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Adventsserie

TWas sich in Harburgs geheimnisvollem Atombunker verbirgt

Was sich in Harburgs geheimnisvollem Atombunker verbirgt

Bis Heiligabend öffnet das TAGEBLATT für seine Leser 24 Türen, die eigentlich verschlossen sind - und erzählt die spannenden Geschichten dahinter. Zum Auftakt geht es unter die Erde - in eines der größten bauwerklichen Geheimnisse Hamburgs.

Von Sabine Lepél Mittwoch, 01.12.2021, 09:00 Uhr

Mit dem S-Bahn-Bau in Harburg zwischen 1973 und 1983 entstand eines der größten bauwerklichen Geheimnisse von Hamburg: Quasi nebenbei wurde damals einer der größten Zivilschutzräume der Stadt erbaut. Es war die Zeit des Kalten Krieges – und die Bunkeranlage in der Station Harburg-Rathaus sollte nach den Vorstellungen der Erbauer 5000 Menschen Schutz zum Beispiel vor Strahlung im Falle eines Atomschlages bieten.

Das Besondere heute: Täglich laufen Tausende Menschen über den Bunker, ohne zu wissen, dass es ihn überhaupt gibt. Drinnen waren sie aber höchstwahrscheinlich nie, denn in den Atombunker darf bis auf sehr seltene Ausnahmen niemand hinein.

Schutzbedürftige konnten bis zu zwei Wochen im Bunker überleben

Das Gleis des S-Bahnhofes Harburg-Rathaus gehört bereits zu der Schutzraum-Anlage, die insgesamt rund 5300 Quadratmeter groß ist und sich im Besitz der Deutschen Bahn befindet. Längst wird mit solchen Schutzräumen und Bunkeranlagen im Katastrophenschutz nicht mehr geplant. Auch im Ernstfall – also bei einem Unfall im Kernkraftwerk, einem Angriff mit Giftgas oder anderen biologischen und chemischen Waffen oder einem Atomschlag – hätte der Schutzraum den bis zu 5000 Schutzbedürftigen nur für höchstens 14 Tage das Überleben sichern können.

Denn Filtereinrichtungen, Nahrung und Strom hätten nur für zwei Wochen gereicht. Dann hätten die Menschen wieder hinauf gemusst in die verseuchte Umwelt. In die Station Harburg-Rathaus hätten im Ernstfall noch bis zu drei Züge einfahren können, dann wäre die gesamte Anlage hermetisch verriegelt worden, dicke Betonteile hätten den Bahnsteig in Harburgs Innenstadt verschlossen.

Privatsphäre Fehlanzeige: die Spültoiletten im Bunker. Foto: BA

Privatsphäre Fehlanzeige: die Spültoiletten im Bunker. Foto: BA

Der Weg in den Bunker beginnt hinter einer unscheinbaren Stahltür: Rund 50 Stufen führen hinunter in die Unterwelt. Wobei ein mulmiges Gefühl entsteht, denn wie über das schmale Treppenhaus im Ernstfall viele Menschen in möglichst kurzer Zeit in den damals als „Mehrzweckanlage“ bezeichneten Schutzraum gelangen sollten, ist kaum vorstellbar. Von außen finden sich nur wenige Hinweise auf die Existenz des Schutzraums, wie etwa mehr oder weniger gut getarnte Öffnungen für die Luftfilter.

Eingerahmt von erdrückend kahlen Betonwänden, befinden sich unten unter anderem Schleusen, Schlaf- und Waschräume, Dekontaminationsanlagen, Kocheinrichtungen, Lagerräume für Betten und Stühle, Wasch- und Duschmöglichkeiten sowie Reihen von Toiletten. Wasser wäre aus einem heute versiegelten Tiefbrunnen gekommen. Strom hätte es über Dieselmotoren gegeben, 50.000 Liter Kraftstoff hätten dafür eingelagert werden können. Doch dazu ist es nie gekommen.

Die Serie

Das TAGEBLATT blickt in der Adventszeit hinter verschlossene Türen. Bis einschließlich Heiligabend stellt die Redaktion im Dezember 24 Orte und ihre Geschichte vor.

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