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Krisenstaat Sudan

Weltstrafgericht: Gräuel in Darfur nehmen zu

Ein Milizionär mit militärischer Ausrüstung, die angeblich während eines Gefechts im umkämpften Gebiet in Süd-Darfur erbeutet wurde (Archivbild).

Ein Milizionär mit militärischer Ausrüstung, die angeblich während eines Gefechts im umkämpften Gebiet in Süd-Darfur erbeutet wurde (Archivbild). Foto: Marwan Ali/epa/dpa

Chefankläger Karim Khan erhält täglich Hinweise auf Gräueltaten in Darfur und fordert dringende internationale Unterstützung zur Beweissammlung.

Von dpa 11.06.2024, 14:10 Uhr
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Den Haag. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes, Karim Khan, hat deutliche Hinweise auf Gräueltaten in der Region Darfur im Krisenstaat Sudan. In einem dringenden Aufruf fordert Khan in Den Haag internationale Organisationen, Partner und nationale Behörden dazu auf, Beweise und Informationen zu sammeln und ihm zu übergeben.

Täglich erreichten seine Ermittler Informationen aus Darfur, die auf „einen organisierten, systematischen und schweren Angriff auf die Menschenwürde“ deuteten.

Der Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag ermittelt bereits seit 2005 zu Völkermord in Darfur. Es war vom UN-Sicherheitsrat damit beauftragt worden. Das Gericht erließ 2009 auch einen internationalen Haftbefehl gegen den damaligen Präsidenten Sudans Omar al-Bashir wegen des Verdachts auf Völkermord. Ein Schwerpunkt der Ermittlungen ist ein Massaker in West Darfur 2023

Massive und weit verbreitete Vergewaltigungen

Khan nannte nun ständige Angriffe auf die Zivilbevölkerung und vor allem auf Flüchtlingslager, massive und weit verbreitete Vergewaltigungen und andere Arten sexueller Gewalt, Bombenangriffe auf Wohngebiete, Plünderungen und Angriffe auf Krankenhäuser. Die Krise verschlimmere sich, das Leiden nehme zu, sagte der Chefankläger. „Und wir können nicht sagen, dass es keine Warnung gab.“ UN-Experten würden bereits von einem erneuten Völkermord sprechen.

Hintergrund der neuen Gewaltwelle ist der blutige Machtkampf zwischen dem sudanesischen faktischen Machthaber Abdel Fattah al-Burhan und seinem früheren Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo. Er führte nach UN-Angaben zur Flucht von fast zehn Millionen Menschen. Die Hauptstadt Khartum ist in großen Teilen zerstört, derzeit finden vor allem in der Provinz Nord Darfur heftige Kämpfe statt.

Khan sagte: „Es ist empörend, dass wir es zulassen, dass sich die Geschichte in Darfur wiederholt. Wir können, und wir dürfen nicht zulassen, dass Darfur erneut zum vergessenen Gräuel der Welt wird.“ Der Chefankläger rief insbesondere dazu auf, Fotos, Videos und Tonaufnahmen zu sammeln und Kontakte zu Zeugen zu vermitteln.

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