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Weltliteratur aus Lübeck: 125 Jahre Buddenbrooks

Passanten betrachten das geschlossene Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt.

Passanten betrachten das geschlossene Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt. Foto: Christian Charisius/dpa

Mit seinem Roman Buddenbrooks hat Thomas Mann Lübeck vor 125 Jahren auf die Weltkarte der Literatur gesetzt. Die Stadt feiert das ausgiebig. Aber nicht im Buddenbrookhaus – das ist eine Baustelle.

Von Christian Risch, dpa 13.10.2026, 06:05 Uhr
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Lübeck. Täglich kommen zahlreiche Touristinnen und Touristen in die Mengstraße und bleiben vor dem weißen Haus mit der markanten Fassade stehen, machen Fotos – und ziehen dann ratlos wieder ab. Das Museum Buddenbrookhaus, eines der bekanntesten Gebäude Lübecks, ist seit 2020 wegen Umbauarbeiten geschlossen und bleibt es auch noch mehrere Jahre. Beim Informationsschild am Fenster wurde der Zeitpunkt der Wiedereröffnung bereits überklebt. 2030 steht dort jetzt auf rotem Grund.

Gerade jetzt schmerzt es Caren Heuer, Direktorin des Buddenbrookhauses, dass der Umbau nicht schon fertig ist. Denn Lübeck feiert 125 Jahre Buddenbrooks nicht nur mit einer großen Ausstellung, sondern auch mit Lesungen und vielen weiteren Aktionen. Am 13. Oktober 1901 wurde der Roman „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“ des damals 26 Jahre alten Thomas Mann, des späteren Nobelpreisträgers, veröffentlicht. „Es ist der Roman, der Lübeck weltberühmt gemacht hat“, sagt Heuer. 

Direktorin: Lektüre des Buchs lehrt immer noch viel

Mit der Ausstellung „Family Affairs. 125 Jahre Buddenbrooks“ will das Museum im Jubiläumsjahr zeigen, was Familien zusammenhält – im Guten wie im Schlechten – und welche Hoffnungen und Wünsche auf ihnen lasten. Dargestellt werde das an den zentralen Figuren im Roman, erklärt Heuer. Zum Beispiel an Thomas Buddenbrook, dem Firmenerbe, der durch seine Rolle „wahnsinnig unglücklich“ wird. Oder an Toni Buddenbrook, die nicht heiraten darf, wen sie möchte, weil es „standesgemäß“ sein soll.

Caren Heuer, Direktorin des Lübecker Buddenbrookhauses, steht vor dem geschlossenen Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt.

Caren Heuer, Direktorin des Lübecker Buddenbrookhauses, steht vor dem geschlossenen Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt. Foto: Christian Charisius/dpa

Immer noch könne man unglaublich viel von der Lektüre des Buchs lernen, sagt Heuer. Die wichtigste Botschaft für sie sei: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Man sehe in Buddenbrooks das Ringen der Figuren mit Erwartungen der Gesellschaft, der Familie. „Alle versuchen sie, den anderen zu genügen, und alle scheitern sie kolossal damit. Entweder werden sie krank oder verrückt, unglücklich oder sie sterben.“ 

Es ist die Geschichte vom Niedergang einer Kaufmannsfamilie, mit der Thomas Mann auch Lübeck ein literarisches Denkmal setzte. Zum 150. Geburtstag Manns im vergangenen Jahr erinnerte in einem Festakt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an das Werk, in dem Mann literarisch seiner eigenen Herkunft, seiner Familie und seiner Vaterstadt Lübeck so nahe komme wie später nie mehr. 

Ausstellung im Lübecker St.-Annen-Museum

Das Haus der Großeltern von Mann, das als Vorbild für den Romanort diente, wäre der perfekte Ort für die Ausstellung, sagt Heuer. Stattdessen präsentiert das St.-Annen-Museum die Schau vom 29. Oktober an. Der Grund für die Bauverzögerung des Buddenbrookhauses: Nach einem Streit um die Umgestaltung der denkmalgeschützten Kellergewölbe hatte die Lübecker Bürgerschaft den bereits beschlossenen Umbau im Jahr 2023 gestoppt, was eine große Um- und Neuplanung notwendig machte. Das sorgte bundesweit für Schlagzeilen. „Was ist in Lübeck los?“, fragten Autoren in den Feuilletons überregionaler Zeitungen.

Baustopp verursachte großen Imageschaden

„Es war wirklich ein Imageschaden. Wir haben das auch daran bemerkt, dass Spender und Stiftungen plötzlich sehr reserviert waren“, sagt Heuer rückblickend. Sie hoffe und glaube aber, dass man „die Kurve gekriegt“ habe. Auch dadurch, dass Lübeck im vergangenen Jahr den 150. Geburtstag von Thomas Mann so groß gefeiert habe. 

Das Buddenbrookhaus ist jetzt komplett entkernt und wird für den Rückbau aller nicht denkmalgeschützten Teile vorbereitet, der im März 2027 beginnen soll. Das Gebäudemanagement der Stadt spricht von einer Wiedereröffnung im Jahr 2031. Weitere Verschiebungen seien zurzeit unwahrscheinlich, aber eben auch nicht auszuschließen.

Ein Schild am geschlossenen Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt weist auf die Umbauarbeiten hin.

Ein Schild am geschlossenen Buddenbrookhaus in der Lübecker Altstadt weist auf die Umbauarbeiten hin. Foto: Christian Charisius/dpa

Kosten sind durch die Umplanung deutlich gestiegen

Das Land wolle den Umbau weiterhin wie geplant mit 19,2 Millionen Euro fördern, erläutert Heuer. Die Gesamtkosten lägen wegen der Umplanungen aber nicht mehr bei 30 Millionen, sondern bei 42 Millionen Euro. Vor allem der Bund finanziere die Maßnahmen des Museums in den Jahren Bauzeit. Heuer: „Ohne dieses Geld stünden wir hier vor der Vollkatastrophe.“

Kühlschrankmagneten und andere Souvenirs zum Buddenbrookhaus werden im Museumsshop „Buddenbrooks am Markt - Infocenter und Museumsshop“ in der Lübecker Altstadt angeboten.

Kühlschrankmagneten und andere Souvenirs zum Buddenbrookhaus werden im Museumsshop „Buddenbrooks am Markt - Infocenter und Museumsshop“ in der Lübecker Altstadt angeboten. Foto: Christian Charisius/dpa

Während der langen Schließzeit stehe den Gästen nun der Museumsshop „Buddenbrooks am Markt“ offen. Hier sei auch der Ausgangspunkt für literarische Führungen. Heuer: „Unsere Veranstaltungen zu Buddenbrooks sind fast alle ausverkauft. Wir machen Lesungen in der ganzen Stadt. Wir merken einfach, die Stadt schätzt diesen Roman sehr.“

Verlag S. Fischer schätzt etwa 10 Millionen verkaufte Bücher

Nicht nur in Lübeck ist Thomas Manns Roman auch nach 125 Jahren noch ungemein beliebt. „Nach unserem Kenntnisstand liegt die Schätzung zu den verkauften Exemplaren bei etwa 10 Millionen“, sagt Julia Giordano, die Sprecherin des Verlags S. Fischer auf dpa-Anfrage. „Die Resonanz von Presse und Publikum auf alle unsere Neuerscheinungen und Neuausgaben des vergangenen Jubiläumsjahres von Thomas Mann war überwältigend und hat die große Bedeutung des Autors wieder einmal deutlich gemacht“, fügt sie hinzu.

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