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Wie Flüchtlingskinder Deutsch lernen und zugleich unterrichtet werden

Rektor Hans-Otto Ehlers und Raissa Promies, Deutsch- und Religionslehrerin und Koordinatorin der „Deutsch als Zweitsprache“-Kurse (DaZ).

Rektor Hans-Otto Ehlers und Raissa Promies, Deutsch- und Religionslehrerin und Koordinatorin der „Deutsch als Zweitsprache“-Kurse (DaZ).

35 der 339 Schüler an der Johann-Hinrich-Pratje-Schule in Horneburg sind Flüchtlingskinder. Das sind mehr als zehn Prozent. Wie die Oberschule es schafft, sie zu integrieren und zum Haupt- oder Realschulabschluss zu führen, erfuhr das TAGEBLATT im Interview.

Von Sabine Lohmann Mittwoch, 22.02.2017, 14:06 Uhr

Redakteurin Sabine Lohmann war im Gespräch mit Rektor Hans-Otto Ehlers und Raissa Promies, Deutsch- und Religionslehrerin und Koordinatorin der „Deutsch als Zweitsprache“-Kurse (DaZ).

Wie ist die Situation der nicht-deutschsprachigen Flüchtlingskinder an Ihrer Schule?

Ehlers: Die 35 Flüchtlingskinder sind in regulären Klassen untergebracht und besuchen für den Sprachlernunterricht einen der – insgesamt sieben – DaZ-Kurse mit jeweils drei bis sechs Schülern. Dafür haben wir vier Lehrkräfte aus dem Kollegium, darunter einen Lehrer, der aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde, und drei vom Landkreis finanzierte Honorarkräfte von der Volkshochschule Buxtehude.

Promies: Wir haben keine ausgebildeten DaZ-Kräfte, aber engagierte Lehrer, die sich durch persönliche Fortbildung den Bereich Sprachförderung erarbeitet haben.

Lässt sich der Erfolg in Zahlen beziffern?

Ehlers: Von den 34 Schülern bekommen 28 Förderunterricht, sechs können schon so gut Deutsch, dass sie – zum Teil auf eigenen Wunsch – auf die spezielle Sprachförderung verzichteten. Auch bei den anderen sind deutliche Fortschritten erkennbar. Das sehen wir an den Benotungen. Anfangs steht in den Zeugnissen „Kann nicht bewertet werden“, ein halbes Jahr später können sich die Schüler schon in zahlreichen Fächern über die ersten Noten freuen. Ein großes Problem ist, wenn sie weder Deutsch noch Englisch können, dann müssen sie zwei Sprachen gleichzeitig lernen, weil eine Fremdsprache für den Schulabschluss erforderlich ist. Das ist für sie nicht einfach.

Ihre Schule hat die Integration offensichtlich gut hinbekommen? Wie haben Sie das geschafft?

Ehlers: Sprachförderung gibt es bei uns schon länger. Der Landkreis ist uns schon früh mit Sprachlehrkräften zur Seite gesprungen. Als die große Flüchtlingswelle im August 2015 einsetzte, war für mich klar, diese Welle endet nicht in München, sondern wird irgendwann zu uns rüberschwappen. Wir haben uns frühzeitig auf diese Situation eingestellt. Das ist der große Vorteil, denn deshalb fühlen wir uns bis heute nicht davon überrollt, obwohl es natürlich mit Arbeit verbunden war. Eine der ersten Aufgaben war es, für diesen Bereich eine Koordinatorin zu finden.

Pomies: Das ist meine Aufgabe. Ich organisiere den Sprachunterricht und bin für die Stundenpläne der Flüchtlingskinder verantwortlich. Weil wir Förderkurse haben, zu denen die Schüler aus ihren Klassen kommen, muss die Koordination und Absprache stimmen. Ich nehme als einzige Lehrkraft unserer Schule an einer Qualifizierungsmaßnahme der niedersächsischen Schulbehörde „Deutsch als Zweitsprache“ teil.

Wo tauchten Probleme auf?

Ehlers: Die Verständigung ist ein großes Problem. Das geht schon los, wenn Schüler mit ihren Eltern, die ebenfalls weder Deutsch noch Englisch sprechen, zur Anmeldung kommen. Wir haben großes Glück gehabt, dass wir einige unserer Eltern, die Arabisch sprechen, dazu holen konnten. Auch Schüler, die zweisprachig aufwachsen, und übersetzen konnten, haben uns in der Anfangsphase geholfen. Bei vielen Schülern mussten wir in den ersten Monaten finanziell in Vorleistung treten, wir haben zum Beispiel das Essen gesponsert. Die Bücher, die im Sprachunterricht genutzt werden, wurden durch Spenden oder mit Hilfe der Gemeinde finanziert.

Promies: Anfangs war es nicht einfach, weil es für den DaZ-Unterricht wenig und kein gutes Unterrichtsmaterial gab. Wir DaZ-Lehrkräfte mussten uns erst auf Material einigen. Zum Teil mussten wir die Schüler auch alphabetisieren. Das war eine zusätzliche Herausforderung.

Das ganze Interview lesen Sie am Mittwochabend im Abobereich auf TAGEBLATT online und am Donnerstag im TAGEBLATT.

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