Warum ausgerechnet das „Al Porto“ in Stade?
Das „Ristorante Al Porto“ – malerisch gelegen am Stader Burggraben . Hinter der idyllischen Fassade weht offenbar ein anderer Wind. Foto Beneke
Am Dienstagabend um 22.15 Uhr war die Sensation perfekt: Fernsehkoch Christian Rach kürte das „Ristorante Al Porto“ am Stader Burggraben in der gleichnamigen Show im Programm des Senders RTL zu „Deutschlands Lieblingsrestaurant“.
In der finalen Folge musste das vom Gastronomen-Ehepaar Patricia (56) und Alessandro (62) Zonca geführte Haus gegen drei Konkurrenten bestehen. Wie die Bewertung zustande kam, bleibt rätselhaft.
Rach selbst beließ es in der Sendung bei Allgemeinplätzen. Die Atmosphäre sei „großartig“ gewesen, die Gerichte „wunderbar“ zubereitet worden. Der Koch lobte das „Gesamtkunstwerk“ und betonte, „unheimlich viel Spaß“ bei seinem Besuch in Stade gehabt zu haben. Für den Küchenchef, der – genauso wie der Tester – vornehmlich edel besohlt hinter dem Herd steht, hatte er bei der Verkündung des Ergebnisses ein Geschenk mitgebracht: Glänzende, rote Lackschuhe.
Mit der Presse wollten die Restaurantbetreiber gestern nicht über ihr Erfolgsrezept und die Dreharbeiten sprechen, eine Begründung dafür lieferten sie aber nicht. Dabei hätte es viel zu erzählen gegeben. Rachs Auftritt brachte Zonca nämlich gehörig ins Schwitzen. „Der Meister verbreitet Stress und scheucht seine Mannschaft“, so Rach. Mit Kritik könne der Gastronom mit italienischen Wurzeln schlecht umgehen. Er reagiere wie ein kleines Mädchen, urteilte Rach. Die Zoncas betreiben ihr Lokal am Burggraben seit 2002. Vorher unterhielten sie ein Restaurant mit dem gleichen Namen in Freiburg.
Laut RTL kämpften über 10 000 Restaurants um den Titel . Fernsehkoch Rach habe die Bewerbungen gesichtet und eine Vorauswahl getroffen, hieß es vonseiten der Pressestelle. Nach welchen Kriterien er dabei agierte, verrieten weder der Sender, noch die Produktionsfirma UME. National bekannte Spitzengastronomen oder Sterneköche waren dem Vernehmen nach nicht unter den Einsendungen.
Ihre Meinung
Wenn Zoncas nicht reden möchten, fragt das TAGEBLATT die Leserschaft: Wie urteilen Sie über das „Ristorante Al Porto“? Mailen Sie Ihre Erfahrungsberichte an hamann@tageblatt.de.
Der Kommentar von Wolfgang Stephan
Klammheimliche Heiterkeit
Irgendwie war das zu ahnen: Das „Al Porto“ in Stade ist jetzt auch „Deutschlands Lieblingsrestaurant“. Glückwunsch. Wer sich gegen 10 000 Konkurrenten bundesweit durchsetzt, darf sich feiern lassen.
Dass Sandro Zonca ein Meister in der Küche ist, muss nicht als Überraschung gewertet werden. Der neue Rach-Titel ist zwar kein Michelin-Stern, reicht aber allemal, um ab sofort als Anziehungspunkt zu gelten. Wer möchte nicht gerne in Deutschlands Lieblingsrestaurant speisen?
Warum dafür jemand nach Stade fahren soll? Das ist die lustige Frage, die Christian Rach aufgeworfen hat. Schon die Kür zum Lieblings-Italiener hat vor ein paar Wochen vor allem bei denen klammheimliche Heiterkeit hervorgerufen, die gerne in einem Ristorante tafeln. Oder sich schon einmal im „Al Porto“ bei der Chefin über irgendetwas beschwert haben. Sonderlich ernst zu nehmen war das damals im Fernsehen nicht, es wurde ja auch nur bei RTL gesendet.
Das „Gesamt-Kunstwerk“ habe ihn überzeugt, sagt Christian Rach jetzt. Und das ist das Problem. Zu einem guten Restaurant gehören nämlich nicht nur das gute Essen, das Preis-Leistungs-Verhältnis und das gute Ambiente, sondern auch ein guter Service. Wie Rach genau deshalb das „Al Porto“ an die Spitze der Sympathien gebracht hat, bleibt sein Geheimnis, das diese Wahl aber für viele Stader zu einer Lachnummer macht.
Keine Frage: Das „Al Porto“ ist ein ausgezeichnetes (jetzt im doppelten Sinne) Ristorante und kann sich mit anderen guten Restaurants in der Region messen. Mehr aber bitte nicht.
Für das „Al Porto“ kann dies ein Bärendienst gewesen sein, denn ab sofort liegt die Messlatte für das Ehepaar Zonca ganz hoch. Jetzt kommen die Gourmets von überall, hat Rach gesagt. Das darf auch als Drohung verstanden werden, denn die haben ganz hohe Erwartungen.
Sorry, wenn das Deutschlands Lieblingsrestaurant sein soll, müssten sich viele Gourmets im Lande ernsthafte Sorgen machen.
Aber glücklicherweise bestimmen das nicht solche Fernsehkasper wie Christian Rach.