Wenn ein Fußballer die Millionen bewegt
Henning Porth.
Sein Büro ist aufgeräumt. Und genauso aufgeräumt wirkt auch Henning Porth selbst. Der Vorstand der Volksbank Stade-Cuxhaven ist ein stiller Fighter von leicht zu unterschätzender Leidenschaft. Was auch mit seiner zweiten Karriere abseits der Geldbranche zu tun hat.
Seine Laufbahn beginnt wenig aufregend: Weil bereits der Vater Vorstandsmitglied einer Bank war, wollte der in Otterndorf geborene junge Henning Poth diesen Weg einschlagen und machte nach dem Abitur am Athenaeum in Stade auch eine Banklehre bei der damaligen Volksbank Oldendorf. „Politik und Wirtschaft hatten mich schon immer interessiert“, resümiert der heutige Volksbank-Chef. Einmal Bank, immer Bank.
Letztlich gilt das auch für ihn, denn nach der Lehre ging es für sechs Jahre zur Spadaka nach Rosengarten mit dem Ziel, die Bankleiter-Qualifikation zu erlangen. Das war ihm dann allerdings noch nicht genug, so dass Henning Porth noch eine Zusatzausbildung als Verbandsprüfer absolvierte und nach drei Jahren erfolgreich abschloss.
Verbandsprüfer gelten in der Bankenbranche gemeinhin als potenzielle Kandidaten für höhere Aufgaben. Viele Vorstandsmitglieder von regionalen Sparkassen und Volksbanken waren zuvor auch Verbandsprüfer.
Doch Henning Porths Karriere wurde von der Geschichte dieses Landes anders beeinflusst, als er es sich jemals vorgestellt hatte. Mittlerweile beim Genossenschaftsverband tätig, ereilte ihn 1990 relativ schnell der Ruf, als Aufbauhelfer Ost tätig zu werden. Ein Engagement ganz nach seinem Geschmack, denn im Osten war viel Kreativität gefragt. „Wir mussten aufräumen, beraten und korrigieren“, sagt Henning Porth, denn viele der Bankverantwortlichen im Osten seien damals gutgläubig den vermeintlich gutwilligen Beratern aus dem Westen zum Opfer gefallen.
„Wir“, das war schon damals einer seiner Weggefährten aus alten Zeiten, der ihn bis heute nicht mehr loslassen sollte: Axel Lohse, den er während der Ausbildung kennenlernte und mit dem er später drei Jahre unter anderem bei der Berliner Volksbank Aufbauhilfe betrieb. Lohse, heute Vorstandssprecher der Raisa eG, ehemals Stader Saatzucht, ist heute auch Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Stade-Cuxhaven und letztlich Chefaufseher über seinen Kumpel Henning Porth. Eine Männerfreundschaft mit Grenzen: „Wenn ich einen schlechten Job machen würde, wäre ich bei ihm schnell weg vom Fenster“, urteilt Porth über seinen Aufsichtsratschef.
Dass es dieses Duo heute gibt, war aber auch Zufall: Weil Henning Porth spätestens nach dem dritten Kind nicht mehr jede Woche in den Osten pendeln wollte, ging es zurück in den Westen, als Rechnungsprüfer in den Norden, dabei kam er auch als Prüfer zur Volksbank Stade. Als die wenig später einen Geschäftsstellenleiter für die Hauptstelle in Stade suchte, war Henning Porth im Boot. Der neue Job war aber auch ein neues Sprungbrett, denn der neue Filialleiter hatte neue Ideen und schnell den Ruf eines Gestalters – was für einen aus der Rechnungsprüfung kommenden Banker ganz wichtig ist.
Was das für die Volksbank bedeuten sollte, wurde schon nach wenigen Jahren deutlich: Im August 1997 fing Porth bei der Volksbank Stade an, am 1. Januar 2000 war er bereits Mitglied des Vorstandes – neben Reinhard Dunker. Er war zwar gleichberechtigt, aber in der öffentlichen Wahrnehmung eher in der zweiten Reihe, eine Position, die ihm durchaus liegt, denn Porth drängte es nie nach vorne. Wohl wissend aber auch, dass sich aus der zweiten Reihe viel bewegen lässt.
