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Was ist los bei Schwarz Cranz in Neu Wulmstorf?

So sah es am vergangenen Mittwoch bei Schwarz Cranz in Neu Wulmstorf aus: Die Polizei sperrte den geräumten Betrieb weiträumig ab.

So sah es am vergangenen Mittwoch bei Schwarz Cranz in Neu Wulmstorf aus: Die Polizei sperrte den geräumten Betrieb weiträumig ab.

Angeblich schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung von Leiharbeitern und aktuell eine folgenschwere Bombendrohung: Immer wieder gibt es Negativschlagzeilen um die Fleisch- und Wurstwarenfabrik Schwarz Cranz aus Neu Wulmstorf. Was ist da los?

Von Sabine Lepél Dienstag, 18.10.2016, 17:25 Uhr

Einen Tag nach der vorläufigen Festnahme einer 29-Jährigen, die mit ihrer Bombendrohung gegen Schwarz Cranz am 12. Oktober für die stundenlange Evakuierung des Betriebs verantwortlich war, sah sich die Geschäftsleitung noch nicht in der Lage, eine Stellungnahme zu einer TAGEBLATT-Anfrage abzugeben. „Wir werden uns heute nicht mehr bei Ihnen melden“, ließ Kristin Schwarz, Geschäftsführerin des Familienunternehmens, gestern über eine Sekretärin ausrichten.

Wie berichtet, hatte die Polizei eine 29-jährige Mitarbeiterin überführt, als sie die Androhung einer Explosion in dem Betrieb an der Justus-von-Liebig-Straße aus einer Buchholzer Telefonzelle heraus zum dritten Mal wiederholte. Laut Polizei habe die Frau als Grund für ihren Bombenterror ihre Unzufriedenheit mit dem Job angegeben. Ihr drohen nun bis zu drei Jahre Haft und das Heranziehen zur Begleichung der entstandenen Einsatzkosten im mittleren fünfstelligen Bereich. Nach Angaben der Beschuldigten soll eine weitere Frau, ebenfalls eine Mitarbeiterin von Schwarz Cranz, an der Drohung beteiligt sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schwarz Cranz in die Schlagzeilen gerät. Und dabei ging es nicht um Wurst: Erstmals hatte „Spiegel TV“ über Werkverträge mit Subunternehmen berichtet, die die ausländischen Mitarbeiter ausgebeutet haben sollen. Wie berichtet, wechselte Schwarz Cranz daraufhin zu einem anderen Personaldienstleister. Zudem geriet das Neu Wulmstorfer Unternehmen in die Kritik, weil Arbeiter im Sommer 2014 wegen Lohnausfalls auf die Straße gingen und in diesem Zusammenhang auch ihre schlechte Wohnsituation in einem Haus in Rübke bekannt wurde. Damals schaltete sich auch der Landkreis Harburg ein, der dem Eigentümer einer Unterkunft für rumänische Arbeiter mit einem Nutzungsverbot drohte.

Aktuell haben die Bombendrohungen der Schwarz-Cranz-Mitarbeiterin das Unternehmen wiederum ungewollt in die Medien gebracht. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass insbesondere die junge Geschäftsführerin für positive Schlagzeilen sorgte. Kristin Schwarz wurde nämlich 2013 zur „Familienunternehmerin des Jahres in der Metropolregion Hamburg“ gekürt. Die damals 38-jährige Inhaberin der Schwarz Cranz GmbH & Co KG erhielt den renommierten Wirtschaftspreis bei einer Gala in den Fliegenden Bauten aus den Händen von Wirtschaftssenator Frank Horch, der ihr Unternehmen in seiner Laudatio als „Paradebeispiel für die Symbiose aus Tradition und Moderne“ lobte: „Kristin Schwarz ist es gelungen, ihr familiäres Erbe in sechster Generation zu bewahren und gleichzeitig zukunftsfähig zu machen“, sagte Horch damals.

Die zweifache Mutter stieg 1999 ins väterliche Unternehmen ein, als der Betrieb 200 Mitarbeiter zählte und etwa 30 Millionen Euro jährlich umsetzte. Heute arbeiten bis 500 Mitarbeiter für die 1852 im Alten Land gegründete Firma. Es heißt, der Jahresumsatz des mittelständischen Lieferanten von Fleischwaren habe sich unter Führung von Kristin Schwarz vervierfacht.

Sie übernahm den Betrieb 2009 als alleinige geschäftsführende Gesellschafterin von ihrem Vater. Der hatte sich ebenso wie ihr Großvater lange keine Frau an der Spitze des Unternehmens vorstellen können. Doch die Betriebswirtin, die schon als Schülerin im Ladengeschäft auf dem Firmengelände an der Justus-von-Liebig-Straße ausgeholfen hatte, bewies in der Männerbranche Zähigkeit und Durchsetzungsvermögen und machte mit ihrem Expansionskurs aus der Landschlachterei einen der 20 größten Fleischwarenhersteller in Deutschland.

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