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Wanderführer Schliwa kennt verschlungene Pfade

Den Rucksack immer parat: Wanderführer Jens Schliwa. Foto Stief

Den Rucksack immer parat: Wanderführer Jens Schliwa. Foto Stief

Mal geht es über den Heidschnuckenweg, mal durch die felsigen Schluchten des Hexenstiegs und mal über den mallorquinischen Trockenmauerweg. Die Wege, die Jens Schliwa beschreitet, klingen nach Freiheit und Abenteuer.

Von Wilfried Stief Mittwoch, 10.10.2018, 18:30 Uhr

Seit zehn Jahren ist der zertifizierte Wanderbegleiter auf verschlungenen Pfaden unterwegs. „Vom Wandern zum Pilgern“ ist das Motto, mit dem er für seine Wanderangebote wirbt.

Der Stader Jens Schliwa kennt jede der Wanderstrecken, die er in seinem aktuellen Flyer anbietet. „Meine Planung ist sehr sorgfältig“, sagt der 65-Jährige, der vielen aus seiner Arbeit als Lehrer an der Stader Waldorfschule bekannt ist.

Von der Sorgfalt haben vor allem seine mitwandernden Kunden etwas: Die Sicherheit anzukommen, auch wenn es mal schwerfällt. So sei es einem älteren Ehepaar ergangen, das Mitwandern konnte, weil Wanderführer Schliwa auch immer mal eine Abkürzung aus dem Rucksack zauberte. Und immer auch gebe es die Möglichkeit, Hilfe zu holen, falls das nötig ist.

Schliwas erste Wandertour lief hingegen nicht so glatt. Zu viel Arbeit lag damals hinter ihm, „ich musste einfach mal raus“, beschreibt er die Motivation für seine Flucht in den Bayerischen Wald. Zwei Tage schüttete es wie aus Eimern und auch am dritten Tag sah es nicht besser aus, erinnert sich der Stader. Er watete durch schlammige Waldwege und als er sich auf dem Tiefpunkt fühlte, brach plötzlich der Himmel auf und die Sonne tauchte alles in helles Licht und ließ die nassen Bäume und Sträucher glitzern. „Das war ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Schliwa. Und die Initialzündung für die ersten Touren, die er fortan für Freunde und Bekannte organisierte.

Für seine Initiative „Vom Wandern zum Pilgern“ machte er dann Nägel mit Köpfen. Gut erinnert er sich noch an die Tests und die Prüfungen, die den Weg frei machten zum zertifizierten Wanderführer und Reiseleiter.

Vom „Mysterium des Laufens“ spricht Schliwa, wenn er den Übergang vom Wandern zum Pilgern erklärt. Wer wandere, verliere jeden Tag ein Stückchen mehr von seiner Heimat und von seinen Gewohnheiten. Man lasse gedanklich den beruflichen oder auch familiären Alltag hinter sich und konzentriere sich auf seinen Körper und die abwechslungsreiche Natur. Im weiteren Verlauf sei der Wanderer dann mit seinen Empfindungen und Gedanken konfrontiert und die könne man loslassen oder sich beim Gehen mit ihnen auseinandersetzen, sagt Jens Schliwa. Diese Pilgerschaft eröffne dann eine veränderte Sicht auf die Dinge des Lebens.

Zurzeit ist Jens Schliwa auf einer zweimonatigen Wandertour, die ihn von der Schweiz nach Rom führt. Auf mehreren Etappen schließen sich ihm andere Wanderer an und begleiten ihn für acht oder neun Tage. Er selbst wird in den zwei Monaten 1200 Kilometer bewältigen.

So viel verlangt Jens Schliwa seinen Kunden aber nicht ab. Im nächsten Jahr wird es mehrere dreitägige Wandertouren geben, auf Wunsch der Familienbildungsstätten aus Stade, Harburg oder Wilhelmshaven, mit denen er zusammen arbeitet. Auch neu in 2019: eine reine Frauen-Tour der Fabi Wilhelmshaven von Hamburg nach Bremen. Ganz ungewöhnlich ist das für Schliwa allerdings nicht. „Über 80 Prozent der Teilnehmenden sind Frauen“, sagt er.

Wanderer Schliwa selbst geht am liebsten historische Wege. Von Flecken zu Flecken, von Kloster zu Kloster. Oft sei der Weg landschaftlich reizvoll und berge viele kulturelle Besonderheiten. Auch Stade ist von jeher ein solcher kultureller Knotenpunkt. Und hat mit Abt Albert von Stade einen Kirchenmann vorzuweisen, der im 13. Jahrhundert nach Rom pilgerte, um vom Papst eine Genehmigung für ein Zisterzienserkloster zu erhalten – der Weg war zumindest vom Anlass her gesehen, vergeblich. Von Abt Alberts Pilgerweg gibt es Aufzeichnungen, wenn auch nicht so umfangreiche Schilderungen wie vom Bischof von Canterbury, der ein 1700-Seiten-Tagebuch füllte.

„Pilgerwege sind nicht immer die schönsten Wege“, sagt Fachmann Schliwa. Oft waren die Fußwege nach Rom eine Art Geschäftsreise, weil es etwas vom Papst zu erbitten galt. Für Schliwa gehört der Fernwanderweg E 1 zu den schönsten Wegen, die es gibt. Nur eine Auswahl: Das Lippische Bergland, der Teutoburger Wald, das Eggegebirge, das Sauerland und Westerwald und Taunus liegen am Wegesrand. Jens Schliwa: „Da sind die schönen Gegenden wie auf einer Schnur aufgezogen.“

www.wandern-pilgern.de

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