TWie Einzelkämpfer im Golf als Team funktionieren
Die Deinster Mannschaft will wieder in die Oberliga (von links): Helmut Wiede, Christoph Schippert, Jörn Grewe, Christopher Rochel und Markus Ries. Zum Team gehören insgesamt 13 Spieler. Foto: Scholz
Am Sonntag startet die Mannschaft des Golf-Clubs Deinster Geest in die Landesliga. Der Aufstieg ist das Ziel. Zwei Spieler erklären, worauf es in Deutschlands fünfhöchster Spielklasse ankommt - denn auch dort fallen Wörter wie "aggressiv" und "defensiv".
Christopher Rochel hat den Golfsport in Deinste früh kennengelernt. „Mein Elternhaus war auf der anderen Straßenseite“, sagt er. Heute ist Rochel 37 Jahre alt und der beste Spieler des Golf-Clubs. Sein Handicap, also die Zahl, die seine Spielstärke angibt, liegt bei minus 1, ein Top-Wert. Man schätzt Rochel für seine taktische Herangehensweise, seine Professionalität im Training und auf Turnieren. „Man kann sich viel von ihm abgucken“, sagt Teamkapitän Christoph Schippert.
In wenigen Tagen geht Rochel in seine 19. Saison für die Deinster Clubmannschaft. In der Regel spielte er mit dem Team in der Landesliga, mit einigen Ausreißern nach oben in die Oberliga. Rochel: „Wir sind immer auf dem Sprung zwischen diesen beiden Klassen.“ Die Golf-Landesliga könne man vom Niveau gut mit der Fußball-Kreisliga vergleichen, sagt der Teammanager des Bezirksligisten Mulsum/Kutenholz.
Deinste tritt in der neuen Saison in der Landesliga-Staffel Nord 4 an. Jede der fünf Mannschaften richtet einen Spieltag mit allen anderen Teams aus. Die Saison beginnt am Sonntag auf dem Platz vom Club zur Vahr bei Bremen und endet am 31. Juli in Deinste. „Das wäre natürlich optimal, wenn wir hier den Aufstieg klarmachen“, sagt Kapitän Schippert. Worauf wird es ankommen?
Die Vorbereitung
Auch wenn die Saison erst am Wochenende beginnt, bereiten sich die Deinster bereits seit Januar darauf vor. „Es gibt zwei Phasen“, sagt Schippert. In Phase eins feilen die Spieler an Technik und Grundkondition, das heißt, sie arbeiten zum Beispiel am Schwung oder am Griff, machen Yoga oder Krafttraining. „Man braucht eine gute Fitness“, sagt Rochel. Nur so sei es am Spieltag möglich, die Konzentration über mehrere Stunden hochzuhalten und auf möglichst konstantem Level zu golfen.
In Phase zwei geht es um Feinheiten: das kurze Spiel, Annäherungsschläge, Putten. „Wir bereiten uns gezielt auf den Wettkampf vor. Das ist das, was auf unserem Niveau zählt“, sagt Schippert. Schippert – Handicap: plus 5 und Junior-Manager des Deinster Golf-Clubs – arbeitete zuletzt an seiner Ausrichtung, also wie er ideal zum Ziel steht. Rochel wiederum versuchte, seine Hüftrotation zu verbessern, um beim Abschlag mehr Geschwindigkeit aufzubauen. Außerdem nehmen die Deinster im Winter einige Golfstunden bei den Trainern ihres Clubs. Dabei setzen sie auf Videoanalysen.
Der Platz
Zur Vorbereitung gehört auch die Einspielrunde am Tag vor dem Wettkampf auf fremdem Platz. „Wir schauen uns die Anlage an und überlegen, wie man taktisch vorgehen kann“, sagt Rochel. In einem Heft notieren sie ihre Gedanken: Wie sind die Bahnen beschaffen? Wo lauern Gefahren? Welcher der 14 zulässigen Schläger eignet sich auf der jeweiligen Bahn? Wohin genau schlage ich den Ball?
Das sind wichtige Fragen, denn die Auswärtsteams kennen den Platz nicht so gut wie der Gastgeber. „Wer zu Hause spielt, ist im Vorteil“, sagt Schippert. Am ersten Spieltag zum Beispiel erwartet Deinste ein anspruchsvoller Platz beim Club zur Vahr: eng und im Wald gelegen. „Da spielt man deutlich defensiver“, sagt Rochel. Für lange Schläge zum Beispiel würde er am Sonntag das „Eisen“ dem „Holz“ vorziehen, „damit verzieht man nicht so sehr“.