Wie beispielsweise eine Fusion mit der damaligen Volksbank Cuxhaven, die in deutliche Schieflage geraten war und deswegen als Übernahme-Institut nicht gerade gefragt war. Vorsichtig ausgedrückt. Doch die Stader Volksbänker zeigten Interesse. „Die fuhren im ersten Gang, wir im vierten“, erinnert sich Porth. Allerdings war er mit seinem Wissen als Rechnungsprüfer einer der wenigen im Lande, die wussten, dass es so schlecht um die Cuxhavener nicht bestellt ist, wie alle glaubten.
„Wir schaffen das“, war seine Empfehlung an den Vorstandskollegen Dunker, der ihm das glaubte. „Der hatte echt Mut“, sagt Porth heute. Also wurde mit Cuxhaven fusioniert und Pionierarbeit geleistet: „Wir wussten schnell, wie wir den Laden neu organisieren.“
Was danach kam, lässt sich an einer Zahl bilanzieren: Die Volksbank Stade hatte damals 30 Millionen Euro Eigenkapital, heute sind es bei der Volksbank Stade-Cuxhaven 150 Millionen Euro. Dass aus dem Stader Hauptsitz auch eine Filiale in Helgoland gemanagt wird, bezeichnet Porth als „wunderbare Liebhaberei“. Allerdings ist das ein Fossil mit guter Bilanz, denn die Filiale auf der Nordsee-Insel sei rentabel. Ob auch ohne Henning Porth die Verschmelzung mit Cuxhaven gekommen wäre? Der Volksbank-Chef beantwortet die Frage so: „Ich wurde damals immer wieder gefragt: Herr Porth, sind Sie sich sicher, was Sie da machen?“ Er war sich sicher.
Freilich: Ihn nur als Banker zu porträtieren, würde dem gerade 60 Jahre alt gewordenen Henning Porth nicht gerecht werden, denn der Mann hat sich zeitlebens auch über Fußball definiert. An der Erfolgsgeschichte der SV Drochtersen/Assel war er gerade noch in den Anfangsjahren beteiligt. Angefangen in der A-Jugend schaffte es der junge Porth bis in die Landesliga, mehr als 200 Spiele absolvierte er im Trikot von D/A, ehe er wegen des beruflichen Wechsels zum VfL Jesteburg ging und wegen einer Ellenbogensprengung mit 28 Jahren seine Fußball-Karriere als Spieler beenden musste.
Nicht aber sein Wirken im Fußball. Über das Engagement der Kinder wurde er zunächst Betreuer beim TuS Güldenstern, danach machte er den B-Lizenz-Trainerschein und hatte in seinen besten Zeiten zwei Mannschaften unter seinen Fittichen. Neben dem Job als Volksbank-Vorstand. Weil der sportliche Erfolg nicht ausblieb, war wieder Kreativität gefragt, ein Jugendförderverein mit dem VfL wurde als Idee geboren und später nach vielen Wirren mit Henning Porth an der Spitze umgesetzt. Letztlich war der JFV der Grundstock für die Fusion der Stader Fußballer zum VfL Güldenstern Stade vor knapp vier Jahren.
Allerdings ohne den Volksbank-Chef als Funktionär. Mittlerweile ist Porth nämlich Fußball-Rentner und an seinem Lieblingssport nur noch als Zuschauer beteiligt: beim VfL Güldenstern Stade, bei D/A, aber auch als Dauerkarteninhaber beim HSV. „Die Karte zahle ich privat und nicht über die Volksbank“ – ein Hinweis, der dem Naturell des Henning Porth entspricht. Gradlinig, offen und grundehrlich.
Wer jemals einen Bank-Chef ohne jedes Statusdenken erleben möchte, muss Henning Porth treffen. Aber: Sich mit Henning Porth anzulegen, ist nicht unbedingt ratsam. Es gibt zwar auch Filigrantechniker auf dem Fußballplatz, aber auch viele Raubeine, die die Grätsche ausfahren, wenn es notwendig erscheint. Einer wie er ist nicht zu unterschätzen. Wie er sich selbst als Chef charakterisieren würde? Die Antwort kommt ganz schnell: „Hart, aber fair.“
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Heute: Henning Porth, Vorstand Volksbank Stade-Cuxhaven