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Weißer Ring: Sie kümmern sich um die Opfer

Rentner Wolfgang Malleskat hilft ehrenamtlich in der Außenstelle des Weißen Rings. Foto Beneke

Rentner Wolfgang Malleskat hilft ehrenamtlich in der Außenstelle des Weißen Rings. Foto Beneke

Die Opferhilfeorganisation Weißer Ring wird 40 Jahre alt. In der Region Stade ist der Verein seit einem Vierteljahrhundert vertreten. Sechs Mitarbeiter nehmen sich jener Menschen an, die unter den Folgen eines Kriminalverbrechens zu leiden haben.

Montag, 19.09.2016, 17:28 Uhr

Einer der ehrenamtlichen Aktiven, Rentner Wolfgang Malleskat, berichtet von der Arbeit der Gruppe. Sein größter Wunsch ist es, junge Menschen für das Team der Außenstelle gewinnen. „Mich hat es immer geärgert, dass so viel über die Täter gesprochen wird, sich aber niemand um die Opfer kümmert“, sagt Malleskat. Der ehemalige Unternehmensberater ist inzwischen in Rente und bringt sich ehrenamtlich beim Weißen Ring ein. Der Verein kümmert sich um die Opfer von Kriminalverbrechen – von Raub und Einbruch über Körperverletzung und Missbrauch bis zu Betrug und Cybermobbing.

Mitunter wenden sich auch Angehörige von Mordopfern an die Stader Außenstelle. „Wir glauben erst einmal allen Opfern und lehnen niemanden ab“, sagt Malleskat. „Aber wir sind nicht naiv und lassen uns nicht ausnutzen.“ Durch die regelmäßige Aus- und Fortbildung haben die sechs Mitarbeiter ein Gespür dafür, welchen Schilderungen sie Glauben schenken dürfen und was sie hinterfragen müssen.

Die Ehrenamtlichen hören den Betroffenen zu und unterstützen sie bei ihrem Weg zurück in ein normales Leben. Sie arbeiten eng mit dem Kinderschutzbund, den Frauenhäusern, der Polizei sowie der Traumaambulanz am Elbe Klinikum zusammen und helfen bei der Vermittlung von Therapieplätzen. Schon ein gewöhnlicher Einbruch könne reichen, um einen Menschen aus der Bahn zu werfen, berichtet Malleskat. „Die Opfer trauen sich nicht mehr in ihre Wohnung zurück“, erzählt er. In Ausnahmefällen leistet der Weiße Ring auch finanzielle Hilfe und ersetzt gestohlene Einrichtungsgegenstände wie ein Bett oder einen Fernseher. „Sie glauben gar nicht, wie dankbar die Betroffenen sind“, schildert Malleskat seine Erfahrungen.

Die Mitarbeiter halten Vorträge an Schulen oder bei Vereinen zum Thema Kriminalitätsprävention. Sie begleiten die Betroffenen zu Zeugenvernehmungen oder Gerichtsverhandlungen und beraten sie bei Anträgen für Entschädigungszahlungen. 600 bis 1000 Fälle landen alleine im Raum Stade jedes Jahr beim Weißen Ring. Mitgliedsbeiträge, Spenden, Erbschaften und von Gerichten verteilte Bußgelder helfen der Organisation, ihre Kosten zu decken. Malleskat und seine Mitstreiter sind auf der Suche nach Verstärkung. Sie möchten die Arbeit in jüngere Hände geben. Angehende Juristen oder Sozialpädagogen könnten durch die ehrenamtliche Arbeit wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihnen im Job helfen, sagt er.

Opfer von Verbrechen können sich an die bundesweite Telefon-Hotline 11 60 06 oder direkt an die Stader Außenstelle wenden.

www.weisser-ring.de

Kontakt

Außenstelle Region Stade, Leiter Peter Michael Reiß, Alter Schulweg 4, 21723 Hollern-Twielenfleth, Telefon: 0 41 41 / 7 88 91 41, E-Mail: pmreiss@t-online.de.

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