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Rade-Mienenbüttel

Wacken als Passion: Obstbauer Viets ist Hardrocker

Zwei eingefleischte Hardrock-Fans sind mit 66 Jahren wieder voll in der Szene zugange: Claus Viets und seine Frau Barbara mit ihrer eigens für Wacken gebauten Apfel-Gitarre vor ihrem Obsthof in Rade-Mienenbüttel. Sein Hof-Logo, das in seine

Zwei eingefleischte Hardrock-Fans sind mit 66 Jahren wieder voll in der Szene zugange: Claus Viets und seine Frau Barbara mit ihrer eigens für Wacken gebauten Apfel-Gitarre vor ihrem Obsthof in Rade-Mienenbüttel. Sein Hof-Logo, das in seine

Heavy Metal ist ihre Leidenschaft: Claus und Barbara Viets aus Rade sind Wacken-Fans und jedes Jahr dabei. Doch der Obstbauer bringt Vitamine statt Bier zum Festival mit. Und die Bands spielen seine eigens für Wacken gebaute Apfelgitarre.

Von Claudia Michaelis Freitag, 19.07.2019, 16:49 Uhr

Wenn es um Musik geht, mag es Rades Ehrenortsbrandmeister Claus Viets gern laut und hart: Schon als er 1969 seine Lehre anfängt, beginnt der Jorker Schlagzeug zu spielen. Zwei Jahre später lernt er im Urlaub in Dänemark seine Frau Barbara kennen, und beide besuchen das erste Roskilde-Festival, das 1971 gerade aus der Taufe gehoben wird. Von da an ist ihre Leidenschaft geweckt: Regelmäßig fährt das Paar zu Festivals und Konzerten im Norden, und immer muss es Hardrock sein, erzählt Claus Viets.

1970 gründet der junge Obstbauer in Jork seine eigene Band: „Civil War“ nennt sich die fünfköpfige Truppe. „Wenn sie geübt haben, konnte ich schon in der Ortsmitte das Schlagzeug hören“, erinnert sich Barbara Viets. Sie selbst war kurz nach dem legendären Woodstock-Festival 1969 in Amerika und ist inspiriert. Sie fängt an, Gitarre zu spielen, und ab 1974 hat das Paar eine eigene Band. Sie machen Partys im Obsthof, spielen alles, was zu der Zeit angesagt ist. Led Zeppelin, Santana, und „Born to be wild“ war natürlich immer dabei, erzählt Viets. Dann bekommt das Ehepaar seine sechs Kinder, und es wird vorübergehend zumindest instrumental etwas ruhiger auf dem Obsthof Viets.

Als sie 2014 zum ersten Mal ein Warm-up-Konzert in Wacken besuchen, geht es wieder los: Claus Viets bekommt schnell Kontakt zu Wacken-Gründer und Festival-Chef Holger Hübner. Viets bietet Hübner an, für die Bands und ihre Crews Äpfel zu sponsern, damit die Musiker ihren Brand nicht nur mit Bier löschen, sondern auch ein paar Vitamine bekommen. Die Idee kommt an beim Wacken-Chef, und seit 2015 fährt Viets nun Jahr für Jahr zum Festival – der Musik und des einmaligen Wacken-Ambientes wegen, aber auch, um die Musiker mit Äpfeln, Birnen und saisonalem Obst zu versorgen. „Das kommt sehr gut an bei den Bands“, erzählt der 66-Jährige. Die Männer von Iron Maiden fragten schon mal, ob sie Golden Delicious haben könnten, erzählt Viets. Bekamen sie natürlich. Mittlerweile ist Viets in der gesamten Hardrock-Szene tief vernetzt, mit vielen Bands befreundet. „Und zu jedem Konzert schleppen wir Apfelkisten mit“, erzählt Barbara Viets. Die Bands erkennen ihre beiden Fans vom Obsthof im Konzertgetümmel immer schnell, unterscheiden sie sich doch optisch deutlich vom gängigen Hardrock-Fan mit Bart, Tattoos und Lederkluft: „Wir sehen so was von bieder aus, dass wir einen hohen Wiedererkennungswert bei den Gruppen haben“, sagt Barbara Viets.

Seit 2016 ist Viets offizieller Unterstützer der Wacken Foundation. Die gemeinnützige Stiftung, gegründet von Musikern und Produzenten aus Wacken, hat sich der Förderung junger Künstler aus der Hardrock- und Heavy-Metal-Szene verschrieben. Beim Festival verkauft Viets mittlerweile auch Obstsäfte an die Zuschauer. Den Überschuss aus dem Verkauf bekommt die Wacken Foundation. „Dass den Bands nicht irgendwann der Nachwuchs ausgeht, liegt auch uns sehr am Herzen, wenn man sechs Kinder hat“, sagt Viets. Viele der älteren Bands hat Viets schon aufhören sehen, dass die Hardrock-Szene nicht ausstirbt, ist beiden ein Anliegen.

2017 hat er noch eine weitere Idee, um dem Nachwuchs zu helfen. Als er aus Wacken wiederkommt, fällt sein Blick auf sein eigenes Logo und er denkt: „Das sieht ja aus wie eine Gitarre.“ Viets kontaktiert den Gitarrenbauer Thomas Schultz aus Rostock, der auch schon Gitarren mit dem Wacken-Schädel gebaut hat, und der fertigt aus Spezialholz eine E-Gitarre mit zwei Tonabnehmern, die EMG eigens für die Band Metallica entwickelt hat. „Die haben gewaltige Power, und die Gitarre klingt richtig gut“, sagt Viets. Die Idee: Immer wenn eine Band die Apfelgitarre auf der Bühne spielt, spendet Viets 100 Euro an die Foundation.

Im vergangenen Jahr war die Apfelgitarre erstmals mit in Wacken, seitdem hat sie schon neun Konzerte hinter sich, erzählt Viets nicht ohne Stolz. Inzwischen spielen nicht nur in Wacken, sondern auch andere Bands aus der Region die Apfelgitarre für den guten Zweck. 5th Avenue hat sie schon gespielt, auch der ehemalige Sänger von Iron Maiden, Blaze Bayley, erzählt Viets.

Am 31. Juli geht es wieder los in Wacken, das Festival feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag. Natürlich mit Claus Viets, der schon im Geiste die Apfelkisten packt, und auch die Apfelgitarre wird wieder mit dabei sein. In diesem Jahr wird Rockröhre Jutta Weinhold mit ihrer Band Velvet Viper die Apfelgitarre spielen, sagt Viets und freut sich schon: „Wacken macht einfach Spaß, die haben den besten Sound und die besten Mixer, und ich hab den Jungs versprochen, dass wir diesmal top Wetter haben.“

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