Die Taktik
Deinste tritt in der Liga als Mannschaft an, aber „auf dem Platz ist jeder für sich verantwortlich“, sagt Rochel. Und damit entscheidet jeder Spieler selber, wie er in den Wettkampf geht: eher defensiv oder aggressiv. „Ich merke meistens beim Einspielen, wie ich drauf bin“, sagt Rochel. Wenn er sich nicht so gut fühlt, geht er es defensiv an. Dann würde er die Fahne am Ende der Bahn nicht direkt anvisieren, sondern mit kürzeren Schlägen „auf Sicherheit spielen“.
Außerdem sei der mentale Aspekt nicht zu unterschätzen. „Wenn man ein, zwei Bahnen schlecht spielt, muss man sich neu motivieren, auf der nächsten Bahn versuchen, die einfachen Dinge richtig zu machen“, sagt Schippert. Das sei wie nach einem Rückschlag im Fußball: nicht lange ärgern, Sicherheit holen. Schippert, 32, kann das gut einschätzen, er spielt mit dem VfL Güldenstern Stade II in der Kreisliga. „Und wenn es gut läuft, schöpft man neue Energie“, wie im Fußball.
Das Team
Die Deinster Mannschaft besteht aus 13 Spielern – der Jüngste ist 13, der Älteste 58. Am Spieltag kommen nur acht zum Einsatz. Jeder von ihnen geht mit zwei Spielern aus anderen Teams auf die 18-Loch-Runde. „Da herrscht ein freundschaftlicher Umgang“, sagt Rochel. Die Golfer plaudern miteinander, „dafür dauert eine Runde auch zu lange“, schätzungsweise viereinhalb Stunden.
Begleitet werden die Spieler von ihren Caddies. Das sind meistens Personen aus dem eigenen Golf-Club, Ersatzspieler, Familienmitglieder oder Freunde. Schippert zufolge tragen sie nicht nur die Schlägertasche, sie kennen auch den Platz, geben Entfernungen an, bauen einen auf, wenn es schlecht läuft, und reichen Nüsse, Bananen, Wasser.
Der Kader besteht vor allem aus Golfern aus der Region. „Wir haben kein Geld, um Spieler einzukaufen“, sagt Schippert. Den Deinstern steht eine mittlere vierstellige Summe zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund werten sie es als großen Erfolg, dass sie bereits drei Mal seit 2013 bei der höchsten Meisterschaft im Golfverband Niedersachsen/Bremen gestartet sind. Jedes Mal stieg die Mannschaft allerdings direkt wieder ab, zu stark war die Konkurrenz. „Die Spitzenteams haben eine ganz andere Kaderbreite und Jugendarbeit“, sagt Schippert. Der Etat liegt im deutlichen fünfstelligen Bereich.
Was den Golf-Club Deinster Geest am ersten Landesliga-Spieltag erwartet, dazu können Schippert und Rochel noch nicht viel sagen. Klar ist, sie treffen auf den Gastgeber-Club sowie Hude, Sittensen und den GC Wümme aus Scheeßel. „Es wird doppelt schwierig“, sagt Rochel, zum einen der anspruchsvolle Platz, zum anderen die Ungewissheit. „Wir wissen gar nicht, wo wir stehen und was wir können.“ Am Sonntag wissen sie mehr.
Der Spielplan
Jedes Team richtet einen Spieltag aus: Club zur Vahr (15. Mai), Golf in Hude (29. Mai), GC Wümme (12. Juni), GC Sittensen (17. Juli), GC Deinster Geest (31. Juli)
Schwere Aufgabe für Aufsteiger
Der Golf-Club Buxtehude geht ebenfalls am Sonntag in die neue Saison, aber eine Liga höher als Deinste. „Es wird schwierig in der Oberliga. Wir werden als Aufsteiger erst mal kleine Brötchen backen“, sagt Trainer Björn Muschinsky. Los geht es mit dem Spieltag beim GC Hamburg-Walddörfer. Am 17. Juli trägt Buxtehude sein Heimspiel auf der Anlage im Ortsteil Daensen aus. „Wir gehen positiv an diese Aufgabe. Alle Spieler haben Bock und freuen sich, auf tollen Plätzen zu performen“, sagt Muschinsky, der das Team seit sechs Jahren coacht und auch Trainer im Golf-Club ist. Die Vorbereitung begann im Winter, unter anderem mit Einheiten am Golf-Simulator. In den letzten vier Jahren hat sich Buxtehude von der Gruppenliga – der untersten Klasse – über die Landes- bis in die Oberliga hochgearbeitet.
Die Deinster Mannschaft will wieder in die Oberliga (von links): Helmut Wiede, Christoph Schippert, Jörn Grewe, Christopher Rochel und Markus Ries. Zum Team gehören insgesamt 13 Spieler. Foto: Scholz
Die Deinster Mannschaft will wieder in die Oberliga (von links): Helmut Wiede, Christoph Schippert, Jörn Grewe, Christopher Rochel und Markus Ries. Foto: Scholz