Zähl Pixel
Archiv

Wie Betriebsübergaben gelingen – Ehepaar Waida übergibt an das Ehepaar Albrecht

Führungswechsel im „Stadissimo“: Eike und Anja Albrecht (links) übernehmen von Helga und Rhett Waida das Restaurant im Stadeum und den Partyservice. Nach 43 Jahren Gastronomie freuen sich Waidas auf ihren Ruhestand. Fotos Dede

Führungswechsel im „Stadissimo“: Eike und Anja Albrecht (links) übernehmen von Helga und Rhett Waida das Restaurant im Stadeum und den Partyservice. Nach 43 Jahren Gastronomie freuen sich Waidas auf ihren Ruhestand. Fotos Dede

Rhett Waida gibt den Kochlöffel ab. Gemeinsam mit seiner Frau Helga übergibt der Koch zum 1. Februar den Waida-Partyservice an Anja und Eike Albrecht. Damit Betriebsnachfolgen gelingen, ist häufig eine jahrelange Vorbereitung notwendig. Das betont Heinrich Fiege von der Industrie- und Handelskammer Stade (IHK), der Familienmitglieder, aber auch Außenstehende bei ihren Vorhaben unterstützt.

Dienstag, 26.11.2013, 16:21 Uhr

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Sohn das väterliche Unternehmen übernimmt. „Unser Sohn und unsere Schwiegertochter haben beide branchenfremde Berufe“, sagt auch Helga Waida. Das Glück der Kinder sei wichtiger als der Betrieb.

Doch wie finden Unternehmer geeignete Nachfolger? Da gibt es verschiedene Wege, erklärt IHK-Experte Fiege. Der Betrieb kann an einen Mitbewerber verkauft werden. Oder zahlungskräftige Investoren finden mit Hilfe der IHK und Banken diskret das passende Unternehmen – eine eher seltene Variante. Außerdem kann ein Unternehmen bei der IHK-Börse „Nexxt-Change“ angeboten werden, was deutlich häufiger passiert. Hier kommen durch die Vermittlung der Kammer Selbstständige und die zusammen, die es werden wollen. Die Vielfalt dabei ist groß: Derzeit suchen unter anderem eine Kindermodenboutique, eine Autospedition und ein Reisebüro im Landkreis Stade einen Nachfolger.

Aber auch unter den Mitarbeitern kann ein Nachfolger sein, sagt Holger Bartsch, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer: „Wichtig ist dabei zu prüfen, ob dieser Mitarbeiter Führungsqualitäten hat und das erforderliche kaufmännische Wissen mitbringt.“

Genau das bringen Anja und Eike Albrecht mit – die 32-Jährige ist Köchin, der 34-Jährige ist Systemgastronom, jetzt Serviceleiter; beide bildeten sich zudem weiter. Sie lernten Helga und Rhett Waida als Angestellte kennen. Vor drei Jahren waren sich beide Parteien einig: Ehepaar Albrecht tritt in die Fußstapfen von Ehepaar Waida und übernimmt den Partyservice sowie das Restaurant Stadissimo im Stadeum.

Große Fußstapfen, aber dank der Übergangsphase konnten Albrechts den Betrieb besonders gut kennenlernen, einen stetigen Lernprozess durchleben. „Das Lernen hört nach dem 1. Februar nicht auf“, sagt Anja Albrecht. Dass die Unternehmung gelingt, davon ist Rhett Waida überzeugt: „Die beiden sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Sie sind gut, sehr gut.“

Gut seien auch die Mitarbeiter, betont der Koch. Eingearbeitetes Personal ist auch für Fiege ein wichtiger Vorteil von Betriebsübernahmen. Ohnehin sieht der Diplomkaufmann vor allem Vorteile in der Übernahme von bestehenden Unternehmen. „Die Strukturen bestehen, Risiken sind besser kalkulierbar, das Unternehmen ist am Markt etabliert, und die Kundenbindung besteht.“ Dank eines sanften Übergangs wie eben im Stadissimo könnten die Nachfolger Vertrauen zu den alten Kunden aufbauen.

Dabei spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Gute Vorbereitung und ein Puffer an Jahren sind die Voraussetzungen für eine gelungene Übergabe, sind sich Bartsch und Fiege einig. Allein die Schätzung des Unternehmens kann einige Zeit in Anspruch nehmen. „Wie viel der Betrieb wert ist, ist eine zentrale Frage“, so Bartsch. Da komme es auch schon mal zu Differenzen zwischen den Parteien.

Damit die Zeit nicht zu knapp wird, hat die IHK Stade alle Unternehmer ab 55 Jahren angeschrieben. Banken erkundigen sich in diesem Zeitrahmen meistens ebenfalls nach der Nachfolge. „Derzeit ist bei rund 500 Unternehmen im Landkreis Stade die Nachfolge ein Thema“, schätzt Fiege.

Doch auch wenn zunehmend Außenstehende Betriebe übernehmen, ist die Nachfolge innerhalb der Familie häufiger, weiß Bartsch. „Die Tochter scheidet nicht per se aus.“ Außerdem solle der Fokus nicht nur auf die eigenen Kinder gelegt werden – Familie bedeutet auch Neffe oder Cousine.

Das Ziel der alten Geschäftsinhaber ist auch Ziel der IHK: Erfolgreiche Unternehmen sollten bestehen bleiben. Das dürfte allerdings künftig schwieriger werden: Die Zahl der zu übergebenen Betriebe nimmt zu, die Zahl der potenziellen Neu-Chefs nimmt wiederum ab. „Wegen des demografischen Wandel wird es so kommen“, so Bartsch.

Heinrich Fiege (links) und Holger Bartsch von der IHK Stade begleiten Selbstständige und die, die es werden wollen, bei der Betriebsübergabe.

Heinrich Fiege (links) und Holger Bartsch von der IHK Stade begleiten Selbstständige und die, die es werden wollen, bei der Betriebsübergabe.

Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.