärtes Ziel: die Anzahl der Obdachlosen zu reduzieren und sie in normalere Verhältnisse zu führen.

Was nun in der Pressemitteilung der Stadt positiv beschrieben wird, stößt bei Bewohnern am Fredenbecker Weg negativ auf. Sie sehen die letzten Monate nicht in so rosigem Licht. Dabei ist die Stimmungslage durchaus vielschichtig.

Sven Kiaups wohnt seit sechs Jahren in der städtischen Obdachlosenunterkunft am Fredenbecker Weg. Nachdem er, noch mit Familie, seine alte Wohnung verlassen musste, fand er den Anschluss nicht. Er sei Naturfreund und fühle sich im Fredenbecker Weg wohl, sagt Kiaups. Er kritisiert, wie die Stadt derzeit vorgehe. Wahllos würden die Menschen ausgesucht und umgesiedelt. Auch die, die dort bleiben wollten, müssten weg. So wie Herbert Neumann, dessen Umzug in ein möbliertes Zimmer bevorsteht. Angucken durfte er sich sein neues Zuhause nicht, aber er hat schon gehört, dass dort nicht geraucht werden dürfe.

Auch laute Musik sei tabu. Und wenn geputzt werde, müsse man das Haus verlassen. Für Neumann steht fest: „Wenn es mir da nicht gefällt, gehe ich wieder.“

Joachim Kruse hat gerade andere Sorgen. Starke Rückenschmerzen hindern ihn daran, die Unterkunft zu verlassen und sich Geld abzuholen. Er blickt auf die „aufsuchenden Hilfen“, aber von dort habe er eine Abfuhr bekommen.

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Sven Kiaups ärgert, dass gerade die guten Kumpels umquartiert würden. In die frei werdenden Wohnungen kämen dann Leute, die nur Ärger machten. Er sei sogar bedroht und beklaut worden. Seit 2013 lebt er in einem Durchgangszimmer, drei der Nachbarn seien über die Jahre verstorben. Er hat sich schon ein Attest besorgt, dass er das nicht länger aushalte. Jetzt, wo so viele Wohnungen leerstehen, könnte er doch eine besser ausgestattete Behausung bekommen, meint Kiaups. In seinem Zimmer gibt es nicht mal einen Ofen.

Matthias Lauer vom Lebensraum Diakonie begegnet der Kritik mit Verständnis. „Unser Hilfsangebot weckt Begehrlichkeiten und Hoffnungen“, sagt er. Doch es gebe im Arbeitsbereich der Obdachlosigkeit viel zu tun, und nicht alles könne geschafft werden. Gerade werde eine 30-Stunden-Stelle für Stade beim ambulant betreuten Wohnen ausgeschrieben. Mit den Obdachlosen stünden er und seine Mitarbeiter in gutem Kontakt. Da werde auch erklärt, was leistbar ist und was nicht. Vom Arbeitsaufkommen her betrachtet, müsste die Stadt das Projekt „aufsuchende Hilfen“ aufstocken, sagt Lauer.

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