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Was dem Handelsverband Nordwest Sorgen bereitet

Verantwortliche vom Handelsverband Nordwest: Jan König, Hauptgeschäftsführer, die Delegierten Monika Schmücker-Reich und Klaus Ney, Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin der Geschäftsstelle in Stade, sowie der Delegierte Jan Meibohm.

Verantwortliche vom Handelsverband Nordwest: Jan König, Hauptgeschäftsführer, die Delegierten Monika Schmücker-Reich und Klaus Ney, Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin der Geschäftsstelle in Stade, sowie der Delegierte Jan Meibohm.

Drei Millionen Arbeitsplätze stellt der Einzelhandel in Deutschland. Mit den Umsätzen ist der Handelsverband Nordwest als Fürsprecher der Händler in der Region zufrieden. Aber einiges bereitet ihm auch Sorge – darunter diese drei Problemfelder.

Von Karsten von Borstel Dienstag, 01.11.2016, 16:33 Uhr

Jan König ist seit 2015 Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. Er ist die Stimme von 1000 Mitgliedsbetrieben im Handelsverband mit einem Einzugsgebiet von Oldenburg bis Stade. Vor allem in rechtlichen Fragen können sich Händler an diese Institution wenden. Jan König blickt aber mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

„Man liest immer, dass es dem Handel gut geht“, sagt König. In der Tat seien die Umsätze der vergangenen fünf Jahre erfreulich. Aber ein Blick ins Detail lohnt hier. Für das laufende Jahr prognostizieren Fachleute im Handel deutschlandweit ein Wachstum von 2,5 Prozent. Während auf den Online-Handel elf Prozent Zuwachs entfallen, wächst das stationäre Geschäft aber nur um einen Prozentpunkt. Gleichwohl müsse, so Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin der Geschäftsstelle in Stade, nicht automatisch jeder Betrieb in das Online-Segment investieren. Es böte Chancen – aber auch Risiken. Der Beratungsklau, bei dem sich Kunden vor Ort informieren, um günstig im Internet zu bestellen, sei aber eher die Ausnahme. Nathalie Rübsteck: „Die Kunden haben eine sehr hohe Erwartungshaltung an den Einzelhandel.“

„Wir machen uns sehr große Sorgen um die Innenstädte“, sagt Hauptgeschäftsführer König. Im strukturschwachen Norden erwartet sein Verband einen Umsatzrückgang von rund einem Drittel bis zum Jahr 2020. Vor allem in Städten bis 50 000 Einwohner, wie Stade und Buxtehude, sei das Problem existent. Der stationäre Handel ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern zugleich einer der wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland. Schätzungsweise drei Millionen Arbeitsplätze stellt der Einzelhandel heute in der Bundesrepublik.

Momentan treibt König und seine Zunft wieder mal das Thema verkaufsoffene Sonntage um. Derzeit dürfen Städte vier Mal im Jahr an Sonntagen öffnen. Orte mit touristischer Bedeutung dürfen von Gesetzes wegen bis zu acht verkaufsoffene Sonntage anbieten. Problematisch ist ein Gebot aus Hannover, nach dem für die Termine immer ein besonderer Anlass und nicht das reine Verkaufsinteresse der Händler im Vordergrund stehen muss. Jan König fordert hier klare Regeln und sagt: „Wir haben den Eindruck, dass die Landespolitik das Thema vor der Wahl nicht mehr anpacken will.“ Die diffuse rechtliche Lage könne Kommunen und ihre Pläne ausbremsen.

Der dritte Bereich, in dem der Handelsverband noch Nachholbedarf sieht, ist die mangelhafte Infrastruktur im eher ländlich geprägten Raum. Wenige oder zu teure Parkplätze in den Zentren sorgten dafür, dass viele Besucher ausblieben. Jan König: „Wir brauchen Einzelhandelsentwicklungkonzepte zur Steuerung, um die Menschen wieder in die Innenstädte zu bringen.“ Auch die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln werde in vielen Regionen zu einem Hindernis. Nathalie Rübsteck denkt dabei an Stade: „Der Neue Pferdemarkt muss funktional gestaltet werden, auch in Sachen Busanbindung.“

Was das bevorstehende Weihnachtsgeschäft betrifft, sind die Händler übrigens positiv gestimmt. „Das Konsumklima ist gut, obwohl sich globale Themen wie die US-Wahl oder Terrorgefahr immer auch auf die Kauflaune auswirken“, sagt Jan König.

Konsum-Laune trübt sich leicht ein

Die Stimmung bei den Verbrauchern trübt sich leicht ein. Vor allem der gestiegene Ölpreis und die Inflation bremsen nach dem GfK-Konsumklimaindex für Oktober die Kauflaune. Die Inflation stieg demnach im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Prozent. Deshalb rechneten viele Menschen damit, weniger Geld zur Verfügung zu haben. Der Index sank zum zweiten Mal in Folge um 0,3 auf 9,7 Punkte. Nach der GfK-Studie und mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft befinde sich das Konsumklima in Deutschland aber noch auf einem „sehr zufriedenstellenden Niveau“.

» Wir machen uns sehr große Sorgen um die Innenstädte. «

Jan König, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Nordwest.

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